Süßwarenketten prüfen nach Umsatzeinbruch in der Corona-Krise auch Standortschließungen und Jobabbau

Keine Hilfsgelder für Hussel und Arko

Bielefeld

Die Mitte Januar angemeldete Insolvenz in Eigenverwaltung der zur Deutschen Confiserie Holding (DCH) gehörenden Süßwarenketten Hussel, Arko und Eilles ist auch auf fehlende Staatshilfen zurückzuführen. Die als Lebensmittelhändler eingestuften Unternehmen dürfen im Corona-Lockdown zwar öffnen, haben deshalb aber nach eigenen Angaben keinen Anspruch auf Ausgleichszahlungen – trotz massiver Umsatzeinbrüche. Deshalb hat das Unternehmen Ende Januar die Notbremse gezogen, seine eigenen Filialen freiwillig bis zunächst 28. Februar geschlossen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Oliver Horst

Die Süßwarenkette Hussel darf als Lebensmittelhändler ihre Filialen zwar öffnen, verzichtet aber aktuell wegen schwacher Umsätze. Foto: imago

DCH-Geschäftsführer Patrick G. Weber beziffert die Einbußen im zurückliegenden Jahr für Hussel und Eilles auf jeweils 40 Prozent gegenüber 2019, bei Arko auf rund 25 Prozent. In den Hochsaisonzeiten Ostern und Weihnachten, die beide in Lockdown-Phasen fielen, habe Hussel sogar 55 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Da erlöste die DCH mit 1600 Mitarbeitern insgesamt 140 Millionen.

Auch wenn der Jahresabschluss für 2020 noch nicht fertiggestellt sei, zeichne sich ein „signifikanter Verlust“ ab, erklärt Weber. Die auf Süßwaren, Kaffee und Tee spezialisierten Fachhandelsketten hätten massiv unter rückläufigen Kundenzahlen infolge der Corona-Einschränkungen gelitten.

Die DCH-Firmen verfügen über bundesweit 300 eigene Filialen, weitere Standorte und Franchisebetriebe in Österreich und Tschechien sowie rund 4000 Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel und in Bäckereien. Angesichts schwacher Umsätze wurden die eigenen Filialen bis Ende Februar geschlossen – um Kosten zu sparen. „Auch in der Verwaltung wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf das Mittel der Kurzarbeit zurückgegriffen“, sagt Weber. „Die DCH-Gruppe als Lebensmittelhändler ist mangels staatlicher Schließungsanordnungen nicht berechtigt, Staatshilfen in Anspruch zu nehmen“, erklärt der Geschäftsführer. Daran habe sich auch durch die Überbrückungshilfe III nichts geändert.

Die Notlage könnte nun auch die Aufgabe einzelner Standorte zur Folge haben. Im Insolvenzverfahren wäre die Kündigung langfristiger Mietverträge mit nur dreimonatiger Frist möglich. „Der Umgang mit nicht profitablen Standorten wird bei unseren Sanierungsüberlegungen natürlich auch eine Rolle spielen müssen. Es ist jedoch noch nicht abschließend zu beurteilen, welche Standorte dies betreffen wird“, erklärt Weber. Auch ein Personalabbau sei möglich: „Sicherlich werden unsere Überlegungen auch zur Folge haben, dass wir unsere Personalstärke bewerten müssen. Wichtig zu betonen ist mir: Wir wollen die Unternehmen der DCH-Gruppe aus der Insolvenz heraus und in eine positive Zukunft führen. Dazu sind wir unbedingt bestrebt, unsere Fachkräfte sowie jungen Talente zu halten und diesen eine Perspektive zu bieten.“

Derzeit 10 eigene Filialen in OWL

Vermieter hätten in der schwierigen Lage zum Teil durch Mietstundungen, aber auch durch Mieterlasse Unterstützung geleistet. Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

In Ostwestfalen-Lippe gibt es drei Hussel-Filialen: in Bielefeld, Paderborn und Bad Salzuflen. Arko ist mit Geschäften in Bielefeld (2), Bad Oeynhausen, Herford, Detmold, Minden und Lemgo präsent.

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