1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Detmold
  6. >
  7. „Die Weser ist kein Abwasserkanal“

  8. >

Während Anrainer in OWL hohe Auflagen erfüllen, leitet K+S Salzabwässer in die Werra

„Die Weser ist kein Abwasserkanal“

Detmold (WB/as)

Weil die Weser-Anrainer in Ostwestfalen-Lippe als letzte Einleiter in den Fluss vor der Nordsee gelten, müssen die Kommunen der Region besonders auf die Qualität ihrer Gewässer achten. Doch warum sollen in OWL im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie alle Anstrengungen unternommen werden, wenn im benachbarten Hessen mit behördlicher Genehmigung gleichzeitig der Kali-Konzern K+S auch im kommenden Jahr in großen Mengen Salzabwasser in Werra und Weser einleiten darf?

wn

Renaturierte Gewässer in OWL wie der Furlbach in der Senne bieten auch der Eintagsfliege neuen Lebensraum. Foto: Timmermann

Die hierzu vom hessischen Regierungspräsidium Kassel erteilte Erlaubnis ruft die FDP im Regionalrat bei der Bezirksregierung Detmold auf den Plan. „Der OWL-Regionalrat muss sich dringend mit dieser Entscheidung befassen und erneut die langfristigen Auswirkungen für unsere Region beleuchten“, fordert Kai Abruszat (Porta Westfalica), FDP-Fraktionschef im Regionalrat.

Seit mehr als 100 Jahren wird in Hessen Kalibergbau betrieben. Anfallende Abwässer aus der Produktion der Werke in Phillipsthal und Neuhof werden in die Werra eingeleitet und somit auch der Weser zugeführt. „Da die hierzu nötige neue wasserrechtliche Erlaubnis durch die zuständige Bezirksregierung Kassel erteilt wurde, sollte diese Behörde in einer der nächsten Sitzungen des Regionalrates die fachlichen, technischen und rechtlichen Hintergründe auch transparent erläutern“, verlangt Abruszat.

Von Interesse seien besonders die Beachtung der Grenzwerte für Chlorid, Magnesium und Kalium, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die tatsächliche Entwicklung der Jahreseinleitfracht, also der Menge an Tonnen pro Jahr, die dem Fluss zugeführt werden sollen. Dieses könne erhebliche Auswirkungen auf die Weseranrainerkommunen haben und deren Bemühungen um Verbesserung der Wasserqualität, Naturschutz und Artenvielfalt sowie touristische Entwicklung torpedieren. „Die Weser ist kein Abwasserkanal“, betont Abruszat.

Sein Vorstoß hängt zusammen mit der dritten Runde der europaweit einheitlichen Gewässerbewirtschaftung. Vor einer Woche hat das NRW-Umweltministerium den Entwurf des dritten Bewirtschaftungsplans und des Maßnahmenprogramms für die Gewässer in NRW veröffentlicht.

Grundwasser, Bäche und Flüsse in Ostwestfalen-Lippe sind laut Bezirksregierung Detmold auf dem Weg der Besserung. Seit 20 Jahren gibt die Wasserrahmenrichtlinie der EU die Richtung für jeden vor, der Einfluss auf Gewässer hat. Wasserverbände, Kläranlagenbetreiber, Industrie und Landwirtschaft – sie alle sind verpflichtet, den ökologischen und chemischen Zustand von Oberflächengewässern sowie den chemischen und mengenmäßigen Zustand des Grundwassers zu verbessern. Die Bezirksregierung Detmold fördert solche Maßnahmen mit etwa elf Millionen Euro jährlich.

„Die Gewässerbewirtschaftung ist eine Aufgabe für Generationen“, sagt Tobias Gaul von der Bezirksregierung. Gemessen an dieser historischen Dimension sei für OWL schon einiges erreicht worden. Die Gewässerchemie sei im Großen und Ganzen in Ordnung. Eine Reihe von Flüssen und Bächen böten mittlerweile wieder einen vielfältigen Lebensraum – und schützten außerdem deutlich besser vor Hochwasser. Beispiele sind die Renaturierungen der Bega in Lemgo, der Lenne im Kreis Gütersloh oder der Lippe bei Paderborn-Sande ( www.wilde-lippe.de ).

Neben allen Erfolgen gebe es aber auch noch viel zu tun. „Viele Gewässer warten noch darauf, ein naturnahes Bett zu bekommen, um ökologisch wertvolle Lebensräume zu entwickeln“, sagt Gaul. Auch der Eintrag von Schadstoffen in Grund- und Oberflächengewässer müsse weiter gedrosselt werden. Angefangen von Nitrat von den Äckern über Schadstoffe aus Straßenabwasser bis zu Medikamentenrückständen in Haushaltsabwasser.

www.flussgebiete.nrw.de

Startseite
ANZEIGE