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Raphael Strauch restauriert Kriegerdenkmal aus Oldenburg – Vogel misst 2,60 Meter

Bildhauer päppelt Steinadler auf

Willebadessen (WB). Singvögel, Mauersegler oder Schwalben pflegt Kirsten Strauch in ihrer privaten Wildvogelhilfe in Willebadessen-Helmern. Um einen Adler aus Oldenburg musste sich nun ihr Mann kümmern: Das Tier wiegt 3,2 Tonnen, misst vom Schnabel bis zum Schwanz 2,60 Meter und ist Teil eines Denkmals.

Daniel Lüns

Komplett neu aufgebaut hat Raphael Strauch den mächtigen Adler aus Stein. Die Skulptur ist Teil eines Kriegerdenkmals in Oldenburg und misst vom Schnabel bis zur Schwanzspitze 2,60 Meter. Heute soll sie aus der Werkstatt in Helmern abgeholt werden. Foto: Daniel Lüns

Bildhauer Raphael Strauch nahm sich des Vogels an, der 1905 für die Toten des deutsch-französischen Krieges von 1870/1871 aufgestellt worden war. Im Juli hatte er den Vogel abgeholt. Doch schnell stellte sich heraus: Vom einstigen Glanz des stolzen preußischen Adlers war kaum noch etwas übrig geblieben.

Die Zeichen der Zeit hatten am Adler genagt: Die aufgetragene Terrazzo-Schicht – das ist eine Mischung aus Marmorsplit, Sand und Zement – war stellenweise bereits gerissen oder abgeplatzt. Zudem war die Skulptur über die Jahre immer wieder bearbeitet worden. Ein Schlemmbewurf hatte die Konturen verwischt, nicht einmal der Original-Kopf war noch vorhanden.

Skulptur musste komplett neu modelliert werden

»Eigentlich war nur eine leichte Oberflächenreparatur geplant«, erklärt der Helmerner. In Absprache mit dem Auftraggeber, der Stadt Oldenburg, fiel dann aber die Entscheidung: Der Adler muss komplett neu modelliert werden. »So wurden aus fünf Prozent Oberflächenarbeit 100 Prozent.« Als Rohling für das neue Denkmal diente das alte Denkmal. Darauf modellierte Raphael Strauch ab August den preußischen Adler neu.

Dabei konnte sich der Bildhauer an einem alten Dia orientieren. Das zeigte nämlich, wie die Skulptur ursprünglich ausgesehen hatte. »Als Bildhauer ist man auch Kunsthistoriker«, erklärt der Helmerner. Auf die Modellierung folgte eine Kautschukschicht. Die härtete aus und bildete die Negativform für den neuen Adler.

Strauch mischte die Terrazzo-Mischung neu an und brachte sie in die Form ein. Eine zeitraubende und anstrengende Arbeit. »Da können Sie nicht einfach einen Mischer anstellen. Das Material muss feucht eingestampft werden«, erklärt Strauch.

Und zwar im Drei-Schicht-System: Auf die Terrazzo-Schicht folgte eine Schicht aus Füllbeton. Verbleibende Hohlräume wurden mit einem Granulat verfüllt, das später abgefegt oder abgesaugt wurde. 14 Stunden dauerte das Prozedere. Dabei baute Raphael Strauch in den Vogel auch ein stabiles Innengestell ein.

Vogel ist innen hohl

Das hat mehrere Vorteile: Das Denkmal ist innen hohl, wodurch etwa eine Tonne an Material und Gewicht eingespart werden konnte. Nun wiegt die Skulptur etwa zwei Tonnen. Zudem kann der Vogel so leichter transportiert werden. Dafür lässt sich am Rücken des Adlers sogar ein Haken verankern. Das wird am Dienstag passieren. Im Laufe des Tages soll das fertige Denkmal nämlich wieder abgeholt werden.

Vorher wird Raphael Strauch noch letzte Arbeiten erledigen. Am Mittwoch soll der Adler dann wieder an seinen angestammten Platz am Kriegerdenkmal in Oldenburg zurückkehren. Allzu schnell wird der Helmerner den Adler in seiner Werkstatt wohl nicht wiedersehen: Das Material der Skulptur ist komplett wetterfest.

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