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Junge (11) bei Fußballturnier schwer verletzt – Trainer soll sich verantworten

»Das Ehrenamt steht vor Gericht«

Detmold (WB). Bestimmt ist der FC Augustdorf nicht der einzige Sportverein, bei dem niemand diese Vorschrift kannte: Ungenutzte Tore, die nicht eingeschlossen werden können, müssen aneinandergekettet werden. Weil das nicht geschah, steht seit Freitag ein Jugendtrainer vor Gericht.

Christian Althoff

Rechtsanwalt Jann Popkes (links) spricht mit dem angeklagten Jugendtrainer Volker Dierk und dessen Frau. Foto: Christian Althoff

Vor zwei Jahren richtete der Verein in einer Sporthalle der Gemeinde die Kreismeisterschaft der D-Jugend aus. Der Vize-Vorsitzende Martin Köstler: »Ich war Hallensprecher. Plötzlich kam ein Junge angelaufen und rief um Hilfe.« Köstler schnappte sich seinen Erste-Hilfe-Koffer und lief in die Nebenhalle, in der sich Mannschaften aufwärmten. »Da lag ein Junge, der aus Mund, Nase und Ohren blutete. Ich ahnte, dass er einen Schädelbasisbruch hatte.«

Die Kinder hatten offenbar zwei Handballtore, die in dem Raum abgestellt waren, so zurechtgerückt, dass man auf sie schießen konnte. Nach einem Lattenschuss stürzte ein Tor dem elfjährigen Fynn-Luca auf den Kopf. Er leidet bis heute unter Vergesslichkeit, hat Konzentrationsstörungen und Hörschwierigkeiten. Und er hat nach Angaben seiner Eltern seinen Geschmackssinn verloren.

Vorschriften nicht bekannt

Fynn-Lucas Rechtsanwalt Wolfgang Stückemann teilte mit, die Eltern hätten wenig Interesse an einer Bestrafung der Ehrenamtler. Deshalb hätten sie auch keine Anzeige erstattet. »Wegen der dauerhaften Folgen werden wir aber von der Gemeinde und dem Verein Schmerzensgeld und Schadensersatz fordern.«

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt

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