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Bisher keine Corona-Mutation in Ostwestfalen-Lippe nachgewiesen

Suche nach britischer Variante geht bald schneller

Bad Salzuflen (WB)

Etwa 5000 Corona-Abstriche werden jeden Tag im Großlabor Krone in Bad Salzuflen untersucht – an sieben Tagen pro Woche. Im Dezember begann das Labor, bei positiven Abstrichen stichprobenartig zu überprüfen, ob es sich um das übliche Corona-Virus handelt oder um mutierte Formen, wie sie aus Großbritannien oder Südafrika bekannt sind.

Christian Althoff

Dr. Robert Kulis-Horn vom Labor Krone zeigt einen Träger mit Probenmaterial, das in einem Sequenzierer untersucht wird. Foto: Althoff

„Wir haben das auf eigene Kosten gemacht, weil es in Deutschland zu dieser Frage keine Untersuchungen in ausreichender Zahl gibt“, sagt der Laborleiter und Molekularbiologe Prof. Dr. Carsten Tiemann. „Bis heute haben wir knapp 200 positive Abstriche untersucht, aber keine der beiden Varianten entdeckt.“

Viren verändern mit der Zeit ihre Genetik. Weltweit sollen inzwischen 4000 veränderte Corona-Viren bekannt sein, aber die meisten unterscheiden sich nach allem, was bisher bekannt ist, nur unwesentlich von der ursprünglichen Variante. Das ist beim britischen Corona-Virus anders. Der Krankheitsverlauf soll zwar nicht schwerer sein, aber das Virus soll sich viel leichter verbreiten und deutlich mehr Menschen infizieren. „Eine massive Ausbreitung dieses Typs könnte natürlich schnell zu einer Überlastung unseres Krankenhaussystems führen“, sagt Prof. Tiemann. Deshalb sei es jetzt wichtig, beim plötzlichen Auftreten vieler Infektionen, etwa in einem Krankenhaus oder einem Altenheim, den Virustyp zu bestimmen. „Ist es die britische Variante, werden die Gesundheitsämter sicherlich überlegen, noch einmal ganz andere Schutzvorkehrungen zu treffen.“

Sequenzieren dauert noch lange

Die Untersuchung, welche Virus-Variante vorliegt, das Sequenzieren, dauert aktuell etwa eine Woche. Dabei lesen die Wissenschaftler das gesamte Erbgut des Virus‘ aus und erhalten ein Muster. Ein Computer gleicht dann dieses Muster mit einer Datenbank ab, in der die Muster aller bisher bekannten Virus-Varianten gespeichert sind.

„Das Verfahren ist eigentlich zu aufwendig, wenn man nur nach den Mutanten aus Großbritannien und Südafrika suchen möchte“, sagt Prof. Tiemann. Er will deshalb in der kommenden Woche ein Verfahren einführen, das er in den vergangenen Tagen mit der Virologie der Uniklinik Köln evaluiert hat. „Wir schauen uns dabei nicht mehr das gesamte Erbgut an, sondern suchen nur noch nach dem Muster der beiden Virus-Varianten.“ Das sei nicht nur preiswerter, sondern gehe vor allem schneller. „Wir haben das Ergebnis nach zwei, drei Tagen. In dringenden Fällen können wir es auch in 24 Stunden liefern.“

Neue Verordnung

Die Bundesregierung hat erkannt, dass sie hinsichtlich der Verbreitung der beiden risikoreicheren Varianten noch im Dunkeln tappt. Aus dem Gesundheitsministerium wurde am Freitag der Entwurf einer Verordnung bekannt, mit der das Dunkelfeld aufgehellt werden soll. Demnach sollen Labore, die sequenzieren, verpflichtet werden, anonymisierte Daten von fünf Prozent ihrer positiven Proben ans Robert-Koch-Institut zu melden. Jeder Datensatz soll den Laboren mit 200 Euro vergütet werden. Prof. Tiemann ist von dem Vorhaben noch nicht überzeugt: „Ich vermisse Vorgaben für das Verfahren und Qualitätsnormen.“

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