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Karl-Heinz Hellmuth (67) zieht nach 30 Jahren als SPD-Fraktionschef Bilanz

„Wir haben etwas für Warburg erreicht“

Warburg (WB). 30 Jahre lang war Karl-Heinz Hellmuth aus Menne Fraktionschef der SPD im Warburger Rat. In der vergangenen Woche ist er mit besonderen Ehren aus dem Rat verabschiedet worden. Er erhielt den Goldenen Ehrenring der Stadt, der bislang nur an sehr wenige Kommunalpolitiker vergeben worden ist. Über seine drei Jahrzehnte an der Spitze der Warburger Opposition sprach WB-Redakteur Jürgen Vahle mit dem 67-Jährigen.

Ein seltenes Bild im Rat: Bürgermeister Michael Stickeln zeichnet den scheidenden SPD-Fraktionschef Karl-Heinz Hellmuth (rechts) mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt aus. Im Interview spricht der Menner über seine bewegende Zeit im Rat. Foto: Jürgen Vahle

Im Rückblick auf 30 Jahre: Hat sich das enorme ehrenamtliche Engagement gelohnt? Oder gab es mehr Nackenschläge als Ihnen lieb war?

Karl-Heinz Hellmuth: Nein, Nackenschläge gab es nicht. Aber natürlich ist es in der Opposition gegen eine CDU-Mehrheitsfraktion nicht einfach, seine Ideen durchzusetzen. Den ersten Antrag zur Anbindung des Oberen Hilgenstocks an die Ostwestfalenstraße hat Josef Kremper damals formuliert. Die CDU wollte erst durch den Tunnel, dann gab es den Vorschlag einer Brücke. Jetzt wird die Anbindung doch gebaut. Schade nur, dass Firmen wie Hollbach oder die Zuckerfabrik davon nicht mehr profitieren werden. Aber es ist und bleibt eine positive Maßnahme und verbannt den Schwerlastverkehr von der Landfurt.   Gleiches gilt für den Kreisel am Paderborner Tor. Diese Idee hatte Hannelore Ludwig schon sehr früh aus Frankreich mitgebracht. Erst wollte ihn niemand, dann sollte dort eine Ampel hin. Heute gilt der Kreisel als Erfolg und wir hätten ihn ja auch gerne an der Kreuzung B7/Ostwestfalenstraße gehabt. Aber so ist das ohne Mehrheit: Man muss kompromissfähig sein – und steter Tropfen höhlt irgendwann den Stein. Man muss die Mehrheitsfraktion überzeugen können.

Sicher haben Sie in den vergangenen 30 Jahren doch auch einmal falsch gelegen?

Hellmuth: Natürlich. Den ersten Kunstrasen auf dem Hüffertsportplatz habe ich am Anfang auch als langjähriger Schiedsrichter strikt abgelehnt. Im Nachhinein muss ich sagen: Gut, dass er gebaut worden ist. Ohne ihn ginge es heute gar nicht mehr. Auch beim barrierefreien Ausbau der Innenstadt habe ich den Wechsel auf Betonsteine abgelehnt. Heute denke ich: Man sieht kaum einen Unterschied zum Naturstein. Man muss auch anerkennen und zugeben können, wenn man mal falsch gelegen hat.

Was hat den meisten Frust verursacht?

Hellmuth: Schade ist es natürlich, wenn man Dinge gar nicht durchbringt. Ich wollte beispielsweise, dass Windschutzhecken zwischen den Feldern erhalten bleiben. Das ist im Umweltausschuss nicht thematisiert worden. Auch eine Baumschutzsatzung hätte ich gerne gehabt – aber erfolglos. Die Ortsbeiräte hätte ich gerne in der Satzung verankert, damit durch sie auch eine verpflichtende Bürgerbeteiligung erreicht worden wäre. Auch das Zusammenlegen und Abschaffen von Ausschüssen wie dem Umwelt-, Wirtschaftsförderungs- oder Oktoberwochenausschuss hätte ich beispielsweise gerne verhindert. Hier ist Meinungsvielfalt verloren gegangen. Von Frust würde ich nicht dennoch nicht sprechen. In der Kommunalpolitik geht es ja nicht darum, wer als erster die beste Idee hatte, sondern darum, etwas für die Stadt zu erreichen. Und das ist uns in den vergangenen 30 Jahren allen gemeinsam gelungen. Da gab und gibt es keine tiefen Gräben zwischen den Fraktionen. Die wurden eher noch durch Zuhören und Diskutieren in den Gremien des Rates oder in interfraktionellen Gesprächen zugeworfen.

Was hat die meiste Lust verursacht?

