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Streit um ICE-Sprinter: Regionalpolitiker machen Bahnvertreter Druck

»Sie können durch OWL nicht einfach nur durchfahren!«

Detmold (WB). Das wird wohl nichts. Die Bahn will mit ihrem geplanten neuen ICE-Sprinter Köln – Berlin zwar durch OWL fahren, aber hier nicht halten – trotz massiver Proteste. Montag trugen DB und Vertreter der Region ihren Streit erstmals öffentlich aus.

Bernd Bexte

Die neue, vierte Generation des ICE wird auf der Sprinterstrecke Köln-Berlin fahren: Bis 2023 soll der ICE 4 auch IC-Züge in NRW ablösen, zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Amsterdam durch OWL. Die Bahn verspricht mehr Sitzplätze und besseres WLAN. Foto: dpa

Robert Ohler, zuständig für die Fernverkehrsplanung der Bahn, war aus Frankfurt angereist. Er machte klipp und klar deutlich: »Wenn der Sprinter in Bielefeld hielte, wäre er kein Sprinter mehr.« Allerdings werde OWL künftig »dicht an den tollen Knotenpunkt Hannover angebunden«. Das konnte die Politiker im Detmolder Regionalrat, die Ohler eingeladen hatten, nicht überzeugen. »Ich sage Ihnen voraus, dass der politische Druck enorm zunehmen wird. Sie können durch diese wirtschaftlich wachsende Region nicht nur durchfahren«, empörte sich Detlef Helling (CDU).

Hintergrund der seit Monaten schwelenden Auseinandersetzung ist die Ankündigung der Bahn, ab 2021 dreimal täglich, ab 2025 dann sechs- bis achtmal täglich mit einem neuen ICE-Sprinter Köln und Berlin zu verbinden.

Bahn will unter »magische« Vier-Stunden-Grenze

Das Hauptziel: »Wir wollen die Fahrtzeit von jetzt vier Stunden und 20 Minuten auf vier Stunden oder etwas darunter reduzieren«, erklärte Ohler. Vier Stunden seien bei Bahnfahrten eine »magische Grenze«. Ein Halt ist deshalb vorerst nur in Hannover vorgesehen. »Wir überlegen aber, ob wir eventuell in Wuppertal oder Hagen noch planmäßige Stopps einlegen.« Bielefeld spielt bei den Planungen allerdings keine Rolle. »Ab hier ginge es ja auch letztlich um nur noch etwa zehn Minuten Zeitersparnis.«

Damit provozierte Ohler Protest aus allen Fraktionen. Helga Lange (Grüne) erklärte: »Wir werden abgehängt!«, Rainer Brinkmann (SPD) sieht durch das zusätzliche Sprinterangebot die Leistungsgrenze der Bahninfrastruktur überschritten (»Schon jetzt müssen häufig Nahverkehrszüge warten, damit der Fernverkehr durchkommt.«). Kai Abruszat (FDP), Bürgermeister von Stemwede, bezeichnete das Vorgehen der Bahn »alles andere als vertrauensbildend«. Der Unmut reiche bis in die Kreistage und Stadträte.

Ohler versuchte vergeblich, den Regionalpolitikern zu vermitteln, warum der Sprinter dennoch ein Gewinn für die Region sei. »Wir nehmen nichts weg. Es bleibt beim stündlichen ICE. Der wird mit der neuesten Zuggeneration jetzt moderner und komfortabler.« Da er zudem über 40 Prozent mehr Sitzplätze verfüge, komme es seltener zu Engpässen, »weil zudem viele Reisende aus Köln, Berlin oder Hannover auf den Sprinter umsteigen«. Der sei ein zusätzliches Angebot, betonte Ohler. Letztlich würde auch durch die zeitliche Verschiebung der IC-Linie 77 (Berlin – Amsterdam) ein Halbstundentakt auf der Strecke Hannover – Berlin erreicht. »Davon profitiert auch Ostwestfalen-Lippe.«

Regionalrat beschiießt Resolution

Die Halte an dieser IC-Linie in der Region (Minden, Bad Oeynhausen, Bünde) blieben erhalten. Die Fahrtzeit würde dennoch um 15 Minuten reduziert, weil ab 2023 der Lokwechsel vor der niederländischen Grenze entfalle. Die Bahn will die verbindliche Konzeption für die Ost-West-Verbindungen – »auch in Abstimmung mit den Aufgabenträgern des Nahverkehrs« – in etwa einem Jahr vorlegen, erklärte Ohler.

Der Regionalrat will bis dahin noch etwas bewegen. Er beschloss einstimmig eine Resolution, in der er einen Sprinter-Halt in Bielefeld fordert. Zudem solle das Schienennetz zwischen Hamm und Hannover »schnellstmöglich« erweitert werden. Denn Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl treibt eine weitere Sorge um: »Wie passt bei dem erweiterten Angebot und der begrenzten Infrastruktur der Güterverkehr da noch rein?« Es war der einzige Punkt, in dem sich die OWL-Vertreter und Ohler einig waren. »Ja, wir müssen mit einem lückenhaften Schienennetz auskommen«, gab er zu.

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