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Corona-Impfstoffhersteller Biontech bestätigt

Mit speziellen Spritzen wären 20 Prozent mehr Impfungen möglich

Düsseldorf

Die Zahl der aktuell verfügbaren Impfdosen gegen das Corona-Virus könnte in Deutschland auf einen Schlag um 20 Prozent erhöht werden – wenn die Ärzte spezielle Spritzen verwenden würden. Das bestätigte Jasmina Alatovic, die Sprecherin des Mainzer Impfstoff-Herstellers Biontech, am Montag dem WESTFALEN-BLATT. Demnach könnten aus einer Ampulle sechs statt fünf Dosen gewonnen werden.

Christian Althoff

Sabrina Schröder, Arzthelferin aus Extertal, zeigt eine Ampulle, aus der offiziell fünf Impfdosen gewonnen werden können. Foto: Christian Althoff

Manche Ärzte hatten am Wochenende bei der Impfung erster Patienten festgestellt, dass der Impfstoff in den Glasampullen großzügig bemessen ist. Einige impften deshalb bereits mehr Menschen als geplant – so auch der Hausarzt Florian Bader aus Extertal. Er versorgte 66 statt 60 alte Menschen und Mitarbeiter eines Seniorenheims – zehn Prozent mehr als vorgesehen. Der Arzt rechnet vor: „In einer Biontech-Ampulle, die laut Etikett für fünf Impfungen vorgesehen ist, sind 0,45 Milliliter des Impfstoffkonzentrats. Das wird mit 1,8 Millilitern Kochsalzlösung vermengt, sodass wir 2,25 Milliliter fertigen Impfstoff erhalten. Vorgeschrieben ist eine Impfdosis von 0,3 Millilitern. Das bedeutet: Es können sicher sechs Dosen aus einer Ampulle entnommen werden, und es bleibt noch ein Rest, der in den Nadeln stehenbleiben kann.“

Ampulle enthält Grundstoff für fünf oder sechs Dosen?

Aber warum ist auf den Ampullen angegeben, dass sie den Grundstoff für fünf Dosen enthalten? Jasmina Alatovic von Biontech: „In Deutschland und anderen EU-Ländern ist die von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA freigegebene Verabreichung von fünf Dosen auf dem Etikett vermerkt.“ In Ländern außerhalb der EU sei das anders: „In der Schweiz zum Beispiel sind sechs Dosen erlaubt.“ Das sei dort auch in der Fachinformation niedergelegt, die von der dortigen Arzneimittelbehörde freigegeben sei.

Rebecca Harding, Sprecherin der Zulassungsbehörde EMA, teilte auf Anfrage mit, in der Produktinformation des Impfstoffs stehe, dass eine Ampulle den Grundstoff für fünf Dosen enthalte. Deshalb sei es nicht zu empfehlen, restlichen Impfstoff aus Ampullen zusammenzuschütten. Das ist aber auch nicht vorgesehen.

Um den Inhalt der Ampullen optimal zu nutzen, seien spezielle Spritzen notwendig, sagt Biontech-Sprecherin Jasmina Alatovic. Dabei handelt es sich um Feindosierungsspritzen, wie sie etwa zum Verabreichen von Heparin oder Insulin verwendet werden. International werden diese Spritzen als „Low Dead Space Syringes“ bezeichnet, als Spritzen mit wenig Totraum. Damit ist der Raum gemeint, in dem Flüssigkeit zurückbleibt, nachdem der Kolben vollständig gedrückt wurde. Die Skala auf der Spritze berücksichtig bereits, dass ein Teil der aufgezogenen Menge in der Spritze bleibt.

Weitere 132.000 Dosen 

NRW hatte am Wochenende 1900 Ampullen für 9500 Impfungen bekommen, etwa 180 für jeden Landkreis. Wie viele Menschen damit tatsächlich geimpft wurden, wird derzeit noch beim Robert-Koch-Institut ermittelt. Am Montag sollen weitere 132.000 Dosen in NRW eingetroffen sein. Würden allein für diese Lieferung die sparsameren Spritzen verwendet, könnten 26.400 Menschen mehr versorgt werden.

Dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium liegen nach eigenen Angaben bisher keine Meldungen über außergewöhnliche Impfzwischenfälle vor. Aus der Fachinformation der EMA ergibt sich, dass bei Studien mit 21.700 Teilnehmern Schmerzen an der Einstichstelle (bei mehr als 80 Prozent der Geimpften), Müdigkeit (über 60 Prozent), Kopfschmerzen (über 50 Prozent), Muskelschmerzen und Schüttelfrost (mehr als 30 Prozent), Gelenkschmerzen (mehr als 20 Prozent) und Fieber (mehr als zehn Prozent) auftraten.

Die Impfung ist für Menschen ab 16 Jahre zugelassen. Wer bereits mit Corona infiziert war, ist zunächst vom Impfen ausgeschlossen. Ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums sagte, weil nach Angaben der Ständigen Impfkommission „zumindest ein gewisser Schutz“ nach einer überstandenen Infektion anzunehmen sei, sollten Impfdosen zunächst für noch nicht infizierte Menschen verwendet werden.

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