Gegen KKW Grohnde gab es Jahrzehnte Proteste: Evakuierungspläne und Sperrzonen bei Nuklearunfall

Kreis Höxter wäre bei einem GAU sofort betroffen

Höxter/Grohnde

Deutschlandweit sind nur noch sechs Atomkraftwerke in Betrieb. Neben Grohnde gehört in Niedersachsen das Kernkraftwerk Emsland dazu. Bis Ende 2021 werden Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf abgeschaltet, bis Ende 2022 folgen mit Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 auch die letzten deutschen Atomkraftwerke.

Diese Demonstranten in Beverungen zeigen eine Karte, in der die Teile des Kreises Höxter rot umrandet sind, die bei einem GAU im KKW Grohnde nahe Hameln sofort evakuiert werden müssten. Foto:

Gegen die Atomenergie im Kernkraftwerk Grohnde gab es wegen ihrer potenziell großen Gefahr für Umwelt und Sicherheit seit Jahrzehnten Proteste. Die von den örtlichen Bürgerinitiativen als friedliche Veranstaltung geplante Anti-Atomkraft-Demo mit versuchter Bauplatzbesetzung am 19. März 1977 (15.000 Demonstranten und 4000 Polizisten) eskalierte und ging als „Schlacht um Grohnde“ in die bundesdeutsche Geschichte ein. Das KKW ist seit seinem Bau stark durch Zaun und Graben gesichert.

Flugzeugabstürze oder terroristische Angriffe auf das AKW Grohnde können in kurzer Zeit zu so hohen Freisetzungen führen, dass Anwohner bedroht sind. Das hat die Physikerin Oda Becker in einem Gutachten festgestellt, das 2015 Schlagzeilen machte.

Im Kreis Höxter haben Behörden und Bürger immer genau hingesehen, wie man im Nachbarkreis mit der Sicherheit rund um den Atommeiler umgegangen ist. Viele Ängste wurden vor einigen Jahren auf einer großen Demo in Beverungen noch einmal vorgetragen. Nach dem Katastrophenszenario der „Regionalkonferenz Grohnde abschalten“ soll bei einem GAU (Größter anzunehmender Unfall) die gesamte Bevölkerung 40 Kilometer rund um das AKW Grohnde aufgerufen werden, das Sperrgebiet sofort zu verlassen. Nach den Übungsszenarien ist immer auch ein Reaktorunfall im Atomkraftwerk Grohnde angenommen worden, bei dem radioaktive Stoffe freigesetzt worden sind. Eine Evakuierung würde dann in diesen Gebieten erforderlich: in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden, Hildesheim, Northeim, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke, Schaumburg und der Region Hannover. Es sind laut Plan für den Ernstfall in den Aufnahmegebieten verschiedene Auffanglager und Verpflegungspunkte am Rande der 40-Kilometer-Sperrzone vorgesehen. Im Kreis Höxter würden bis zur Linie Beverungen-Brakel-Bad Driburg alle Orte geräumt. In Depots einiger Weserorte liegen Zehntausende Jodtabletten für einen GAU bereit. Simuliert wurde – je nach Windrichtung – die Ausbreitung einer radioaktiven Wolke.

Auf der Internetseite www.grohnde-kampagne.de werden alle Szenarien eines GAU’s durchgespielt. Von den Behörden wurde in den Jahrzehnten des Grohnde-Betriebs über Würgassen- und Grohnde-Katastrophen-Übungsszenarien wenig veröffentlicht und nur intern geübt.

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