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Niedersachsen werfen einen Blick über die Landesgrenze auf die Schönheiten an der Diemel

Warburg mit der Feder festgehalten

Warburg

Im siebten Heft des Jahres 1899 wagte die in Bremen erscheinende Zeitschrift „Niedersachsen“ einen Blick über die Grenze – und brachte einen längeren Bericht über das westfälische Warburg. Autorin war Anna Fehler, die ihre Reportage über Geschichte und Sehenswürdigkeiten Warburgs mit elf Federzeichnungen bereicherte.

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Anna Fehler hat 1899 die Warburger Stadtansicht in Tusche festgehalten. Es zählt zu einer ganzen Reihe von Arbeiten der Reporterin und Künstlerin. Foto: Stadtarchiv Warburg

Eine von ihnen stellen wir nun in der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ vor.

Über dem Artikel druckte man die obige Stadtansicht von Westen her gesehen ab. Einer der Redakteure der Zeitschrift war zu diesem Zeitpunkt Hermann Löns (1866-1914), der später als „Heidedichter“ berühmt werden sollte.

Nur spärliche Nachrichten liegen über Anna Fehler vor: Sie wurde am 13. Juli 1866 in Hannover geboren, vermutlich als Tochter des Oberlehrers Dr. Georg Adolf Fehler, der neuere Sprachen, Religion und Hebräisch unterrichtete. Ab 1899 war sie in Göttingen ansässig. Sie arbeitete als Malerin, Grafikerin, Zeichnerin und Illustratorin. Anna Fehler starb am 28. September 1944 in Göttingen.

Genaues Literaturstudium

Noch relativ bekannt sind ihre Federzeichnungen „In und um Göttingen“, die um 1900 gedruckt wurden. Für die Zeitschrift „Niedersachsen“ war Anna Fehler auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nach 1899 wiederholt tätig. Mit beachtlicher Sachkenntnis skizzierte Anna Fehler die Geschichte Warburgs von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und würdigte einzelne Sehenswürdigkeiten einer näheren Betrachtung.

Offensichtlich hatte sich Anna Fehler auf ihren Besuch in der Stadt an der Diemel durch ein genaues Studium der damals noch eher schmalen Literatur zur Stadtgeschichte vorbereitet. Sie begann ihre Darstellung der Stadtgeschichte mit der Burg Graf Dodikos und gab dann einen Abriss der wesentlichen Entwicklungsphasen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Breiten Raum nimmt in ihrer Darstellung der Desenberg ein. Sie scheint von seiner Erscheinung fasziniert gewesen zu sein: „Unwillkürlich sucht das Auge ihn immer wieder. (…) So sieht man ihn von allen Seiten majestätisch das Land beherrschen.“

Mit großer Sorgfalt und mit Blick für kleinste Details beschreibt sie zum Beispiel das Rathaus zwischen den Städten und ordnet es kunsthistorisch ein. Im Gespräch mit einem Warburger erfuhr sie, dass das Rathaus demnächst abgerissen werden sollte. „Obgleich ich seine Erzählungen nun nicht für ganz authentisch hielt, that mir doch der bloße Gedanke daran weh“, schreibt sie als Kommentar zu dieser Nachricht und plädiert weiter für seinen Erhalt als einem „Stück Geschichte und Poesie vom alten Warburg“. Tatsächlich stand das Rathaus in dieser Zeit im Fokus der öffentlichen Diskussion. Aber es wurde nicht etwa niedergelegt, sondern 1901/02 renoviert und aufgestockt.

Stadtansicht mit Synagoge

Außer der Stadtansicht von Westen illustrierte sie ihren Beitrag noch mit Darstellungen des Rathauses von der Neustadt- und der Altstadtseite aus gesehen und hob als Detail die Rathaustreppe vom Ziegenmarkt aus hervor. Die beiden Stadtkirchen, der Sackturm von der Feldseite aus, der Ikenberg, der Bildstock an der Burg, zwei Wappensteine und der Blick vom Rondell auf Rathaus und ehemaliges Kloster finden sich in Federzeichnungen.

Die Stadtansicht von Westen sollte sich gegenüber der Darstellung von Anna Fehler aus dem Jahre 1899 später deutlich wandeln: Das Rathaus wurde aufgestockt, die Altstadtkirche erhielt 1899/90 einen neuen, deutlich höheren Turm und der aus der Zeit von 1730 stammende Turmhelm der Johanneskirche mit seinen vier Giebeln wurde 1901/02 ebenfalls verändert und erhielt seine heutige Gestalt.

Die Stadtansicht von Westen gewährt im Bereich der Altstadt einen Blick in die heutige Josef-Kohlschein-Straße. Unterhalb der Marienkirche kann man oberhalb der Straße ein Gebäude identifizieren, das ansonsten in keiner Stadtansicht des 19. Jahrhunderts zu erkennen ist: die Synagoge an der Burg mit ihren hohen Spitzbogenfenstern.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

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