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Alt-Bundeskanzler will sich erneut ins Goldene Buch der Gemeinde Kalletal eintragen

Gerhard Schröder lehnt Museum ab

Kalletal (WB). Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder möchte in seinem Heimatdorf Talle kein eigenes Museum bekommen. Das hat er dem Kalletaler Bürgermeister mitgeteilt. Gerne sei er bereit, sich Ende November bei seinem nächsten Besuch in Talle ins Goldene Buch der Gemeinde einzutragen.

Jürgen Gebhard

Bürgermeister Mario Hecker hat den Antwortbrief des Alt-Bundeskanzlers erhalten. Bereits vor 15 Jahren hatte sich Gerhard Schröder bei einem Besuch in Kalletal-Talle ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen. Foto: Jürgen Gebhard

Und zwar zum zweiten Mal nach 15 Jahren: Als Bundeskanzler hatte Schröder am 19. Februar 2002 gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Doris Schröder-Köpf sein Heimatdorf besucht, in dem er als »Acker« über den Sportplatz gestürmt war und den TuS Talle bis in die Bezirksliga gekickt hatte. Auf Einladung des damaligen Bürgermeisters Klaus Fritzemeier hatte er sich bei diesem Besuch ins Goldene Buch eingetragen.

Dorfkneipe war Schröders Vereinslokal

Der im Jahr 1587 gegründete »Alte Krug« war das Vereinslokal des Fußballklubs.  Als die Dorfkneipe jetzt zum Verkauf stand, wandte sich Mario Hecker an den bekanntesten Sohn der Großgemeinde und verfasste einen längeren Brief. »Nicht nur in Ihrer Funktion des Bundeskanzlers a.D., sondern vielmehr ganz besonders als ehemaligen Kalletaler mit Wurzeln im Dorf Talle« beschrieb der Bürgermeister ihm den Wandel der dörflichen Strukturen, nannte die Stärkung der Dörfer als eine seiner Hauptaufgaben und informierte über die aktuelle Situation um die historische, denkmalgeschützte Gaststätte.

Der »Alte Krug« könnte in ein »Gerhard-Schröder-Museum« umfunktioniert werden, schlug der Kalletaler Bürgermeister dem ehemaligen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland vor: »Ein kleines, aber feines Museum, welches Ihren Lebenslauf von Kindesbeinen an skizziert und letztendlich den Beweis liefert, wie erfolgreich man doch als ›Kind vom Lande‹ sein kann.«

Alt-Kanzler lobt den Bürgermeister

Nach einem Monat hat Gerhard Schröder nun geantwortet. Er schreibt: »Ihr großes Engagement zur Stärkung der Dörfer verdient Respekt und Anerkennung. Aber ich bitte Sie um Verständnis, dass ich Sie bei der Realisierung Ihres Museumsprojektes nicht unterstützen kann. Und ich möchte Ihnen auch davon abraten, denn es fällt mir schwer, mich mit dem Gedanken an ein solches Museum zu meinen Lebzeiten anzufreunden. Trotzdem danke ich Ihnen für das Vertrauen und die Geste, die ich zu schätzen weiß.«

Gespräch mit Konfirmanden geplant

Ende November wird Gerhard Schröder wieder einmal sein Heimatdorf besuchen. Auf Einladung der Konfirmanden der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde wird er in die Peterskirche kommen und den Jugendlichen Rede und Antwort über seine eigene Konfirmandenzeit bei Pastor Hundertmark stehen und über seinen Lebensweg sprechen.

Im Anschluss möchte Mario Hecker mit dem prominenten Gast über die Veränderungen des dörflichen Lebens reden und erfahren, wie der Alt-Bundeskanzler über die Fortentwicklung der Kalletaler Dorfidentität denkt.

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