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Großeinsatz an der Lemgoer Straße in Detmold

Vier  Polizisten bei Pinkelparty verletzt

Detmold

Die lippische Polizei hat am Sonntagabend eine „Tumultlage“ mit Verletzten ans Innenministerium nach Düsseldorf gemeldet.

Von Christian Althoff

Großeinsatz in Detmold: Polizisten nehmen einen Festgenommenen mit. Foto: Christian Müller

Zuvor war in Detmold eine Pinkelparty eskaliert, mit der eine bulgarische Familie die Geburt eines Babys feierte. Dabei sollen fünf Männer auf die Besatzungen dreier Streifenwagen losgegangen sein und drei Polizisten und eine Polizistin getreten oder geschlagen haben. Die vier wurden ambulant in Krankenhäusern behandelt und sind dienstunfähig. Zudem wurde ein Jugendlicher bei seiner Festnahme verletzt.

Der Vater des Neugeborenen war nach eigenen Angaben bei seinem Baby und seiner Frau im Klinikum Detmold, während Verwandte 500 Meter entfernt vor einem Mehrfamilienhaus die Geburt feierten. „Ich habe deshalb von der ganzen Sache nichts mitbekommen“, sagte der junge Vater.

Gegen 17.30 Uhr rief ein Nachbar die Polizei, weil ihm „das laute Gebrüll“ auf die Nerven ging. Da die Polizei nach eigenen Angaben in den Tagen vorher schon dreimal wegen Ruhestörungen an dieser Adresse war, schickte sie drei Streifenwagen zum Einsatzort. Dort trafen die Kräfte auf etwa 25 feiernde Männer, Frauen und Kinder. Die Beamten forderten die Gruppe zur Ruhe auf, worauf fünf Männer – unter ihnen ein 16-Jähriger – sofort auf die Polizisten losgegangen sein sollen, und zwar mit Tritten und Schlägen.

Mehrere Personen wurden in Gewahrsam genommen und ein Mann festgenommen. Foto: Christian Müller

60 Polizisten aus OWL vor Ort

Die Beamten wehrten sich mit Schlagstöcken und Reizgas und riefen Verstärkung. Weil die Lage unübersichtlich erschien, kam Unterstützung aus den Kreisen Herford und Paderborn, außerdem wurden gut 30 Beamte der Einsatzhundertschaft Bielefeld nach Detmold geschickt. Insgesamt waren etwa 60 Polizisten vor Ort, darunter ein Beweissicherungstrupp, der das Geschehen filmte.

Die Lage konnte beruhigt werden, nach Auskunft der Polizei auch durch das beschwichtigende Einwirken einiger Verwandter. Die Tatverdächtigen, die sich erst ins Haus zurückgezogen hatten, kamen freiwillig heraus und ließen sich festnehmen. Sie sind 16, 22, 35, 37 und 51 Jahre alt und sollen in Detmold, Lage und Oerlinghausen gemeldet sein. Der 16-Jährige soll bei der Festnahme eine leichte Augenverletzung erlitten haben. Er wurde zur ambulanten Versorgung in die Augenklinik Bielefeld gebracht, bevor auch er ins Polizeigewahrsam kam. Ge­gen ihn lag ein älterer Haftbefehl wegen Bedrohung vor.

Keine Clankriminalität

Gegen die Verdächtigen wurden Anzeigen wegen Landfriedensbruchs und Widerstands geschrieben. Einen Zusammenhang mit der sogenannten Clankriminalität sieht die Polizei nicht, zumal die Polizei in NRW unter dem Begriff nur Taten türkisch-arabischer Gruppen versteht.

Anwalt kritisiert Polizeiaufgebot

Rechtsanwalt Hendrik Schnelle, der nach eigenen Angaben einen der Bulgaren vertritt: „Ich war am Sonntag zwei Stunden vor Ort. Allerdings erst, nachdem es zu den angeblichen Schlägen und Tritten gekommen war.“ Schnelle sagte, er halte das massive Polizeiaufgebot für übertrieben und den Polizeieinsatz für nicht verhältnismäßig: „Von dem Reizgas wurden auch Kinder getroffen.“

GdP fordert mehr Polizisten

Polizeisprecherin Laura Merks erklärte, nach dem Angriff auf die Streifenbeamten habe niemand wissen können, wie sich die Lage entwickelt. „Klar, dass man dann erstmal möglichst viel Unterstützung schickt.“ Patrick Schlüter, Mitglied im Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Wer Polizistinnen und Polizisten angreift, greift damit auch unseren Staat und unsere Gesellschaft an.“ Der Fall zeige, wie schnell aus einem harmlosen Einsatz wie einer Ruhestörung „eine massive Eskalation mit Übergriffen auf Kolleginnen und Kollegen“ werden könne. „Eine Gefahr besteht gerade im ländlichen Bereich, wo die Polizeidichte leider immer noch gering ist.“ Wenn so ein Einsatz nur mit Verstärkung aus umliegenden Polizeibehörden und Kräften der Bereitschaftspolizei aus Bielefeld in den Griff zu bekommen sei, zeige das, dass die personelle Ausstattung der Polizei im ländlichen Raum weiter verbessert werden müsse.

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