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114.000 Menschen haben sich seit Februar in Lemgo impfen lassen - eine Bilanz

Impfzentrum Lippe ist geschlossen

Lemgo

114.000 Menschen sind in den vergangenen Monaten im Impfzentrum des Kreises Lippe geimpft worden. 103.500 von ihnen haben den kompletten Schutz. Am vergangenen Samstag, 5. September, um 19 Uhr haben sich die Türen der Einrichtung geschlossen. Zeit für eine Bilanz.

Jitka Brichnacova bekommt von Bernd Bartels Trautmann die letzte Impfung im Impfzentrum Kreis Lippe. Foto: Kreis Lippe

Ziemlich genau neun Monate sind vergangen, seitdem der Kreis Lippe vermeldet hat: "Wir sind startklar im Kampf gegen Corona". Am 15. Dezember 2020 kann das Impfzentrum in der Phoenix Contact Arena in Lemgo seinen Betrieb aufnehmen, was fehlt ist der Impfstoff.  Am 8. Februar 2021 öffnen sich die Türen für über 80-Jährige Lipperinnen und Lipper. 

114.000 Menschen haben sich hier in den zurückliegenden Monaten ihren Pieks abgeholt. 103.500 von ihnen sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. "Das ist eine beeindruckende Zahl", findet Landrat Dr. Axel Lehmann, der am letzten Tag noch einmal ins Impfzentrum gekommen ist, um sich bei den verbliebenden anwesenden Mitarbeitenden und Helfern zu bedanken. "Ohne Sie wäre diese Mammutaufgabe nicht zu stemmen gewesen", betonte er.

1000 Helfer

Insgesamt rund 1000 Menschen zwischen 20 und 80 Jahren und mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen haben mit angepackt. Ärzte und Apotheker, medizinische Fachangestellte, Pharmazeutisch-technische Angestellte, Leitungskräfte, Mitarbeiter am Empfang, in der Dokumentation, im Backoffice, Security, Ordner, Hausmeister, Techniker, IT-Fachleute, Einsatzleiter der lippischen Feuerwehren, Köche, Hilfsorganisationen, Ehrenamtliche und viele mehr sind zu einem Team gewachsen. "Es ist ein komisches Gefühl, jetzt zu gehen", sagen alle, die man in diesen Tagen fragt.

Bei Schnee zu Fuß zum Impfen

Viele positive Begegnungen bleiben in Erinnerung. So kam im Februar, als der Schnee auf den Straßen und dem Dach der Phoenix Contact Arena lag, ein älterer Mann aus dem Kalletal zu Fuß nach Lemgo. Tatsächlich war es vielfach die ältere Generation, die sich dankbar ob der Hilfsbereitschaft im Impfzentrum zeigte. Einige haben vor Freude geweint, als ihnen ihr Termin am Telefon bestätigt wurde. Zahlreiche Dankesschreiben erreichten die Mitarbeiter und bestätigten sie in ihrer Arbeit.

Vor einigen Tagen brachte ein Impfling Schokolade für alle vorbei. Über die sozialen Medien startete eine junge Frau einen Aufruf. Sie hatte im Impfzentrum einen sympathischen Mann kennengelernt und wollte ihn wiedersehen.

Es gab auch sehr viele Fundsachen: Schlüssel, Taschen sowie zahlreiche Impfpässe. Und ein Gebiss. Der Besitzer konnte nicht ermittelt werden. Nach Schließung des Impfzentrums werden die Sachen in das Fundbüro der Stadt Lemgo gebracht. Wer noch etwas vermisst, kann also dort sein Glück probieren.

Viele Fundsachen

Wie es positive Erinnerungen gibt, bleiben auch die weniger guten Momente im Gedächtnis. Immer wieder gab es Menschen, die geschimpft haben. Mal waren es die langen Warteschlangen, ein anderes Mal der Frust darüber, dass man nach Hause geschickt wurde, weil man noch nicht "an der Reihe" war. Einige haben es sich auch kurzfristig anders überlegt und ihren Termin nicht wahrgenommen: "Ich möchte meinen Termin absagen, denn ich habe nur aus Jux und Dollerei gebucht", schrieb ein Herr eine nette E-Mail an das Impfzentrum.

Sich ständig ändernde Vorgaben durch Bund oder Land haben ihren Teil dazu beigetragen, an vielen Stellen Unmut und Unverständnis zu erzeugen. Eine Frau las bereits in der Impfkabine sitzend auf ihrem Handy den Nachrichtenticker und stellte fest, dass die aufgezogene Spritze mit dem Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr an sie verimpft werden darf. "Heute lachen wir über diese Situationen. Aber wir mussten schon häufig improvisieren", sagt Sascha Medina, Organisatorischer Leiter des Impfzentrums. "Am Anfang haben wir oft geschwitzt, ob der Impfstoff bis abends reicht", verrät er.

Trauriger Höhepunkt war ein Unfall im Mai: Auf dem Weg zur Impfung stürzte eine Person schwer und starb noch vor Ort an ihren Verletzungen. Zum Glück mussten die Ärzte und Rettungskräfte ansonsten nur selten eingreifen.

Mit jedem Monat und jeder verfügbaren Impfdosis mehr wuchs auch die Routine. So liefen die Betriebsimpfungen ab Juni reibungslos. Alle Unternehmen hatten sich im Vorfeld sehr gut vorbereitet. Auch Asylsuchende und Obdachlose bekamen mit Unterstützung der Kommunen die Gelegenheit, sich impfen zu lassen.

Impfbus gibt weiter Gas

Seit Juli gibt es zudem mobile Angebote in den lippischen Städten und Gemeinden. "Jede einzelne Impfung führt uns ein Stück weit zur Normalität zurück", betont Dr. Hans-Christian Körner, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Noch bis Ende September gibt es die Möglichkeit, sich mobil impfen zu lassen. Der Bus des Kreises fährt alle Kommunen an. Danach sind die niedergelassenen Ärzte Hauptansprechpartner für die Impfung gegen das Coronavirus.

Zahlen, Daten und Fakten:

Rund 1.000 Mitarbeitende im Impfzentrum

•         253 Ärztinnen und Ärzte

•         200 Medizinische Fachangestellte (MfAs)

•         100 Apothekerinnen und Apotheker sowie 225 Pharmazeutisch-technische

            Assistenten (PTAs)

•         Rest Sonstige (Mitarbeiter am Empfang, in der Dokumentation, im Backoffice etc.)

Impfungen im Impfzentrum Kreis Lippe

•         8. Februar (1. Tag)                                                     162 Erstimpfungen

•         bis zum 8. März                                                           9700 Erstimpfungen

•         bis zum 8. April                                                           36.800 Erstimpfungen

•         bis zum 6. Mai                                                             70.633 Erstimpfungen

•         bis zum 5. September                                              114.126 Erstimpfungen

Aktuelle Informationen zum Thema gibt es unter www.kreis-lippe.de/corona/impfung.

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