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Landwirt soll Ware vom Discounter umetikettiert haben

Hat Bio-Bauer betrogen?

Detmold (WB). Ein Landwirt aus Lügde soll Geflügel von Lidl und Penny als Bioware an Ökoläden in den Kreisen Lippe und Höxter weiterverkauft haben. Seit Mittwoch steht er wegen Betrugs vor Gericht.

Christian Althoff

Solche Hähnchen kaufte er bei Lidl und verpackte sie neu. Foto:

Bauer Klaus M. (50), ein ehemaliger Polizist, ist vorbestraft. 2014 war er angeklagt, weil er in Iserlohn mehr als 20 Tonnen Eier illegal als Bioware verkauft haben sollte.

Das wusste Susanne Köster (45) nicht. Die Witwe aus Lügde verpachtete ihm 2013 den Hof ihres verstorbenen Ehemanns. Weil ihr Schwager dort noch seine Wohnung hat, war sie regelmäßig auf dem Anwesen. Nach einiger Zeit bereute sie die Wahl des Pächters. »Die Rinder standen bis zum Bauch im Dreck, und auf dem Misthaufen lagen tote Hühner.«

Gekauft und neu verpackt

Susanne Köster informierte das Veterinäramt, und für einige Zeit sollen sich die Zustände gebessert haben. Doch dann habe ihr Schwager sie im Sommer 2015 angerufen, weil er ihr etwas habe zeigen wollen. »Im Stall stapelten sich leere Geflügelverpackungen.«

Oberstaatsanwältin Katja Erfurt geht davon aus, dass der Bauer Geflügel bei Discountern kaufte und neu verpackte. Als Fleisch vom »Biohof Kösters Kamp« soll es dann an Naturkostläden und andere Abnehmer gegangen sein – zum dreifachen Kilopreis. Klaus M. gehörte damals wie 1150 andere Landwirte dem Verband »Biokreis« an, der ihn inzwischen ausgeschlossen hat.

Den Ermittlern liegen nicht nur die Fotos vor, die Susanne Köster von den leeren »Mühlenhof«-Packungen machte, die von Penny stammten. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizisten auf dem Schreibtisch des Bauern zwischen seinen Tankquittungen auch einen Lidl-Kassenbon, der den Kauf von Hähnchen und Hähnchenschenkeln belegt.

»Ich weiß nicht, wie der Bon dort hingekommen ist«, sagte der Angeklagte, der alle Vorwürfe bestreitet. Er war im Oktober wegen dieser Sache bereits vom Amtsgericht unter Einbeziehung einer Vorstrafe zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, aber in Berufung gegangen. Vor dem Landgericht Detmold sagte der Landwirt am Mittwoch, er strebe einen Freispruch an.

»Das ist wirklich Wahnsinn«

Dabei soll der Ex-Polizist nicht nur mit angeblichem Biofleisch betrogen haben. Er soll auch unter dem Namen des verstorbenen Hofbesitzers fünf Tonnen Tierfutter beim Mischfutterwerk Meyerhof zu Bakum bestellt, aber nicht bezahlt haben. Ein Spediteur bestätigte zwar, das Futter auf dem Hof in den Silo gefüllt zu haben, aber der Angeklagte erklärte, er sei an dem Tag gar nicht zu Hause gewesen.

»Vielleicht wurde das Futter ja wirklich geliefert, und jemand hat es am gleichen Tag aus dem Silo gestohlen«, sagte Klaus M., worauf der Oberstaatsanwältin entfuhr: »Das ist wirklich Wahnsinn, was Sie hier für Geschichten erzählen. Wer soll Ihnen die abnehmen?« Die Anklägerin versuchte, Klaus M. zu einem Geständnis zu bewegen, aber er blieb hart.

Daran änderte auch die Aussage von Alfons Köster nichts, dem Schwager von Susanne Köster, der noch auf dem Hof lebt. Er war bisher weder von der Polizei noch vom Amtsgericht vernommen worden und sagte am Mittwoch: »Ich habe von meiner Speisekammer aus gesehen, wie der Angeklagte verpacktes Geflügel vom Discounter aus seinem Lieferwagen ins Schlachthaus gebracht hat.«

Das Urteil wird voraussichtlich am 7. Juni gesprochen.

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