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Amtsgericht Detmold: Fötus überlebt Abtreibungsversuch

Ungeborenes Kind getreten: Ehemann in Untersuchungshaft

Detmold (WB). Das Amtsgericht Detmold hat Haftbefehl gegen einen Mann (38) erlassen, der versucht haben soll, das uneheliche Kind seiner Frau mit Tritten abzutreiben.

Christian Althoff

Symbolbild. Foto: dpa

Paragraph 218

Mord, Totschlag, Körperverletzung – juristisch können solche Taten an Menschen erst nach deren Geburt begangen werden. Das ungeborene Kind wird durch den Paragraphen 218 des Strafgesetzbuchs geschützt, der Schwangerschaftsabbruch verbietet. Es gibt aber Ausnahmen – etwa, wenn eine Frau in den ersten zwölf Wochen den Abbruch wünscht und dem Arzt ein Beratungsgespräch nachweist. Oder wenn das Kind durch Vergewaltigung entstanden ist. Die Zahl abgebrochener Schwangerschaften sank in Deutschland von 17,5 Prozent im Jahr 2000 auf 13,5 Prozent im Jahr 2015. 2015 wurden 95 338 Kinder nach der Beratungsregel abgetrieben, 3879 wegen medizinischer Indikation und 20 nach Vergewaltigungen.

Der Mann sitzt wegen versuchten Schwangerschaftsabbruchs und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft und sieht seinem Prozess entgegen.

Die Ehefrau soll schwanger gewesen sein, nachdem sie mit ihrer Mutter Urlaub in Tunesien gemacht hatte. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter: »Der Verdächtige trennte sich daraufhin Anfang Juli von der Frau.« Er sei aus der ehelichen Wohnung ausgezogen, in der auch noch vier gemeinsame Kinder lebten.

Mann hat gestanden

Am 12. Juli sei er dann durch die auf Kipp stehende Terrassentür in das Haus eingedrungen und im Obergeschoss auf seine Frau losgegangen. Vetter: »Der Mann hat Schläge und Tritte gegen den Kopf und den Unterleib der Frau gestanden.«

Bei dem Angriff soll er sinngemäß gerufen haben, er schlage ihr »das Kind aus dem Leib«. Zudem sei der zwei Jahre alte Sohn des Ehepaares während der Tat am Kopf verletzt worden.

Vetter: »Der Mann hat in seiner Vernehmung zugegeben, er habe nicht nur seine Frau verletzen, sondern auch das Baby töten wollen.« Die Ehefrau kam ins Krankenhaus, das Ungeborene überlebte den Angriff.

Höhere Strafe bei Körperverletzung

Vetter sagte, er sei seit 27 Jahren Staatsanwalt, aber es sei das erste Mal, dass er wegen eines Schwangerschaftsabbruchs ermittelt habe, auch wenn es in diesem Fall nur beim Versuch geblieben sei. »Ich habe überrascht festgestellt, dass das Strafgesetzbuch für eine gefährliche Körperverletzung eine höhere Strafe vorsieht als für einen Schwangerschaftsabbruch.«

Bei gefährlicher Körperverletzung ermöglicht das Gesetz eine Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis, bei Schwangerschaftsabbrüchen sieht Paragraph 218 in besonders schweren Fällen dagegen nur fünf Jahre Höchststrafe vor.

Dass Menschen wegen Schwangerschaftsabbrüchen vor Gericht kommen, ist extrem selten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland zwischen 2012 und 2015 insgesamt 14 Angeklagte deswegen verurteilt – zehn Männer und vier Frauen.

Der Prozess gegen den 38-Jährigen findet am 28. September in Detmold statt. Die Frau, die sich eine Anwältin genommen hat, wird wohl als Nebenklägerin an der Verhandlung teilnehmen.

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