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Adliger ist eng mit der Stadtwerdung Warburgs verbunden – Todestag am 29. August

Vor 1000 Jahren starb Graf Dodiko

Warburg (WB). Graf-Dodiko-Weg, Graf-Dodiko-Schule, Graf-Dodiko-Brunnen – Graf Dodikos Name lebt auch nach zehn Jahrhunderten noch weiter. Er starb vor 1000 Jahren, am 29. August 1020, vermutlich in seiner Burg auf dem Wartberg, dem heutigen Burgfriedhof. Die Inschriften auf der sandsteinernen Mittelsäule des Graf-Dodiko-Brunnens preisen ihn als Gründer der Stadt.

Im Rathaus Zwischen den Städten befindet sich im Ratssaal ein Wandbild, das Josef Kohlschein der Jüngere gemalt hat. Es zeigt eine Ansicht Warburgs aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem Burgberg sind noch die Reste der Burg zu sehen, die das Zuhause des Grafen Dodiko war. Von Dodiko selbst gibt es kein Abbild. Foto: Jürgen Vahle

Burg ist Herrschaftszentrum

Sein Name ist mit der Stadtwerdung von Warburg eng verbunden. Sein Burgsitz war der Ausgangspunkt der Warburger Stadtentwicklung und gab der in den nächsten Jahrhunderten sich entwickelnden Doppelstadt den Namen.

Dodiko – oder sein Vorgänger – hatte sich für die Anlage seiner Burg eine strategisch und verkehrsmäßig besonders günstige Stelle ausgesucht: Den Wartberg mit seinen nach Osten, Süden und Westen steilen Abhängen.

In seiner Nähe und damit in Nähe der späteren Stadt kreuzten sich drei alte Fernwege, wichtige Handelswege, die von hier aus gesichert und kontrolliert werden konnten: Die Burg bildete zudem das Zen­trum von Dodikos Herrschaft.

Wo in dieser Stadtansicht von Braun-Hogenberg aus dem 16. Jahrhundert die Reste der bischöflichen Burg zu sehen sind, stand um 1000 die Befestigungsanlage Graf Dodikos. Foto: Museum im Stern

Einzige Befestigungsanlage

Von hier aus verwaltete er seine zahlreichen, verstreut liegenden Güter, die schwerpunktmäßig nördlich und südlich des Unterlaufs der Diemel lagen. 167 Bauernfamilien waren von ihm direkt abhängig, denn ihm „gehörten“ nicht nur Grund und Boden, sondern auch die Menschen, die ihn bewirtschafteten und die davon lebten. Als Graf setzte Dodiko zudem die Ansprüche und Rechte des Königs durch und wirkte als Richter.

Weit und breit war Dodikos Burg vermutlich die einzige Befestigungsanlage.

Ob auf dem Desenberg in der Zeit um 1000 bereits eine Burg stand, ist nicht eindeutig zu klären. Ansonsten ist auf dem Gebiet der heutigen Stadt Warburg und darüber hinaus eine ganze Reihe von kleinen bäuerlichen Siedlungen nachgewiesen. Kirchlicher Mittelpunkt der Region dürfte nach wie vor die der Burg benachbarte St. Petrikirche auf der Hüffert gewesen sein, die bis ins 9. Jahrhundert zurückgeht.

Heute keine Spuren mehr

Immer wieder wurde in der Vergangenheit auf dem Burgberg gebaut. Von der Burganlage Graf Dodikos fehlt deshalb jede Spur.

Aus den Schriftquellen kann man schließen, dass dort zu Beginn des 11. Jahrhunderts ein massiver steinerner Wohnbau stand. Er war zweigeschossig und im ersten Stock mit einer kleinen Galerie ausgestattet. Natürlich gehörten zur Burg auch Stallungen und Wirtschaftsgebäude und die Unterkünfte für Knechte und Mägde.

