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Ex-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sorgt sich um Tourismus

Windkraft: "Veränderung der Landschaft schadet dem Erholungswert"

Bielefeld

 Was bedeutet der geplante Windkraftausbau für den Tourismus in Ostwestfalen-Lippe und ganz Nordrhein-Westfalen? „Dass die Veränderung der Landschaften dem Erholungswert schadet, darf nicht unterschätzt werden“, sagt Anja Karliczek.

Von Andreas Schnadwinkel

Windräder bei Lichtenau im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Die ehemalige Bundesbildungsbildungsministerin (CDU) ist seit der Bundestagswahl tourismuspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. In dieser Funktion fordert die Abgeordnete aus dem benachbarten Tecklenburger Land einen Interessenausgleich zwischen touristischen Belangen und energiepolitischen Notwendigkeiten. „Wir brauchen mehr erneuerbare Energie und dürfen dabei dem Wirtschaftsfaktor Tourismus nicht schaden, das gilt für Gäste und Einheimische gleichermaßen“, sagt Karliczek.

Zur Erholung gehöre auch, sich an Landschaften zu erfreuen. Aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern weiß die Politikerin, dass ältere Leute die Eingriffe in die Natur für Windräder skeptischer sähen als jüngere. Derzeit befinden sich 28 Prozent aller Windkraftanlagen Nordrhein-Westfalens in OWL.

Windenergie sollte regional genutzt werden

26 Prozent der Gesamtleistung auf 19 Prozent der Landesfläche werden in OWL erzielt. 9500 Hektar Fläche stellt die Region zur Energiegewinnung zur Verfügung. Und es soll, vor allem in den Kreisen Höxter und Minden-Lübbecke, noch mehr werden. „Wenn der ländliche Raum gegenüber den Städten diese Zumutungen auf sich nimmt, dann muss er davon langfristig profitieren“, so Karliczek. Ideal wäre es, die erzeugte Windenergie regional zu nutzen. Wie in ihrem Wahlkreis, wo eine Zinkerei so verfahren will.

Außerdem sollte die Landesregierung nicht nur Flächen in OWL, im Münsterland und im Sauerland im Blick haben, denn „auch im Ruhrgebiet gibt es genug Räume für Windkraft“. Grundsätzlich sei es sinnvoll, Windkraftanlagen auf größeren Flächen zu bündeln.

Die westfälische Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek (CDU) ist tourismuspolitische Sprecherin der Union. Foto: Bernhard Pierel

Sorgen im Sauerland

Gleiches gelte für die Genehmigungsverfahren bei den Bezirksregierungen. „Dass Investoren direkt auf die Eigentümer von Flächen zugehen, halte ich nicht für sinnvoll. Das führt nur zur Zerfaserung. Es kann nicht das Ziel sein, hier und dort ein Windrad aufzustellen“, sagt die Tourismusexpertin und berichtet von den Sorgen im Sauerland.

Dort weckten die sogenannten Kalamitätsflächen auf den bewaldeten Höhenzügen Begehrlichkeiten. Dort befürchten Gastronomie und Hotellerie, dass auf den Schadflächen nicht aufgeforstet werden könnte – zugunsten von Windkraft.

Und diese weithin sichtbaren Anlagen würden das Naturerlebnis stören und Besucher deswegen fernbleiben. Karliczek: „Diese berechtigten Sorgen müssen wir ernst nehmen und bedenken. Auch die urbanen Räume mit ihren Industriegebieten und industriellen Brachflächen müssen ihren Beitrag zu einer gelingenden Energiewende leisten.“

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