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Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter fordert Umbenennung

Rommel-Kaserne will Namen behalten

Augustdorf (WB). Im Zuge der Überprüfung aller Bundeswehr-Kasernen auf Wehrmachts-Andenken kommt eine alte Frage wieder auf: Soll die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im lippischen Augustdorf ihren Namen behalten? »Wir wünschen uns, dass wir an diesem Namen festhalten dürfen«, sagte am Dienstag Hauptmann Martin Waltemathe dem WESTFALEN-BLATT.

Andreas Schnadwinkel

In der Augustdorfer Rommel-Kaserne steht eine Hermann-Statue vor einem Rommel-Gemälde. Foto: Andreas Schnadwinkel/Hans-Werner Büscher (Montage)

Der Presseoffizier der Panzerbrigade 21 Lipperland betont ausdrücklich, dass die umstrittene Rolle Erwin Rommels während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Gegenstand von Diskussionen am Standort Au­gustdorf sei. »Wir wissen, wie ambivalent die Betrachtung der Person Rommel ist«, sagt Waltema­the. Zuletzt habe sich 2013 eine Arbeitsgruppe aus Soldaten und zivilen Mitarbeitern der Panzerbrigade intensiv mit Rommel beschäftigt. Eine Fragestellung war: Ist Rommel als Namensgeber traditionswürdig und identitätsstiftend?

»Bei dieser Betrachtung wurden Rommels Leistung als Vorgesetzter und seine militärische Leistung eingeschätzt. Außerdem spielte eine Rolle, dass Rommel keine Kriegsverbrechen nachgewiesen worden waren. So kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, den Namen behalten zu wollen. In Augustdorf ginge es aber auch weiter, wenn die Kaserne einmal anders heißen sollte«, erklärt Waltemathe.

Rommels Witwe bei Festakt dabei

Am 20. Juli 1961 erhielt die Truppenunterkunft in Augustdorf den Namen Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne. Dem Festakt wohnten auch Rommels Witwe Lucia Maria Rommel und Sohn Manfred Rommel bei.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter verlangt die Umbenennung der Rommel-Kaserne. »Der Umgang mit dem Erbe der Wehrmacht ist keine Spielerei. Deswegen fordern wir, dass Kasernen endlich umbenannt werden, allen voran die Rommel-Kaserne in Augustdorf. Ich finde es ungehörig, dass heute noch eine Kaserne nach dem Nazi-General Rommel benannt ist«, sagte Simone Peter am Dienstafg dem WESTFALEN-BLATT. Bei ihrem Redaktionsbesuch forderte die Grünen-Chefin, dass »die Kasernen umbenannt werden und Wehrmachtsgegenstände unverzüglich aus den Kasernen verschwinden. Die Devotionalien stehen für eine inakzeptable rechte Haltung«.

Eine Stelle auf dem Kasernengelände gilt als problematisch. In einem Hauptgebäude hängt ein Erwin-Rommel-Gemälde, vor dem eine Statue von Hermann dem Cherusker platziert ist. Kritiker meinen, dass es sich dabei um eine Kombination aus Germanenkult und Wehrmachtsverherr­lichung handele.

Untersuchungen in Höxter noch nicht abgeschlossen

Auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage teilte die Pressestelle der Panzerbrigade 21 am Dienstag mit, dass beide Kunstwerke noch an angestammter Stelle stehen. »Das Gemälde wird meines Erachtens auch nach der Überprüfung an seinem Platz bleiben, da Generalfeldmarschall Erwin Rommel der Namensgeber der Kaserne ist«, so Hauptmann Udo Hagedorn.

Nach Informationen dieser Zeitung sind die Untersuchungen in der General-Weber-Kaserne in Höxter noch nicht abgeschlossen. Dort ist das ABC-Abwehrbataillon 7 stationiert. »Die Ergebnisse werden zunächst intern erfasst und untersucht, dann wird das Parlament informiert«, betonte ein Sprecher. Vom Panzerpionierbataillon 130 in Minden war keine Stellungnahme zu erhalten.

Alle Kasernen werden nach Andenken an die Wehrmacht – etwa Stahlhelme oder Gewehre – durchsucht. Generalinspekteur Volker Wieker hatte die Aktion am Freitag angeordnet. Sie soll bis zum 16. Mai abgeschlossen sein.

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