Starke Frauen bei der Warburger Feuerwehr – Daniela Klaas-Lüdeke ist erste Brandinspektorin im Stadtgebiet

Wenn es brennt, sind sie zur Stelle

Warburg

Starke Frauen bei der Warburger Feuerwehr: Brandmeisterin Andrea Fuest von der Löschgruppe Ossendorf und Brandinspektorin Daniela Klaas-Lüdeke, stellvertretende Löschgruppenführerin aus Daseburg, haben im vergangenen Jahr ihre Lehrgänge erfolgreich abgeschlossen. In diesem Jahr erhielten sie ihrer Ernennung.

Astrid E. Hoffmann

Brandmeisterin Andrea Fuest von der Löschgruppe Ossendorf (links) und Brandinspektorin Daniela Klaas-Lüdeke, stellvertretende Löschgruppenführerin aus Daseburg, schlossen im vergangenen Jahr ihre Lehrgänge erfolgreich ab und erhielten in diesem Jahr ihre Ernennung. Foto: Astrid E. Hoffmann

„Wir müssen jetzt in unsere neuen Aufgaben hereinwachsen“, sagen die Feuerwehrfrauen. Beide absolvierten Anfang 2020, noch vor Corona, ihre Fortbildungslehrgänge am Institut der Feuerwehr in Münster.

Daniela Klaas-Lüdeke bestand den Zugführerlehrgang (FIV). Sie ist nun berechtigt, zwei Gruppen mit bis zu jeweils neun Blauröcken zu führen. Die damit einhergehende Ernennung zur Brandinspektorin erfolgte in diesem Jahr. Sie ist damit unter den Frauen die Ranghöchste der Freiwilligen Feuerwehr Warburg.

Andrea Fuest schloss erfolgreich den Gruppenführerlehrgang (FIII) ab und darf nun eine Gruppe führen. Sie ist jetzt Brandmeisterin und damit die zweite Feuerwehrfrau mit diesem Rang im Stadtgebiet. Durch Zuzug kam mit Jessica Römer eine Brandmeisterin zur Löschgruppe Nörde.

Die Weiterbildung dauerte bei beiden 14 Tage und erfolgte in Theorie und Praxis, wobei die praktischen Übungen auf dem Außengelände in Münster-Handorf den Hauptteil ausmachten. Dort können viele Einsatzszenarien geprobt werden.

44 Feuerwehrfrauen im Stadtgebiet

„In einem der Gebäude kann sogar die Rettungsleiter komplett ausgefahren werden“, berichtet Daniela Klaas-Lüdeke. Eine Höhenrettung oder die Gefahrensituation in einem Parkhaus werden dort nachgestellt. Im Außenbereich zählen auch Einsätze an Straßenbahnen zu den Übungssequenzen. Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr werden in Münster gleichermaßen geschult.

2017 gab es 18 Feuerwehrfrauen im Stadtgebiet Warburg, mittlerweile sind es 44, wovon sieben Mädchen in der Jugendfeuerwehr Warburg aktiv sind. Die Kinderfeuerwehr sollte im vergangenen Jahr loslegen, doch der Ausbruch der Pandemie verhinderte das.

„Wir werden als Frauen in der Wehr von den Kameraden gleich behandelt“, betonen Andrea Fuest und Daniela Klaas-Lüdeke. Sie wollen eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen. „Heutzutage gibt es viel mehr hochrangige Wehrleute als früher“, berichtet An­drea Fuest. Gab es früher gerade einmal einen Brandmeister, der dann auch Löschgruppenführer war, so seien heute viele junge Kameraden auf den vorgeschriebenen Lehrgängen gewesen und entsprechend qualifiziert.

„Im Einsatz vertraust du den Kameraden dein Leben an“, erklärt Andrea Fuest, was den besonderen Zusammenhalt als Team prägt. Diese Gemeinschaft werde auch nach Feierabend gepflegt. Das schweiße schon zusammen. „Natürlich war das noch vor Corona und ist hoffentlich bald wieder möglich“, sagt Fuest.

Retten, löschen, bergen, schützen

In ihren ehrenamtlichen Einsatz investieren die Frauen viel Zeit. Sie brennen für das, was sie tun: retten, löschen, bergen, schützen – und dafür qualifizierten sie sich auf Lehrgängen.

Daniela Klaas-Lüdeke kam 2007 zur Löschgruppe Daseburg. „Bei einer Feier sind Steffi Volmary und ich mit den Kameraden ins Gespräch gekommen“, erinnert sich die heute 43-Jährige. Nach einigen Übungsabenden hatten die Daseburgerinnen sprichwörtlich Feuer gefangen für die Wehr.

Andrea Fuest wurde neugierig, als sie mitbekam was ihr Bruder bei der Wehr so macht. Sie ging zur Jugendfeuerwehr und wechselte 2008 in die aktive Wehr. Bereits damals ergab es sich, dass beide Frauen zur selben Zeit erfolgreich ihren Truppmannlehrgang in Münster absolvierten. Klaas-Lüdeke: „Wir haben tatsächlich viele Lehrgänge gemeinsam gemacht“. Dazu gehörten Funk- und Kartenkunde, ABC-Lehrgang, CSA (Chemischer Schutzanzug) oder die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger.

Daniela Klaas-Lüdeke ist stellvertretende Löschgruppenführerin in Daseburg. Sie hat 2020 auch ihren LKW-Führerschein gemacht und darf damit nun die entsprechenden Feuerwehrfahrzeuge fahren. Ein wichtiger Aspekt, denn nicht immer sind Kameraden mit dieser Berechtigung vor Ort.

Ein Teil des Dorflebens

Beide Frauen arbeiten Vollzeit, in der Freizeit stehen Radfahren und Krafttraining auf dem Programm, denn alle drei Jahre werden Fitness und Gesundheit der Feuerwehrleute überprüft.

„Die Ausdauer ist nicht zu unterschätzen, gerade unter Atemschutz ist das sehr wichtig“, erklärt Andrea Fuest. Sie ist in der Löschgruppe Ossendorf nun eine von fünf Frauen, lange Zeit war sie die einzige Frau dort. Beim Feuerwehrförderverein ist sie Kassiererin, in der Wehr kümmert sie sich mit weiteren Kollegen zudem um Öffentlichkeitsarbeit.

Daniela Klaas-Lüdeke und Andrea Fuest leiten auch, im Wechsel mit weiteren Kameraden, die Übungsabende, die in kleineren Gruppen über die Woche verteilt durchgeführt werden.

Beide Frauen werben auch um Nachwuchs für die Feuerwehr. „Sie gehört zum Dorfleben dazu“, sagt Daniela Klaas-Lüdeke. „Den Menschen zu helfen und schlimmeres Unheil abzuwenden – wenn dies gelingt, dann ist es den Einsatz wert“, sind sich die beiden Frauen einig.

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