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140 Augen-Operationen in Äthiopien: Bürgerkrieg und Corona-Vorschriften setzen der Hatune-Stiftung Grenzen

Ziegen, Kühe und Schafe für Waisen

Warburg

140 Menschen in Äthiopien ist in der Vorweihnachtszeit das Augenlicht zurückgeschenkt worden. Zum sechsten Mal hat die syrisch-orthodoxe Schwester Hatune Dogan aus Warburg-Rimbeck eine solche Augen-OP-Kampagne mitorganisiert.

Von Verena Schäfers-Michels

Schwester Hatune Dogan hat mehrere Einrichtungen in Äthiopien mit Schafen, Ziegen und Kühen versorgt. Die Einwohner freuen sich über die neue Ziegenherde, die in Zukunft die Milchversorgung im Dorf sichern soll. Foto: Hatune-Stiftung

An sieben Tagen in Folge wurden die Patienten am Grauen Star operiert, eine Erkrankung, die in Nordafrika sehr ausgeprägt ist. „Eigentlich waren elf Tage vorgesehen, doch aufgrund des Bürgerkriegs, der momentan Teile des Landes bestimmt, konnten mehrere Ärzte nicht an der Aktion teilnehmen, sie versorgen Kriegsverletzte“, berichtet Schwester Hatune Dogan von der Hatune Foundation International.

140 Menschen konnten von einem Facharzt und zwei Assistenten am Grauen Star operiert werden. Foto: Hatune-Stiftung

Bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt Addis Abeba habe sie sich große Sorgen um die Menschen in dem ostafrikanischen Land gemacht. Die anhaltenden Angriffe, auch auf soziale Einrichtungen, Schulen und Kirchen, hätten sie mit großer Angst erfüllt. „Die Stimmung ist sehr gedrückt“, hat Hatune Dogan überall gespürt. Ihr sei es wichtig, Solidarität zur Bevölkerung zu zeigen und diese zu ermutigen. Aus diesem Grund habe sie auch ein Interview im äthiopischen National-TV gegeben.

Ihr persönliches Augenmerk legt die Schwester momentan auf Äthiopien und den Nahen Osten. „Nach Indien, Guatemala und Mexiko darf ich zurzeit aufgrund der Pandemie nicht einreisen“, sagt sie. Auch in diesen Teilen der Welt gehe ihre Arbeit gut voran, trotzdem bliebe der Wunsch, persönlich nach den Schützlingen zu sehen.

Eines ihrer Ziele in Äthiopien sei es, den Menschen die Selbstversorgung über die Landwirtschaft beizubringen. In Äthiopien seien die Löhne sehr niedrig und die Inflationsrate hoch. Für die Landwirtschaft müssten Brunnen gebohrt werden.

Schwester Hatune Dogan: „Um auf Grundwasser zu stoßen, ist die nötige Tiefe groß. Die Bohrung bringt hohe Kosten mit sich. Alle Geräte müssen aus dem Ausland angeschafft werden.“ In Indien koste ein Brunnenbau 500 Euro. „In Afrika das Siebenfache“, weiß Hatune Dogan. „Denn wo Wasser ist, kann Korn ausgesät, können Bäume gepflanzt und Tiere versorgt werden.“

Der Brunnenbau ist in Afrika mit hohen Kosten verbunden. Foto: Hatune-Stiftung

Wie in Sabata, wo 250 Waisenmädchen und 116 Schwestern in einem Waisenhaus leben. Sie haben nun über die Hatune-Stiftung Ziegen, Kühe und Schafe für die Milchversorgung erhalten. Insgesamt wurden 90 Tiere angeschafft für verschiedene Waisenhäuser, weitere 40 Tiere sollen folgen. Schafe werden nur in den Einrichtungen im Norden gehalten, da der Süden des Landes zu warm für diese Tierart ist.

Mit sechs Koffern voller Oberteile und leichten Röcken – Spenden aus den Niederlanden – wurden die Frauen der Naturvölker versorgt. Im Vorjahr hatte es bereits Kleiderspenden für Kinder gegeben.

Ein weiteres Herzensprojekt sei der Bau eines Waisenhauses für Mingi-Kinder. „Die Naturvölker in Äthiopien haben den Aberglauben, dass Säuglinge, deren erster Milchzahn am Oberkiefer erscheint, verflucht sind“, erklärt Schwester Hatune. „Bei etwa jedem zehnten Kind kommen jedoch die Milchzähne zuerst oben. Diese Kinder werden von den Eltern getötet oder in der Sonne ausgesetzt.“

Das sei seit Jahren verboten, aber manche Völker hielten sich nicht daran. „Ich habe mit den Häuptlingen abgesprochen, dass ich mich um diese Kinder kümmern möchte und sie sind damit einverstanden.“ 105.000 Euro für den Bau eines Waisenhauses und eines angrenzenden Ammenhauses, in dem christliche Schwestern oder junge Mädchen als Pflegerinnen leben sollen, hat die 51-Jährige bereits zusammen. 75.000 Euro an Spenden braucht sie noch.

Synodenvorsitzender Pater Sigedengel hat den Fundamentstein für das zukünftige Waisenhaus vor wenigen Wochen beschriftet. Foto: Hatune-Stiftung

Synodenvorsitzender Pater Sigedengel hat nun mit Schwester Hatune Dogan den Fundamentstein an dem Ort gesetzt, wo bald der Bau des Waisenhauses beginnen soll, um weitere Säuglingsmorde zu verhindern. Fünf Ordensschwestern, die in der Kinderpflege ausgebildet sind, werden die anderen Helferinnen anleiten. „Ich bin sehr positiv gestimmt“, sagt Hatune Dogan.

In Zukunft möchte die 51-Jährige einen Container organisieren, um medizinische Geräte, Krankenhausmöbel und -equipment zu transportieren. Zudem sammelt sie abgelegte Brillen, deren Gestelle noch in Ordnung sind. Zwei Koffer hat sie bereits nach Gaint im Norden des Landes gebracht, wo die Brillen für die Menschen umgebaut werden. Auch Hygieneartikel für Mingi-Kinder und Babybetten werden gesammelt.

2022 werden die ersten beiden Ordensschwestern aus Äthiopien in Hatune Dogans Konvent in Rimbeck einziehen. Für sie werden ehrenamtliche Lehrer gesucht, die den englisch verstehenden Frauen die deutsche Sprache beibringen.

Wer spenden oder Kontakt mit Hatune Dogan aufnehmen möchte, kann sich an sie wenden: www.hatunefoundation.de, E-Mail an spende@hatune.info, Telefon 05642/9857109 oder 0159/01152651.

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