Kalletaler Ärztin Melanie Zuch hat Praxis auf Krisenmodus umgestellt

Sprechstunde per Video-Chat

Kalletal (WB). Kein Gedränge im Wartezimmer und keine hustenden Mitpatienten – die Video-Sprechstunde macht es möglich. Diesen in der Region wohl bisher einmaligen Service bietet ab Montag die „Arztpraxis am Schloss“ in Varenholz zusätzlich an. In einer Testphase hat Melanie Zuch, Haus- und Fachärztin für Innere Medizin sowie Reisemedizin, dieses Modell der modernen Telemedizin bereits erfolgreich ausprobiert.

Joachim Burek

Die Varenholzer Hausärztin Melanie Zuch testet mit ihrer Schwester Korinna Behrendt die Video-Sprechstunde. Foto:

„In Zeiten von Corona haben wir die Praxis so umgestellt, dass wir größtmöglichen Schutz für Patienten, Ärztin und ihr Mitarbeiterteam sicherstellen können“, sagt Ehemann Thorsten Zuch, der als IT-Fachmann jetzt das zusätzliche digitale Wartezimmer in der Praxis installiert hat. Denn schon seit einigen Tagen gibt es in die regulären Praxisräume nur noch Einlass mit vorherigem Klingeln an der Tür, so dass sich nie mehr als zwei bis drei Patienten in der Praxis aufhalten. Die Medikamentenabholung erfolgt dabei durch ein Fenster. „Auf diese Weise haben wir auch ohne Gefährdung für das Team und die Mitpatienten den ersten Corona-Patienten im Kalletal melden können“, so Thorsten Zuch.

Anmeldung mit Online-Formular

„Als sich in der vergangenen Woche die Corona-Lage verschärfte, haben wir uns entschlossen, die Praxis nun ganz auf Krisenmodus umzustellen. Das erfordert von allen große Disziplin“, erklärt Ärztin Melanie Zuch. Dr. Weitkamp aus Kirchlengern, mit dem sie in Kontakt steht, praktiziere ebenfalls mit der Video-Sprechstunde und habe ihr den Tipp gegeben. „Da ich schon früher mit dieser Idee geliebäugelt habe, habe ich entschieden, dass dies jetzt der richtige Zeitpunkt ist“, so die 45-jährige Medizinerin.

Vor ein paar Tagen haben sie und ihr Mann das Equipment installiert. „Dazu brauchten wir zwei PCs, Kameras, Mikrofon und die notwendige Software ClickDoc, die die Bünder Firma Compu Group Medical (CGM) anbietet. Der Patient braucht lediglich ein Smartphone oder einen PC mit Kamera,“ erklärt sie.

Der Ablauf einer Video-Sprechstunde sieht dann so aus: Der Patient füllt online, zum Beispiel auf der Praxis-Homepage oder über den entsprechenden Online-Dienst, ein Formular aus, auf dem er Vor- und Zuname sowie seine Handy-Nummer angibt. In der Praxis von Melanie Zuch werden diese per Mail eingegangenen Formulare dann abgearbeitet und in ClickDoc eingegeben. Dort wird jedem Patienten ein Code zugeordnet und auf dessen Handy oder PC geschickt. „Und schon befindet sich der Patient im virtuellen Wartezimmer und kann aufgerufen werden“, so der IT-Fachmann Thorsten Zuch. So könnten 30 bis 40 Patienten am Tage bewältigt werden.

Tests haben gut geklappt

„Die ersten Tests mit sieben Patienten haben schon hervorragend geklappt“, zeigt sich Ärztin Melanie Zuch begeistert. So könnten ohne Ansteckungsgefahr in diesen Corona-Zeiten erste Diagnosegespräche per Bildschirm von Angesicht zu Angesicht für alle sicher geführt und, wo notwendig, weitere Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Natürlich wolle sie diese Art der Sprechstunde auch nach der Corona-Krise ihren etwa 1800 Patienten weiter anbieten, für die sie seit der Praxisübernahme von Dr. Vinzenz Rothe vor fünf Jahren im Kalletal zuständig ist. „Gerade für meine Patienten, die zum Beispiel auf Reisen Probleme bekommen oder sonst nicht in der Lage sind, vorbeizuschauen, ist dieser Service eine gute Alternative“, ist sie überzeugt.

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