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Auch Gerhard Schröder speiste im Taller Traditionslokal

»Alter Krug« soll versteigert werden

Kalletal-Talle (WB). Die Reklame ist abmontiert, das »A« des Schriftzuges »Alter Krug« fällt bald von der Wand. Rund um das Haus weisen Plakate auf die bevorstehende Versteigerung des Traditionslokals hin. Auf einer Auktion im Kölner Hilton soll das denkmalgeschützte Gebäude am Samstag, 16. September (11 Uhr), für mindestens 25 .000 Euro versteigert werden.

Reiner Toppmöller

Einst Dorfmittelpunkt und Schauplatz vieler Feiern: der Taller »Alte Krug« verfällt zusehends. Nun soll das denkmalgeschützte Gebäude am Samstag versteigert werden. Foto: Reiner Toppmöller

Geschichtsträchtig ist das Gebäude nicht nur, weil es eine der ältesten Gaststätten, vielleicht sogar die älteste in Lippe, ist, sondern auch, weil hier der Bundeskanzler a.D. Gerd Schröder früher mit seinen Sportfreunden gefeiert hat. Wie diese Zeitung nun von Kalletals Bürgermeister Mario Hecker erfuhr, hat diese Besonderheit ihn bereits am 16. August dazu bewogen, an den prominenten Kalletaler zu schreiben.

In dem offiziellen Brief erläutert der Kalletaler Bürgermeister die Situation des »Taller Kruges« und klärt über den Versuch der Gemeinde auf, den Ortsteilen ihre alte Identität zu erhalten beziehungsweise zurückzugeben.

Insbesondere wies Hecker darauf hin, dass das dem Verfall preisgegebene Gaststättengebäude gleich gegenüber der gerade mit Sorgfalt renovierten Peterskirche liege. Der Bürgermeister schreibt wörtlich: »Meine Bitte an Sie – helfen Sie uns!«

Kartoffelsalat und Kotelett schmeckten dem Ex-Kanzler

Wie das aussehen könnte, fügte der Bürgermeister gleich an. Er könne sich ein kleines, aber feines »Gerhard-Schröder-Museum« vorstellen. »Ein Beweis, wie erfolgreich man auch als Kind vom Land sein kann. Sozusagen innovatives Denken made im Dorf«, schreibt Mario Hecker.

Weiter zieht er einen Vergleich zu Stephan Ludwig Jakobi, der ebenfalls ein erfolgreicher Kalletaler geworden sei und schlägt vor, beide Persönlichkeiten in Verbindung mit einer kleinen Gastronomie zu präsentieren.

Mario Hecker schließt seinen Brief mit den Worten: »Ich hoffe, dass ich Sie mit meiner hemdsärmeligen Idee nicht verstimmt habe – aber Talle braucht hier wirklich Hilfe und das offene Wort ist mir wichtig.« Ob das den Ex-Bundeskanzler begeistern kann, von dem man sagt, er sei früher hier mit seinen ehemaligen Fußball-Kameraden auf Kartoffelsalat und Kotelett eingekehrt, bleibt abzuwarten.

Eine Antwort auf sein Schreiben hat der Bürgermeister noch nicht. Gerhard Schröder selbst war übrigens zum letzten Mal am 20. August 2013 offiziell in Talle und im »Alten Krug«.

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