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Panzerbataillon 203 bildet seit April 2020 in Augustdorf ehemalige Soldaten für ihren Einsatz aus

„Abgestaubte“ Profis für Reservekompanie rekrutiert

Augustdorf (WB)

„Der Un­terschied zwischen Aktiven und Reservisten sind nur die Falten im Gesicht.“ Kompaniefeldwebel Thomas Minnich (58), der zweite Mann der Reservekompanie des Panzerbataillons 203 (6./203) der Panzerbrigade 21 Lipperland, spielt auf das Alter und die Erfahrung der Reservisten an. Seit April 2020 wird die Reservekompanie aufgebaut. 50 Reservisten bilden die Kompanie, geplant ist eine Stärke von 63 Leuten.

Monika Schönfeld

Frank Wichmann-Glaser und Kompaniefeldwebel Thomas Minnich (rechts) sind Mitglieder der Reservekompanie des Panzerbataillons. Foto: Monika Schönfeld

Mit dem Aufbau von Reservekompanien begegnet die Bundeswehr dem Fachkräftemangel. „Die Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt, die Aufgaben werden aber nicht weniger“, sagt der Presseoffizier des Panzerbataillons, Jens Wander. Neben der Landes- und Bündnisverteidigung kommen Einsätze im internationalen Krisenmanagement dazu. Und: Soldaten des Panzerbataillons 203 unterstützen während der Pandemie die Gesundheitsämter in den Kreisen Gütersloh und Paderborn und sind jetzt von Pflegeeinrichtungen angefordert worden, um sie bei den Corona-Schnelltests zu unterstützen.

In den nächsten sechs Jahren sollen bundesweit 20.000 Reservisten in die aktive Truppe beordert werden. Rekrutiert werden sollen sie aus dem Kreis der 6000 Soldaten, die jährlich das Heer verlassen.

„Der Reservist ist Profi“, sagt Jens Wander. Und: „Panzerfahren ist wie Fahrradfahren. Wer das einmal gelernt hat, verlernt es nicht. Wir müssen die Leute nur etwas abstauben.“ Dazu komme das Know-how, das die Reservisten aus zivilen Berufen mitbrächten. Der Unterschied zu den bisherigen Reservisten sei, dass sie eine Heimat in der Kaserne hätten – mit den gleichen Rechten und Pflichten wie die aktiven Soldaten. Der Einsatz, die Teilnahme an Übungen und Lehrgängen, das alles ist freiwillig. „Wenn private oder berufliche Gründe dagegen sprechen, akzeptieren wir das.“ Ein Zeitaufwand von drei oder vier Wochen im Jahr werde nicht überschritten. Lehrgänge fänden oft am Wochenende statt.

Hauptgefreiter Frank Wichmann-Glaser arbeitet als Reservist im Kampfpanzer Leopard 2 als Ladeschütze. Foto: Monika Schönfeld

„Die Bundeswehr ist in der Region gut angesehen“, sagt Thomas Minnich. So gebe es kaum Schwierigkeiten mit Arbeitgebern. Der Bund zahlt das Gehalt voll weiter, dazu komme der Wehrsold, der inzwischen gut sei. „Für die Arbeitgeber ergibt sich eine Win-Win-Situation. Die Reservisten werden als Ersthelfer ausgebildet, Kraftfahrer erhalten Lehrgänge zur Ladungssicherheit. Viele nutzen den Einsatz in der Reserve, um Kurzarbeit abzufedern oder ein Studium zu finanzieren.“

Um die Bundeswehr besser im Bewusstsein der Bürger zu verankern, wird die Reservekompanie eine Patenschaft mit der Nachbarstadt Schloß Holte-Stukenbrock eingehen.

Die Reservisten stammen aus unterschiedlichen Berufen. Der Kompaniechef der 6./203 ist Hauptmann Jürgen Behlke. Als Zivilist leitet er die Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer in Paderborn. Stellvertreter Thomas Minnich aus Gütersloh war 30 Jahre Soldat, wurde mit 50 Jahren pensioniert, engagiert sich als Rettungsschwimmer in den Bäderbetrieben der Stadt Bielefeld, ist Vorsitzender eines Tauchvereins und gibt Aquafitnesskurse. Familienvater Frank Wichmann-Glaser (49) aus Stukenbrock-Senne ist Bäderbetriebsleiter der Schwimmoper Paderborn und als Hauptgefreiter Ladeschütze auf dem Kampfpanzer Leopard 2.

Es gibt unter den Reservisten Selbstständige, Beschäftigte im öffentlichen Dienst, in der Industrie, Lastwagenfahrer und Pensionäre. Das Durchschnittsalter in der Reservekompanie ist 45 Jahre. Wer als Reservist in die Bundeswehr will, muss nicht unbedingt schon Soldat gewesen sein. Für Panzerleute gibt es einen Reservistenbeauftragten in der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf, alle anderen melden sich bei der Karriereberatung der Bundeswehr in Detmold oder Paderborn.

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