Hellmuth: Im Grunde, dass so vieles gemeinsam mit den anderen Fraktionen und auch der CDU gelungen ist. Dass wir es geschafft haben, die Müllentsorgung in den Griff zu bekommen. Die Abfuhr auf dem platten Land zu sichern, war schon ein Erfolg. Später hat ja der Kreis alles übernommen. Außerdem ist es uns gelungen, aus der Bad- und Betriebs GmbH heraus die Stadtwerke zu stärken. Es gab auch Überlegungen, die Stadtwerke zu verkaufen – so wie das viele andere gemacht haben. Gegen einen solchen Verkauf haben wir uns alle gemeinsam gestemmt – eine gute Entscheidung. Auch die Entwicklung des Krankenhauses ist positiv verlaufen. In allen Fraktionen des Rates gab es ja Leute, die das Haus an die Neue Pergamon verkaufen wollten. Da hat die Verwaltung hervorragend reagiert und wichtige Informationen beschafft. Wir haben bekanntlich gemeinsam gegen den Kreis gestimmt und nicht verkauft. Zum Glück, sonst hätten wir heute nicht so eine medizinische Versorgung. Das hat alles viel Arbeit und viele Bauschmerzen gemacht – aber es hat sich gelohnt. Da haben wir etwas für Warburg erreicht. Wichtig war mir auch immer das Engagement im Internationalen Hansetag. Gemeinsam ist es uns ja mit der Warburger Delegation in Nowgorod in Russland gelungen, den Internationalen Hansetag 2036 nach Warburg zu holen. Wir sparen schon seit Jahren für das Fest. Eine tolle Sache.

In Gremien wie einer Fraktion kann man mit manchem besser, mit manchem schlechter. An welchen Genossen erinnern Sie sich am liebsten?

Hellmuth: „Jupp“ Kremper. Josef war vier Legislaturperioden im Rat und mein Stellvertreter. Wir haben oft zusammengesessen. Mit wem ich auch hervorragend auskam und wem ich heute noch dankbar bin, ist Hermann Hermes (Anm. d. Redaktion: ehemaliger stv. Bürgermeister aus Reihen der SPD). Ich wurde gewählt, einen Monat später musste ich meine erste Haushaltsrede halten. Mein Vorgänger Alfons Bunse hatte mir zwar schon einiges verraten, aber ich musste mir vieles anlesen. Ich hab mir einen Ratgeber für Kommunalpolitik geschnappt, aber nur mit Hilfe von Hermann Hermes habe ich die erste Rede über die Bühne gebracht.

Mit wem gab es eigentlich dauerhaft Ärger?

Hellmuth: Ärger eigentlich nicht. Es gab zu Anfang immer mal ein paar Alte, die kurz vorm Pensionsalter waren und Verwaltung anders kennengelernt hatten. Aber eigentlich habe ich immer überall offenen Türen vorgefunden – wie bei Walter Seulen (Anm. d. Redaktion: ehemaliger Stadtdirektor). Der hat zugehört, war für Argumente offen. Das passte einfach. Gleiches galt auch für die Verantwortlichen in der Verwaltung und den Stadtwerken, den Beigeordneten und Bürgermeistern. Viele meiner Anliegen auch für Menne oder andere Ortsteile wurden unbürokratisch erledigt. Eigentlich habe ich mit niemandem große Probleme gehabt. Klar, es gab mal Bestrebungen anderer Kollegen, den Vorsitz zu übernehmen. Am Ende bin ich es dann doch geblieben. Ich wurde auch mal verklagt. Aber in 30 Jahren ist das normal.

In Warburg wird immer viel von der Kreta-Connection geredet. Entscheidungen würden zwischen Ihnen und dem CDU-Fraktionschef in ihren Ferienwohnungen in Griechenland entscheidungsreif vordiskutiert. Was ist da dran?

Hellmuth: Da ist überhaupt nichts dran. Willi Vonde wohnt zwar im gleichen Ort, hat seine Ferienwohnung auch in der Nachbarschaft. Und wie das mit politisch interessierten Menschen ist, unterhalten wir uns auch, wenn wir uns vor Ort mal treffen, auch über politische Themen. Aber wir besprechen ja nichts vor. Das ist Quatsch. Und wie soll das auch gehen. Wir sind die Fraktionsvorsitzenden, nicht die Fraktion. Aber wahr ist in Warburg schon: Man kann bis auf ganz wenige Ausnahmen mit jedem im Rat reden – auch im Urlaub.

Auf welchen politischen Feldern kann sich die Warburger SPD im Vorfeld der Wahl positionieren?

Hellmuth: Ich bin der Meinung, dass gerade der Bereich Mobilität auch im Zusammenhang mit der Verkehrssituation in der Innenstadt ein gutes Thema ist. Unser Ansinnen war es immer, dort eine Fußgängerzone einzuführen. Der Kompromiss war ja damals die zeitweise Sperrung. Die ist leider nach der Umbauphase nicht wieder eingeführt worden – trotz einer anderslautenden Bürgerbefragung, die auch viel Geld gekostet hat. Mit Interesse habe ich gelesen, dass die CDU diese Regelung nicht in Stein gemeißelt sieht. Dieses Thema sollte die SPD aktiv mitgestalten. Gleiches gilt für die Situation am Bahnhof. Der Vorplatz gehört der Stadt und müsste als Aushängeschild für Warburg besser werden – die Parksituation für Autos vor allem und auch für E-Bikes muss sich bessern. In der Innenstadt müssen wir darauf achten, dass das Historische erhalten bleibt. Damit punkten wir in ganz Deutschland. Natürlich muss sich meine Partei auch weiter für den Erhalt so wichtiger Einrichtungen wie der Bäder einsetzen. Man sieht an unserem Freibad in Menne, wie wichtig das ist.

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