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Tierpark Sababurg muss etwa eine Million Euro Einnahmeverlust verkraften – Tierpark dankt den vielen Paten

Ziegen vermissen die Besucher

Warburg/Hofgeismar

Keine Einnahmen, aber die Ausgaben bleiben gleich: Den Tierpark Sababurg trifft die Coronakrise besonders hart. Etwa eine Million Euro Einnahmeverluste verzeichnet der Tierpark im vergangenen Jahr.

Alice Koch

Die Coronakrise trifft den Tierpark Sababurg besonders hart: Die Ausgaben bleiben gleich, es gibt aber keine Einnahmen. Dennoch gibt es auch Positives zu berichten, denn bei den Pinguinen gab es überraschend Nachwuchs, wie David Selbert im Foto festgehalten hat. Foto:

Als Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Landkreises Kassel erhält der Tierpark keine finanzielle Unterstützung von Bund und Land.

Am 2. November musste der Tierpark im Zuge des erneuten Lockdowns seine Pforten schließen. Dennoch sind die neun Tierpfleger und drei FÖJler ganz normal im Dienst, um die rund 900 Tiere auf dem 132 Hektar großen Gelände zu versorgen. Gehälter müssen gezahlt und Futter gekauft werden – ohne dass ein Cent in die Kassen des Tierparks fließt.

Entmutigen lassen möchte sich Betriebsleiter Uwe Pietsch aber nicht. „Wir nutzen die Zeit ohne Besucher, um unsere Baumaßnahmen voranzubringen“, erklärt er.

So seien bereits fünf neue Grillhütten entstanden, eine Ladestation für E-Bikes und ein Fahrradständer aufgestellt worden. Die Pflasterarbeiten im Eingangsbereich sind abgeschlossen. Zudem seien neue Wegweiser aufgestellt worden, um den Besuchern die Orientierung im Tierpark zu erleichtern. Der Stall für die Beberbecker Pferde soll im März und das neue Luchsgehege im Mai fertig sein.

„Diese beiden Großprojekte sind durch den Haushalt abgesichert, aber die anderen Neuerungen konnten nur dank der großzügigen Spenden realisiert werden“, betont Uwe Pietsch.

Nach dem Spendenaufruf im vergangenen Jahr konnte der Förderverein die stolze Summe von 65.000 Euro an Spendengeldern entgegennehmen. „Wir waren überrascht und überwältigt von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung“, zeigt sich der Tierpark-Chef gerührt.

Es seien auch viele kleine Beträge dabei gewesen und es beweise, dass die Bevölkerung in Krisen zu ihrem Tierpark stehe und ihm helfen wolle. Eine Eisdiele habe zum Beispiel von jedem verkauften Eisbecher für fünf Euro einen Euro an den Tierpark gespendet.

Tierpark-Chef Uwe Pietsch ist begeistert von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Foto: Tierpark Sababurg

Die große Verbundenheit mit dem Tierpark zeigt sich auch durch die Übernahme von Patenschaften, die sich von 450 auf über 1000 im vergangenen Jahr fast verdoppelt hat. Als Dank für die Unterstützung seines Lieblingstieres hat jeder Pate eine Jahreskarte für den Tierpark erhalten.

„Wir hoffen, dass wir bald wieder öffnen können, denn auch einige Tiere vermissen die Besucher“, hat Uwe Pietsch beobachtet. Besonders die Zwergziegen, die den regelmäßigen Kontakt zu den Besuchern gewohnt sind, gucken neugierig und laufen zum Zaun, wenn ein Tierpfleger kommt. Sie seien es gewohnt, von den Kindern gestreichelt und gefüttert zu werden, das fehlt ihnen. Ebenso wie den Wellensittichen und den Kaninchen.

„Damit die Tiere ihren Rhythmus beibehalten, halten sich die Tierpfleger an genau die Zeiten der Schaufütterungen, die sie hoffentlich bald wieder vor den Augen der Besucher kommentieren können“, wünscht sich der Tierpark-Chef, der auch Positives zu berichten weiß. Überraschend seien bereits jetzt drei Pinguinbabys geboren worden. Auch bei den Lämmern gebe es Nachwuchs. Viele weitere Tieren sind trächtig und erwarten ihre Jungen im März und April. Außerdem sind vier Schwarznasenschafe und eine Erdmännchendame neu im Tierpark eingezogen.

Mit durchschnittlich rund 350.000 Besuchern und etwa 30.000 Jahreskartenbesitzern zählt der Tierpark Sababurg zu den beliebtesten Ausflugszielen weit über die Region hinaus.

Wann sie „ihren“ Tierpark wieder besuchen können, und ob die Großveranstaltungen wie Frühlingsmarkt, Sommerfest oder Mittelalter-Spectaculum stattfinden können, ist derzeit noch unklar.

„Wir planen aber intern weiter und stehen Gewähr bei Fuß“, betont Uwe Pietsch. „Wir können sofort loslegen – wenn wir denn dürfen.“

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