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Archäologe begleitet Entwässerung der Gräfte – etwa 100 Fundstücke gesichert

Schweckhausen hatte eine Schlossbrücke

Willebadessen (WB). Lange wurde angenommen, dass Besucher einst über eine Brücke ins Schloss Schweckhausen gingen. Sascha Scherm kann das nun untermauern. Der Archäologe fand unter dem aufgeschütteten Damm, der als Zufahrt dient, zwei Fundamente. Auf ihnen standen früher vermutlich Brückenpfeiler.

Daniel Lüns

Sascha Scherm zeigt eines der Fundamente, auf denen früher vermutlich Pfeiler standen. Seine Entdeckung untermauert die Annahme, dass das Schloss früher eine Brücke besaß. Die heutige Zufahrt über einen Wall wurde demnach später angelegt. Foto: Daniel Lüns

Im Zuge des Trockenlegens und Ausbaggerns des Wassergrabens (Gräfte) beauftragten die Schlossinhaber Stefan M. Rokoss und seine Frau Prof. Dr. Yu Ho-fang die Fachfirma »archaeologie.de« aus Brühl, für die Sascha Scherm arbeitet. Zwei Wochen lang war der Archäologe am Schloss in Willebadessen-Schweckhausen im Einsatz. In Absprache mit dem Landesdenkmalamt verfolgte er die Sanierungsarbeiten und sicherte Funde, die dabei zutage gefördert wurden. Zudem säuberte, sortierte und katalogisierte er die Funde.

Auch untersuchte er die Bereiche, die durch das Abbaggern zugänglich wurden. So konnte er die Fundamente unter dem Damm freilegen. »Auf den beiden Pfeilern ruhte wohl früher eine ebene Holzkonstruktion«, erklärt er. Das Schloss sei damals vollständig von der Gräfte umgeben gewesen. Vermutungen, dass die Zufahrt früher über eine Bogenbrücke erfolgte, hält er für unwahrscheinlich. Denn so ein Brückentyp trage sich durch seine Bauart selbst, Pfeiler seien dafür nicht nötig.

Archäologe erfasst 100 Gegenstände

Während seines Einsatzes machte Scherm weitere Entdeckungen. Etwa 100 Funde hat er erfasst. Dazu gehören vor allem Keramik, Gläser und Funde aus Metall. Zu Tellern gesellen sich Töpfe und Schüsseln, Bierflaschen und Trinkgläser. Auch die Ascheschublade eines alten Kohleofens, einen Soldatenhelm und Fischreusen fand Scherm in der Gräfte.

Die Stücke sind verhältnismäßig gut erhalten. »Das feuchte Milieu in der Gräfte ist ideal, um Material zu konservieren – wie in einem Moor. In trockenem Boden wären die Stücke wohl schon längst zerfallen«, sagt Scherm. Das gelte vor allem für Lederfunde, wie etwa alte Stiefel.

Alter der Funde wird genauer bestimmt

»Natürlich ist darunter auch viel Schrott. Aber es gibt auch Stücke, die man später ausstellen könnte«, sagt der Archäologe. Dazu gehört etwa ein verziertes Holzstück aus dem Giebel. Wer die südliche Seite des Schlosses betrachtet, findet heute noch die Stelle, an der das Stück vermutlich herausgebrochen ist. Auch das Stück einer alten hölzernen Wasserleitung sorgt für Aufsehen. Diese könnte ein Zufluss zur Gräfte oder ein Abfluss gewesen sein, der aus einer Schlossmauer lugte.

Wie alt die Funde genau sind, wird nun bestimmt. Bei den alten, aufwändig verzierten Tellern gibt vor allem der Bodenstempel nähere Auskunft. Anhand der Symbole und der Art der Markierung lässt sich die Keramik oft bis auf das Jahr genau datieren, sagt Scherm. Die Wasserleitung wiederum wird dendrochronologisch bestimmt. Bei dieser Methode werden die Forscher die Jahresringe des Holzes unter die Lupe nehmen.

Pferdefuhrwerke waren in der Gräfte

Sicher scheint, dass die ältesten Funde aus dem 18. Jahrhundert stammen, erklärt Sascha Scherm. Dann wurde die Gräfte zuletzt ausgebaggert – und das offenbar sehr gründlich. Denn Funde, die deutlich älter sind, fand der Archäologe nicht. Statt Bagger waren damals übrigens Pferdefuhrwerke in der Gräfte im Einsatz. »Ich habe Trensen, Sattelteile und andere Dinge gefunden, die das belegen«, sagt Scherm.

Ganz verloren sind die Funde, die vor der letzten Trockenlegung in der Gräfte lagen, aber vielleicht nicht. Denn der Aushub wurde damals zur Modellierung des Gartens benutzt. »Es besteht zumindest die Chance, dort mit einem Sondierungsschnitt noch etwas zu finden«, sagt Scherm. Ob der Fachmann noch einmal beauftragt wird, die Schlosssanierung zu begleiten, steht noch nicht fest. »Ich würde mich freuen. Es ist ein sehr spannendes Projekt«, sagt er.

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