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Zufallsfund im Schloss Schweckhausen: Forscher stoßen auf reich verzierte Decke

Vergessenes Kapellenzimmer entdeckt?

Willebadessen (WB). Ein womöglich vergessenes Kapellenzimmer haben Fachleute im Schloss in Willebadessen Schweckhausen entdeckt. Beim Abnehmen einer Zwischendecke kam ein großes Kreuz zum Vorschein, das in die Decke eingearbeitet ist. Zudem stießen die Fachleute auf seltene Pressstuckarbeiten.

Daniel Lüns

Bei der Restaurierung eines Zimmers stießen die Experten unter einer Zwischendecke auf die Arbeiten. Im Raum stehen (von links) Architekt Lothar Beltz, die Inhaber des Schlosses, Prof. Dr. Yu Ho-fang und ihr Mann Stefan M. Rokoss, sowie Restaurator Horst Schneider. Foto:

Fachleute hatten an Balkenköpfen, die nach Außen aus dem Schloss ragten, Fäulnisschäden festgestellt. Da die Balken tragend sind, sollte untersucht werden, ob die Balken auch im Inneren des Gebäudes faulen. In einem Raum stießen die Experten dabei auf eine Zwischendecke, die den Blick auf die Balken versperrte. Beim Abnehmen der Zwischendecke offenbarte sich der Zufallsfund.

Pressstuckarbeiten auf sieben Deckenbalken

Der Restaurator und Stuckateur Horst Schneider begleitet die Wiederherstellungsarbeiten am Schloss Schweckhausen. Für die Theorie, dass es sich bei dem Raum womöglich um ein vergessenes Kapellenzimmer handelt, gebe es verschiedene Indizien. So sei das gefundene Kreuz an dem Raumende eingelassen, das zum Fenster zeige. »Dort stand vielleicht früher ein Altar.«

Die gefundenen Pressstuckarbeiten wurden auf sieben Deckenbalken gefunden. Schneider schätzt, dass der Stuck in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aufgetragen wurde – noch vor dem Dreißigjährigen Krieg. Der Stuck sei sehr aufwendig, detailreich und vor allem sauber ausgearbeitet. Diese Arbeiten ließen ebenfalls darauf schließen, dass es sich um einen besonderen Raum gehandelt haben könnte.

Funde dieser Stuckform seien nur in der Weserregion bekannt – und das bisher auch nur etwa 30 Mal. »Das ist eine Rarität«, betont Schneider. Bei Stuckarbeiten wird häufig Mörtel auf eine Wand oder Decke aufgetragen und modelliert. Beim Pressstuck hingegen wird ein Muster gestanzt. Hierzu nutzte man zum Beispiel einen Rollenstempel, auf dem eine Negativschablone befestigt wurde, erklärt Horst Schneider weiter.

Arbeiten wurden immer wieder überstrichen

Im Laufe der Jahre wurden die Arbeiten immer wieder überstrichen. Unter dicken Farbschichten sind sie teilweise kaum noch zu erkennen. Spätestens mit dem Einzug der Zwischendecke gerieten sie in Vergessenheit. »Vielleicht konnte man damit nichts anfangen. Die Leute waren sich nicht bewusst, welche Rarität sie zerstören«, sagt der Restaurator.

Schneider legt den Stuck und das Kreuz nun in Feinarbeit frei. »Vielleicht werden wir auch noch im Fußboden fündig.« Wegen der Restaurierungsarbeiten ist dort zurzeit eine Spanplatte verschraubt. Der Putz soll erhalten bleiben und, wo er verloren ging, wiederhergestellt werden. Dafür sollen die Holzteile, auf denen der Putz aufgetragen wurde, herausgeschnitten werden. Sie sollen in neue Balken eingesetzt werden.

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