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Matthias Lüke kündigt Job bei VW und eröffnet eigene Werkstatt

Von Hannover nach Willegassen

Willebadessen (WB). Von der 500.000-Einwohner-Stadt in die 59-Seelen-Gemeinde: Matthias Lüke hat seinen Job bei Volkswagen Motorsport in Hannover gekündigt und in Willebadessen-Willegassen seine eigene Werkstatt eröffnet. In die Egge zog den 36-Jährigen vor allem eins: Die Liebe zur Heimat.

Daniel Lüns

Auch diese Kurzscheibenegge macht Matthias Lüke wieder flott. Seit November 2019 ist seine Werkstatt sein Hauptberuf. Eine Halle auf seinem Hof in Willegassen hat er dafür ausgestattet. Dort fertigt er im Kundenauftrag auch Teile oder Adapter. Foto: Daniel Lüns

Lüke stammt aus Borgholz, sein Vater aber wuchs in Willegassen auf. Im Willebadessener Stadtteil verbrachte der Tüftler im Laufe seines Lebens sehr viel Zeit. „Ich kenne hier auch jeden Einwohner“, sagt der 36-Jährige. Dennoch verschlug es ihn zunächst in die Stadt. Bei der Firma Linnenbrink in Warburg lernte er Industriemechaniker. Bei Rosenstein Baumaschinen wurde die Begeisterung für Bagger geweckt.

Ein vielfältiger Beruf – doch etwas fehlte

Lüke bildete sich zum Maschinenbautechniker weiter – und landete beim Weltkonzern. Bei Volkswagen Motorsport stand etwa die Entwicklung neuer Antriebe auf dem Programm. „Wir haben vom weißen Blatt Papier aus einen Motor gebaut“, erklärt Lüke. Die Fertigungsüberwachung gehörte zu seinen Aufgaben. Für die Betreuung von Lieferanten war er europaweit unterwegs. Ein vielfältiger Beruf – doch etwas fehlte.

Am Wochenende war Lüke häufig in Willegassen unterwegs. Ende 2016 erfuhr er bei einem Familientreffen, dass die Cousine seines Vaters einen Hof verkaufen wollte. „Ihr lag am Herzen, dass weiterhin dasselbe Klingelschild an der Tür hängt.“ Lüke schlug zu. Und richtete sich ein. Im August 2018 meldete er dann ein Gewerbe an: seine eigene Werkstatt. Dafür wurde eine Halle auf dem Hof ausgestattet.

Es folgten viel Pendeln, wenig Freizeit, Rastlosigkeit: Am Wochenende wurde in Willegassen geschuftet, innerhalb der Woche bei Volkswagen. „Aus Zeitmangel habe ich in Willegassen auch wenig Aufträge angenommen“, erinnert sich Lüke. Zu tun war trotzdem genug. „Jedes Mal, wenn mein Auto vor der Tür stand, kam jemand und fragte etwa: ‚Kannst du mir noch was Schweißen?‘“, sagt er. „Mit der Zeit merkt man, dass man zwischen den Stühlen steht. Das hat mich ziemlich fertig gemacht.“

Statt Rallye- und Motorsport nun Land- und Baumaschinen

Matthias Lüke ging in sich. Er kündigte im Dezember 2018 nach zehn Jahren den Job bei Volkswagen. Er zog nach Willegassen. Zunächst nahm er eine Stelle in Kassel an, doch auch das war nicht das Richtige. Lüke baute seine „Technikremise Willegassen“ weiter aus – und machte sich damit vollends selbstständig. Seit November 2019 verdient er seine Brötchen nur noch über sein Unternehmen. Statt Rallye- und Motorsport kümmert er sich nun um Land- und Baumaschinen.

Die werden von Lüke wieder repariert. Auch Gabelstapler oder Gartengeräte macht der 36-Jährige wieder flott. Zudem bietet er allerlei Dienstleistungen an. Im Kundenauftrag fertigt er etwa Schweißkonstruktionen, Adapter oder Drehteile. Dank eines Vertrages mit der Firma Granit kommen Ersatzteile über Nacht. Die UVV-Prüfung für Flurförderfahrzeuge möchte er bald anbieten. Ein weiteres Standbein ist der Verkauf von Neuware: Als Vertragshändler der Firmen Unia und Pronar bietet Lüke Landtechnik an.

Tüfteln kann er, improvisieren auch

Neu ist die Branche für den 36-Jährigen nicht. „Mein Vater hat sein ganzes Leben lang in der Landmaschinenbranche gearbeitet. Ich setze da an, wo er aufgehört hat“, erklärt Lüke. Und von der Funktionalität her sei ein Schleppermotor dasselbe wie ein Motor für ein Auto. Tüfteln kann er, improvisieren auch. „Bei Volkswagen habe ich auch viele neue Lösungsansätze gelernt“, sagt der 36-Jährige. „Reparieren statt Wegschmeißen, das ist mein Motto.“

Langfristig soll nun der Hof umgebaut werden. Dazu gehört der Wohnbereich, im Stall nebenan kann sich Lüke ein Büro vorstellen. „Auch irgendwann jemanden einzustellen, ist eine Idee.“ Viel Arbeit liegt noch vor ihm. Ein Ziel aber ist schon erreicht: „Die Lebensfreude ist eine ganz andere.“

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