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Wirt und Gäste ausgeraubt – Angeklagter (24) soll auch Supermarkt überfallen haben

Mit Pistole Gaststätte gestürmt

Oerlinghausen (WB). Eine Szene wie aus einem amerikanischen Gangsterfilm: Zwei Maskierte stürmen in eine Gaststätte, bedrohen die Gäste mit Pistolen, nehmen ihre Barschaften und den Inhalt der Kasse mit. Im April vergangenen Jahres geschah dies in Oerlinghausen (Kreis Lippe). Jetzt steht einer der mutmaßlichen Räuber in Detmold vor Gericht. Der zweite Täter ist unbekannt.

Ulrich Pfaff

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Er sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben, hat aber einige Vorstrafen auf dem Kerbholz. Deshalb sitzt der 24-Jährige auch gar nicht in Untersuchungshaft: Er verbüßt in Werl gerade eine Freiheitsstrafe. Der Leopoldshöher soll einer der beiden Männer sein, die in jener Samstagnacht die Gaststätte am Rathausplatz in Oerlinghausen heimgesucht hatten. »Auf den Boden legen«, hätten die Täter geschrien, sehr aggressiv, wie der Wirt als Zeuge vor dem Landgericht berichtet.

Die Beute laut Staatsanwaltschaft: 387 Euro aus der Tageskasse, 250 Euro Wechselgeld und insgesamt etwas mehr als 300 Euro Bargeld aus den Portemonnaies mehrerer Gäste.

Erkannt trotz Maskierung

Dass der 24-jährige Leopoldshöher ermittelt wurde, war ein Zufall: Einer der fünf Gäste will ihn erkannt haben – trotz Maskierung. Er kenne den Angeklagten von der Schule und von einer Schlägerei beim Schützenfest, sagte der 24-Jährige aus. Er habe zwar nur die Augenpartie gesehen, aber den Angeklagten daran und an seiner Stimme erkannt. Auch die Reaktion des Täters sei damals entsprechend gewesen: »Er hat versucht, den Blickkontakt zu vermeiden. Er fühlte sich entdeckt.« Für Richterin Anke Grudda ist der 24-Jährige »der wichtigste Zeuge, den wir hier haben«.

Aber auch ein anderer Zeuge belastet den Angeklagten. Ein früherer Mithäftling gab an, wenn auch sehr zögerlich, der Leopoldshöher habe ihm gegenüber Bemerkungen gemacht, aus denen er geschlossen habe, dass er der Täter sei. »Und selbst wenn ich das gemacht habe, könnten sie mich nicht verurteilen«, soll der Angeklagte unter anderem gesagt haben.

Der mutmaßliche Kneipenräuber steht aber nicht nur wegen dieser Tat vor Gericht. Am 20. April vergangenen Jahres, zwei Wochen nach dem Vorfall in der Gaststätte, soll er zusammen mit einem Komplizen – von ihm fehlt jede Spur – den Edeka-Markt in Helpup überfallen haben. Die Täter erbeuteten knapp 13.000 Euro, 11.500 Euro davon aus dem Tresor, den zu öffnen der Marktleiter mit vorgehaltener Pistole gezwungen wurde. Auch die 7000 Euro teure Rolex des Marktleiters nahmen die Täter mit.

Rolex an Rocker verkauft?

Angeblich wurde die Armbanduhr später einem Bielefelder Rocker-Boss verkauft. Indiz für die Täterschaft des Angeklagten: Bei beiden Überfällen war eine silberfarbene Gaspistole mit im Spiel – eine solche wurde bei ihm nach seiner Festnahme sichergestellt.

Das Landgericht Detmold will am Donnerstag sein Urteil fällen.

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