Außerdem ist von einer kleinen Kirche für den Burgherren, seine Angehörigen und sein Personal zu lesen. Sie war dem heiligen An­dreas geweiht. Schließlich werden noch ein kleines Gästehaus und ein Gebäude zur Herstellung von Textilien genannt. Nach außen dürfte die Anlage, eine der frühesten hochmittelalterlichen Höhenburgen Westfalens, zumindest mit einer Kombination aus Wall und Palisade geschützt gewesen sein.

Einziger Sohn wurde getötet

Es gab zu Dodikos Zeit wahrscheinlich bereits einen Marktplatz in der Nähe der Burg. In einem Arbeitshaus auf dem Burggelände wurden Textilien hergestellt und acht Mühlen gehörten zu seinem Besitz. Freundschaftlich und auf Augenhöhe verkehrte Dodiko mit dem Paderborner Bischof Meinwerk.

Zwischen 1013 und 1020 wird er mehrfach als Zeuge in Urkunden Kaiser Heinrichs II. genannt, ein weiterer Hinweis auf seine herausgehobene Stellung. Alles in allem: Graf Dodiko war mit Sicherheit ein ebenso wohlhabender wie angesehener Mann.

Weniger glücklich verlief sein Privatleben. Der einzige Sohn und Erbe aus der Verbindung Dodikos mit einer Stiftsdame oder ehemaligen Nonne wurde von seinem eigenen Streitross getötet.

Wohl veranlasst durch diesen Schicksalsschlag übertrug der nun erbenlose Graf seine reichen Besitzungen dem Bischof von Paderborn. Im Gegenzug behielt er nicht nur zu Lebzeiten das volle Nutzungsrecht über den geschenkten Besitz, sondern erhielt zusätzlich zahlreiche Güter der Kirche übertragen. Im heutigen Stadtgebiet von Warburg hatte Dodiko Besitz in Daseburg, Germete, Hohenwepel, Wormeln und im Bereich der Kernstadt.

Um 1018 hat Graf Dodiko seine Güter der Kirche von Paderborn übertragen. Bildnisse des Adligen hingegen scheinen nicht überliefert zu sein. Foto: Museum im Stern

Besitz geht an Bischof über

Schon zu Dodikos Lebzeiten sollte, so legte der Übertragungsvertrag von 1018 fest, im Paderborner Dom täglich eine öffentliche Messe für sein Seelenheil gefeiert werden. Nach dem Tode Dodikos sollte für ihn und sein Seelenheil am Jahrestag seines Todes eine Messe wie für einen verstorbenen Bischof gefeiert werden mit Brotschenkungen und der Speisungen von hundert Armen.

Mit Dodikos Tod am 29. August 1020 ging sein Besitz einschließlich der wohlbefestigten und strategisch äußerst günstig gelegenen Burg und der wenig später ebenfalls übertragenen Grafenrechte des Verstorbenen an Bischof Meinwerk von Paderborn über.

Er und seine Nachfolger auf dem Bischofsstuhl gewannen mit der Erbschaft Dodikos eine feste Machtgrundlage im südöstlichen Teil ihres Bistums und Herrschaftsgebietes.

Menschen lassen sich nieder

Im Schatten und Schutz von Dodikos Burg ließen sich Handwerker und Kaufleute nieder. Mehr und mehr wuchs die Ansiedlung, die 1036 dann als „villa“ bezeichnet wurde. Die Bedeutung der Burg Dodikos für die Stadtwerdung Warburgs hat bereits vor Jahren der Mittelalterhistoriker Franz Irsigler pointiert zusammengefasst.

Er schreibt: „Burg und Herrenhof als zentrale Hebestelle der Grundherrschaft fördern die Entstehung eines Marktes. Hofhandwerk wird abgelöst von freiem Handwerk, grundherrliche Kaufleute von freien Händlern, die Besiedlung weitet sich aus, und so entsteht am Ende des 12. Jahrhunderts allmählich etwas Neues, die Stadt Warburg.“

Am Paderborner Tor erinnert der Graf-Dodiko-Brunnen an den Grafen und Grundherren, dessen Burg die Keimzelle der Stadt Warburg bildete. Foto: Daniel Lüns
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