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Willebadessener Bürgermeister seit 100 Tagen: Norbert Hofnagel spricht über Corona, Probleme und Ziele

„Ausnahmezustand seit dem ersten Tag“

Willebadessen

Neugierde und Ehrgeiz, Neues zu entdecken: Mit den Eigenschaften hat Norbert Hofnagel vor etwa 100 Tagen das Bürgermeisteramt der Stadt Willebadessen angetreten. Ein Start in Corona-Zeiten und im Lockdown, der weiter anhält und verschärft wurde. „Ausnahmezustand, vom ersten Tag an“, sagt der 54-Jährige dazu.

Daniel Lüns

Im neuen Büro hat sich Norbert Hofnagel bereits gut eingelebt. Der 54-jährige Löwener ist seit etwa 100 Tagen neuer Willebadessener Bürgermeister. Foto: Daniel Lüns

Zusatz-Arbeit für den neuen Rathauschef. Themen wie Heimbeschulung, Hygienekonzepte oder Heimarbeit der Mitarbeiter standen auf den Agenda. Gemeinsam mit dem Rathaus-Team habe er die Themen angepackt. „Ich wurde hier sehr freundlich aufgenommen“, betont der Löwener.

„Und das obwohl zwei Drittel des Hauses noch nie einen Bürgermeisterwechsel erlebt hat. Mein Vorgänger Hans Hermann Bluhm war ja vor seinem Amtsantritt auch jahrelang in der Verwaltung tätig“, sagt Hofnagel.

Dass er als Quereinsteiger ins Amt gekommen ist, sieht Hofnagel als Chance. „Die Fähigkeit, von außen auf etwas schauen zu können, hat mir geholfen. Ebenso dass ich krisenerprobt bin“, sagt der Bürgermeister. Zuvor war der Löwener Präsidiumsmitglied des Bundesverbands der Maschinenringe und Geschäftsführer des Maschinenrings Höxter-Warburg gewesen.

Nach dem Amtsantritt tauchte er dann direkt ein in die Lokalpolitik. Unbekannt war ihm das nicht, Hofnagel war bereits im Stadtrat vertreten. Aber das Pensum war dann doch neu: Binnen sechs Wochen wurden drei Ratssitzungen ausgerichtet, bis Weihnachten hatte Willebadessen auch alle ersten Ausschusssitzungen samt Vereidigungen erledigt.

Gemeinsam mit der Lokalpolitik wurden seitdem mehrere Themen angestoßen. Dazu zählt der Umbau der Rathaus-Obergeschosses und der Einzug des Leader-Büros, das Aufteilen der Verwaltungsmitarbeiter durch das Schaffen von Einzelbüros oder die Nutzung von Laptops sowie das Einstellen von Personal.

Auch sensible Bereiche wurden angepackt. Das Familienzentrum Willebadessen, mit 4,2 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Stadtgeschichte, wird in Kürze mit „iPads“ ausgestattet und ist fast fertig. Die Arbeiten im Hauses des Gastes liegen gut im Zeitplan, schildert Norbert Hofnagel. Dass Thema sei emotional diskutiert worden. Aber es gebe keine bessere Zeit, als die Situation des Gebäudes jetzt neu zu organisieren.

Auch anderswo sei „Druck auf dem Kessel“: Verschlechtert hat sich die finanzielle Situation der Stadt. Dank Corona drohten 2021 geschätzte Schäden von etwa 670.000 Euro. „Ohne das neue NKF-Covid-19-Isolierungsgesetz hätte die Haushaltssicherung gedroht. Und das alles unverschuldet. Das ist ein großes Problem“, sagt Hofnagel. „Wir wissen nicht, wie groß das Defizit wirklich wird. Das ist Glaskugelgucken.“

Die Beseitigung von Schrottimmobilien – soweit für die Kommune möglich –, Klarheit beim Thema Windkraft schaffen, die Zukunft des Waldes und den Neustart der Schulen organisieren – unter anderem diese Ziele hat sich der Bürgermeister gesteckt.

Viel Arbeit und manche Unklarheit steht also im Raum. Aber es gibt auch positive Perspektiven. So seien Grundstücke in den Gewerbegebieten zurzeit gefragt. Manche Baulücke in den Orten sei seit seinem Amtsantritt verkauft worden. „Das waren meistens Grundstücke, bei denen die Bauanträge direkt hinterher kamen. Da passiert richtig was“, freut sich der Bürgermeister.

Menschen besinnten sich wieder auf die Stärken des ländlichen Raumes. „Vom Land in die Stadt – das wird sich umkehren“, ist sich Hofnagel sicher. Der bewusstere Umgang mit der Natur und ihren Rohstoffen habe dieses Umdenken angestoßen, ebenso das Thema Klimaschutz. Auch Corona trage seinen Teil dazu bei. So habe der Ausnahmezustand auch seine guten Seiten.

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