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Katja Bernhardt rät beim Frauenfrühstück zum Befreien von Lasten

Zu viele Sorgen im Gepäck

Warburg (WB). Der dritte Samstag im September ist für viele Frauen ein fester Termin im Jahreskalender. An diesem Tag findet das traditionelle Frauenfrühstück in der Stadthalle statt, das am vergangenen Samstag seine 26. Auflage mit 250 Teilnehmerinnen erlebte

Verena Schäfers-Michels

Elfriede Filker (links) und Ingrid Kerlin (rechts) freuten sich über den Besuch von Referentin Katja Bernhardt beim 26. Frauenfrühstück. Foto: Verena Schäfers-Michels

Das Team, bestehend aus zwölf Frauen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, hatte die Veranstaltung auch diesmal mit großer Sorgfalt vorbereitet. Auf den Frühstückstellern gab es eine große kulinarische Auswahl sowie Kaffee und Tee.

Die Dekoration vor der Bühne gab bereits einen Hinweis auf das diesjährige Thema, denn in jedem Jahr wird unter einem anderen Motto an den Frühstückstischen diskutiert. So waren in diesem Jahr antiquarische Koffer auf einem alten Stuhl aufgebaut, gefüllt mit vergilbten Büchern. Sorgen, im übertragenen Sinne schweres Gepäck, darum ging es.

»Leichtes Gepäck«

Mit dem Lied »Ich lasse los«, gesungen von Esther Kerlin, und dem von Elfriede Filker vorgetragenen Songtext »Leichtes Gepäck« der Band Silbermond stimmten die Frauen auf das Thema ein

»Ein sorgenfreies Leben ist eine Illusion«, sagte Katja Bernhardt aus Melsungen, Autorin des Buches »Unterwegs mit leichtem Gepäck«. Die 48-jährige frühere Kinderkrankenschwester und Mutter zweier Töchter war des Referentin des Frauenfrühstück. Ihr Ziel war es, ihre Zuhörer Erleichterung erfahren zu lassen und sie fröhlich nach Hause gehen zu sehen.

Was sie mit dem leichten Gepäck meint, machte mit einer Geschichte deutlich: »Meine Schwester und ich wollten mit unseren Kindern auf eine zweistündige Wanderung gehen. Als wir starteten, hatte sie einen vollgepackten Rucksack mit Essen und Getränken dabei. Ich kam mir vor wie eine Rabenmutter, weil ich nichts eingepackt hatte« erinnerte sie sich lächelnd. »Doch je weiter wir gingen, umso schwerer schleppte sich meine Schwester ab, aber als wir das Ziel erreichten, hatte kein Kind etwas getrunken oder gegessen.« Ebenso sei es mit den Sorgen, mit denen sich die Menschen abschleppten. Oft seien es unnötige oder fremde Sorgen, von denen man sich befreien müsse, um nicht krank zu werden.

Die Gegenwart nicht verpassen

Gerade Frauen hätten auf ihrer Lebenswanderung oft ihre Gedanken in der Zukunft und verpassten dabei die Gegenwart. Als Denkanstoß gab Katja Bernhardt den Frauen drei Fragen an die Tische: Wie nehmen Sie sich selbst wahr? Gibt es eine Lieblingssorge im Leben? Wie sind Sie gerade unterwegs?

Im Gespräch an den Tischen kristallisierte sich schnell heraus, dass die Mütter sich oft Sorgen um ihre Kinder machen, auch die Sorgen um den Partner oder die älter werdenden Eltern standen im Fokus.

Verschiedene Sorgentypen

Katja Bernhardt teilte die Menschen in verschiedene Sorgentypen ein. So gebe es den »Lastenträger«, der es nahezu genieße, sich immer mehr Gepäck von anderen aufzuladen, bis er darunter zusammenbricht. Der »Alleingänger« will seine Sorgen allein bewältigen, während »Streckenkontrolleure« bei sich selbst und anderen keine Fehler zulassen und alles im Griff haben wollen. Und dann sind da noch die »Routenplaner«, die ihren Kopf in der Zukunft haben und alle Möglichkeiten sorgsam durchplanen und die »Buntmaler, die alle Probleme von sich wegschieben und auf der Stelle treten.

Für Katja Bernhardt hat Musik eine therapeutische Wirkung, aber in ihrer verzweifeltsten Stunde war es das Gebet, das ihr schließlich Frieden im Herzen brachte. Es war der Moment, als sie in ihrer Ohnmacht darauf vertraute, dass Gott sich um alles kümmern werde. »Meine Sorgen waren natürlich nicht sofort verschwunden, aber ich fühlte mich befreit«, sag te sie.

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