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Ausstellungseröffnung über lippische Wanderarbeiter im SAD-Infozentrum in Kalletal

Die Tradition der Ziegler

Kalletal (WB/rto/jg). Dem Zieglerwesen in Lippe widmet sich eine Ausstellung, die im Infozentrum der SAD Lippe in Hohenhausen eröffnet wird. »Tradition mit Zukunft oder Ende einer Tradition« wurde als Motto gewählt.

Auch die Fahnen des Ziegler- und Arbeitervereins Kalldorf werden in der Ausstellung zu sehen sein.

Die Armut in der Heimat machte es nötig, dass sich sehr viele Männer aus Lippe vor Generationen auf die Wanderschaft machten. Seit dem 17 Jahrhundert verließen sie im Frühjahr in großer Zahl ihre Heimat, in der es für sie kaum Arbeit gab. Die fanden sie in Ziegeleien in Nordwestdeutschland, Holland und Dänemark. Geschuldet war die Massenwanderung der Armut im Fürstentum Lippe. Die Industrialisierung schritt dort nur langsam voran. Der noch immer landwirtschaftlich geprägte Arbeitsmarkt konnte die steigende Zahl von Landlosen kaum aufnehmen.

Angesehene Fachkräfte

Auch wenn die Ziegler aus Lippe auswärts angesehene Fachkräfte waren, so waren sie doch ohne soziale Sicherheit. Für Monate wurden Familien auseinandergerissen. Es gründeten sich deshalb auch in den Dörfern der heutigen Großgemeinde Kalletal zahlreiche Zieglervereine. Diese Vereine sicherten die Ziegler bei Krankheit und sozialer Not ab, aber auch die Geselligkeit wurde in ihnen gefördert.

Das Leben auf dem Land hat sich grundsätzlich verändert. Die Armut von damals existiert so nicht mehr.  Ziegler gibt es nicht mehr, die Zieglervereine finden keinen Nachwuchs mehr – immer mehr dieser Vereine geben auf.

Die neue Ausstellung will die Erinnerung an das Zieglerwesen und an die Zieglervereine wachhalten. Der freie Journalist Reiner Toppmöller, der für das WESTFALEN-BLATT auch über das Vereinsleben in den Dörfern des Kalletals berichtet, hat diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Vereinen und dem LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage konzipiert.

Neue Aufgabe für Vereine

Toppmöller: »Ich möchte am Beispiel der Zieglervereine aufzeigen, warum derartige soziale Gemeinschaften auch für die Zukunft wichtig sein werden.« Der Mensch als soziales Wesen sei nicht dazu bestimmt, alleine zu leben. Das Vereinswesen habe in der Geschichte immer dazu beigetragen, dass Menschen nicht isoliert leben müssen. Vereine wie die Zieglervereine hätten dabei sogar eine gewisse Fürsorge übernommen.

»Älter werden im ländlichen Raum bedeutet zwar heute keine Armut mehr, aber möglicherweise soziale Vereinsamung. Sie könnte die Geisel der Zukunft werden. Vereine haben hier eine neue Aufgabe und vielleicht auch eine gesellschaftliche Pflicht«, meint Toppmöller.

Die Ausstellung »Tradition mit Zukunft oder Ende einer Tradition« ist vom 8. März bis zum 27. April im Beratungs- und Info-Zentrum des SAD Lippe e.V. in  der Lemgoer Straße 1 in Kalletal-Hohenhausen zu sehen. Am Sonntag, 31. März, ab 11 Uhr findet im Ausstellungsraum in der Tradition der Zieglervereine ein Frühschoppen statt.

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