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Olaf Derenthal (47) rettet sich aus der Zentralafrikanischen Republik in den Kongo

Eissener Pater flieht vor Rebellen

Willebadessen (WB). In der Zen­tralafrikanischen Republik eskaliert die Gewalt zwischen Muslimen und Christen. »Sicherheit gibt es hier nicht mehr«, berichtet Pater Olaf Derenthal aus Eissen. Der 47-Jährige flüchtete vor den kriegerischen Auseinandersetzungen über den Grenzfluss Ubangi in den Kongo.

Ralf Benner

Tausende Zentralafrikaner flohen vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen über den Grenzfluss Ubangi in den benachbarten Kongo. Foto: privat

Die muslimischen Seleka-Rebellen begingen schwere Kriegsverbrechen an der mehrheitlich christlichen Bevölkerung. Die bildete daraufhin ihrerseits bewaffnete Gruppen unter dem Namen Anti-Balaka. Beide Gruppierungen bekriegen sich unerbittlich, begehen grausame Verbrechen. Die grassierende Gewalt habe längst den Charakter einer »ethnischen Säuberung«, schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Bericht.

Vor etwa drei Wochen erreichte die Spirale der Gewalt auch den Süden des Landes an der Grenze zum Kongo, wo Olaf Derenthal als Priester in der Diözese von Alindao seelsorgerisch tätig war. Der Eissener gehört dem Orden der Spiritaner (Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist) an. Er war im vergangenen Jahr zum Priester geweiht worden und zelebrierte im August 2016 seine erste Messe in der St.-Liborius-Kirche in Eissen, bevor er im Oktober als Pater in die Zen­tralafrikanische Republik ging. Dort eskalierte das gewaltsame Aufeinandertreffen von Seleka- und Anti-Balaka-Rebellen. Häuser wurden geplündert, die Zivilbevölkerung drangsaliert.

Gewalt zwischen Muslimen und Christen

Tausende Zentralafrikaner flohen vor dem Terror über den Fluss Ubangi in den Kongo. Seine Pfarrei in der Provinzhauptstadt Mobaye, einer Kleinstadt im Süden, wollte Olaf Derenthal zunächst nicht aufgeben. Doch die Situation wurde von Tag zu Tag gefährlicher. »Unsere Kirche wurde zu einem kleinen Flüchtlingslager. Jede Nacht haben zwischen 150 und 250 Menschen in der Kirche geschlafen. Ich auch«, berichtet Derenthal in einem Blog im Internet : »Wir haben angefangen, abends Reisbrei zu verteilen und Gebäck. Damit vor allem die Kinder nicht mit leerem Magen einschlafen müssen. Ja, es waren viele, viele Kinder mit ihren Müttern und alte Leute, die zu uns kamen.«

General droht damit, Kirche anzuzünden

Ein Rebellen-General drohte damit, seine Kirche anzuzünden. Weil er um sein Leben und das der Gemeindemitglieder fürchtete, floh der Eissener schweren Herzens in den Kongo. Er habe damit ein Signal aussenden wollen, ein Zeichen an alle, dass es keine Sicherheit mehr gibt: »Das haben die Leute verstanden. Und sind an jenem Tag fast vollzählig auf die gegenüberliegende Seite des Flusses gegangen. Nicht nur unsere Gemeinde aus der Stadt Mobaye, sondern auch aus allen Dörfern am Fluss, die zu meinem Pfarrsektor gehören. Und weit darüber hinaus.« Der Gedanke, die Kirche und das Pfarrhaus zurückzulassen, habe allerdings weh getan, schildert der Pater seine Gefühle.

Flucht über den Grenzfluss

Sein Vater Werner Derenthal, mit dem das WESTFALEN-BLATT sprechen konnte, ist jedoch erleichtert. »Wir waren zunächst in großer Sorge, doch im Kongo ist es jetzt relativ sicher«. Die Situation in den kongolesischen Flüchtlingslagern aber sei dramatisch, die Not der Flüchtlinge groß, humanitäre Hilfe bitter nötig. Die Eltern von Olaf Deren­thal haben kaum Kontakt zu ihrem Sohn. »Die Verbindungen in den Kongo sind schlecht, nur hin und wieder erreicht uns eine Nachricht per Whatsapp«, sagt Werner Derenthal. Er verfolge aber den Blog seines Sohnes im Internet.

Der letzte Blog-Eintrag des Paters ist vom 20. Juni. Er schreibt, dass er für ein paar Stunden den Grenzfluss überquert hat, um im zentralafrikanischen Mobaye in Pfarrhaus und Kirche nach dem Rechten zu sehen. Dort wurde eingebrochen, aber nicht viel gestohlen: »Wir haben noch einige Sachen mitgenommen, andere anderswo versteckt, um dann wieder in den Kongo zu gehen.«

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