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Angehende Architekten aus Detmold setzen auf Rohrkolben als Dämmstoff

Studenten aus Lippe bauen Schule im Senegal

Detmold (WB). »Die Stadt ist wie eine Mischung aus Venedig und Havanna«, schwärmt Manfred Lux von Saint-Louis im Senegal. Der Professor für Baukonstruktion will mit Architekturstudenten der Hochschule OWL in Detmold in der afrikanischen Kommune eine Grundschule aus Rohrkolben errichten.

Dietmar Kemper

So sieht das von Student Edgar Neufeld erarbeitete Modell für die Grundschule im Senegal aus. Zu erkennen sind die ellipsenförmige Grundbauweise, Fischbauch- oder Linsenträgerkonstruktion genannt, und die Orientierung an den afrikanischen Rundhütten. Das Gebäude soll die Schüler weitgehend vor der großen Hitze schützen. Foto: Edgar Neufeld

Die Bauarbeiten für das Gebäude im Stadtteil Kharyalla sollen 2019 beginnen und eineinhalb bis zwei Jahre lang dauern. Die Kosten von etwa 100.000 Euro hofft die Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur über Spenden hereinzubekommen. »Es sind zehn Klassenzimmer à 70 Qua­dratmeter sowie Nebenräume geplant«, sagte Lux dem WESTFALEN-BLATT. Der Experte für Baukonstruktion und Baustofftechnologie erforscht seit Jahren den nachwachsenden Rohstoff Rohrkolben. Von dessen Qualitäten ist er überzeugt: »Das ist ein Allroundkönner, Rohrkolben sind sehr robust und in den Pflanzen ist ein Schaumgewebe, das wie ein Dämmstoff wirkt.«

»Schule ist giftfrei, ökologisch, und sie besteht aus regionalen Produkten«

Die Sumpfpflanzen hätten außerdem einen hohen landschaftsökologischen Nutzen, weil sie das Wasser reinigten. Rohrkolben wachsen entlang des 1700 Kilometer langen Senegalrivers. Neben Lehm und Schilf sind sie in dem afrikanischen Land reichlich vorhanden. Während Lux auf Rohrkolben schwört, sehen die Einheimischen diese schnell wachsenden Pflanzen kritisch, weil durch sie zum Beispiel Kanäle verlanden. Lux ist aber zuversichtlich, dass sich die Einstellung ändert: »Der Baukörper wird für sich sprechen. Die Schule ist giftfrei, ökologisch, und sie besteht aus regionalen Produkten.« Außerdem koste sie weit weniger als eine Schule aus Beton und Stahl.

Der Senegal war eine französische Kolonie, was den Städtenamen Saint-Louis erklärt. In ihr hielt sich ein 15-köpfiges Team der Hochschule OWL im April erneut auf und präsentierte den Verantwortlichen vier Schulentwürfe von Studenten. Von einem Vorschlag seien das Kultusministerium und die Ortsteilbürgermeister begeistert gewesen, erzählt Lux. Der Entwurf nehme traditionelle Strukturen wie die Rundhütte auf und setze auf zeitgemäße regionale und ökologische Baustoffe. Die Arbeit des Studenten Edgar Neufeld, die Funktionalität und Hitzeschutz ideal miteinander verbinde, werde verwirklicht, berichtet Lux.

Während der Bauphase Temperaturen um die 40 Grad

In einem eingeschossigen Bau werden so genannte Fischbauchträger (Träger aus Holz oder Stahl, die in der Seitenansicht wie eine Ellipse aussehen) auf massiven Lehmwänden positioniert. Diese Konstruktion bekommt oben drauf ein Dach und wird auf der Unterseite mit 15 Zentimeter dicken Rohrkolbenmatten gedämmt, im Zwischenraum kann Luft zirkulieren. Lux und die Nachwuchsarchitekten müssen sich während der Bauphase auf Temperaturen um die 40 Grad einstellen. »Vom Meer her weht Wind, und der macht es gefährlich. Man spürt die Hitze nicht, aber abends merkt man, dass der Körper glüht«, erzählt Lux.

Der Professor versteht den Schulbau als praxisnahen Unterricht. Man lerne nicht nur das traditionelle Bauen in Afrika, das Klima und Land und Leute kennen, sondern auch den Schulalltag. Der Senegal sei eines der wenigen afrikanischen Länder, das in Bildung investiere. Im April stellten die Gäste aus OWL ihr Projekt auch Lehrern und Mitgliedern von Elternbeiräten vor. Damit die 100.000 Euro für den Bau zusammenkommen, hofft Lux auf Unterstützung von Schulen in Deutschland. Die könnten die Erlöse aus Sommerfesten und Wohltätigkeitsläufen für das Gebäude im Senegal zur Verfügung stellen. Die Hochschule OWL ein Spendenkonto bei der Sparkasse Lemgo eingerichtet (IBAN: DE 81 482 501 100 008 015 570, Betreff: Schulen für die Welt). Weitere Infos unter www.detmolder-schule.de .

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