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Missbrauchsfall Lügde: Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont freigestellt

Akte im Amt manipuliert

Hameln/Lügde (WB/ca). Im Fall des mutmaßlich tausendfachen Kindesmissbrauch in Lügde (Kreis Lippe) hat ein Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont die Akte der heute acht Jahre alten früheren Pflegetochter des Hauptbeschuldigten manipuliert.

Tjark Bartels, Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, bei einer Pressekonferenz am 5. Februar. Foto: Christian Althoff

Landrat Tjark Bartels (SPD) sagte, der Mitarbeiter habe am Freitag zugegeben, nachträglich einen Vermerk in die Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben. »Er sagte, er habe die Akte um einen fehlenden Vermerk ergänzen wollen.« Der Landkreis habe umgehend eine interne Prüfung eingeleitet und die Staatsanwaltschaft informiert. Zum Inhalt des Schriftstücks machte der Kreis keine Angaben.

Tjark Bartels: »Das Verhalten des Mitarbeiters kann ich nicht tolerieren.« Im Nachhinein einen Vermerk zu erzeugen und ihn zurückzudatieren lasse den Verdacht eines Dienstrechtsverstoßes aufkommen. »Und zwar unabhängig davon, ob die eingefügten Informationen falsch oder richtig sind«, ergänzte Kreissprecherin Sandra Lummitsch.

Der Landrat erklärte, er stelle sich konsequent vor seine Mitarbeiter. »Ich habe aber ebenso unmissverständlich angekündigt, dass wir mit derselben Konsequenz vorgehen, wenn in unserem Haus vorwerfbar falsch gearbeitet wurde.« Die Glaubwürdigkeit der Kreisverwaltung sei beschädigt worden. »Der Mitarbeiter wurde vom Dienst freigestellt, bis die Vorwürfe geklärt sind.«

Die Aktenmanipulation war wahrscheinlich ohnehin untauglich, denn die Ermittler haben sich schon vor längerer Zeit alle relevanten Akten der Jugendämter Hameln-Pyrmont und Lippe fotokopiert.

Gegen mehrere Mitarbeiter der Jugendämter wird ermittelt, weil sie Hinweisen auf Missbrauch nicht konsequent nachgegangen sein sollen. Zudem gibt es öffentliche Kritik daran, dass der Kreis Hameln-Pyrmont 2016 auf Wunsch einer Mutter einen Pflegevertrag mit dem arbeitslosen, alleinstehenden Dauercamper Andreas V. schloss und ihm das fünfjährige Mädchen anvertraute. Später soll Andreas V. geäußert habe, er habe das Kind so eingeschüchtert, dass es bei einem Kontrollbesuch des Jugendamts nichts gesagt habe.

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