Lemgoer Gymnasium wollte Schüler zum Besuch von »Fridays for Future« verpflichten

Ärger um Exkursion zum Klimastreik

Lemgo (WB). Wenn der Klimastreik in Ostwestfalen plötzlich offiziell zum »Pflichtfach« wird: Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) in Lemgo möchte mit seinen Schülern am Freitag zum Weltklimastreiktag die örtliche Kundgebung der »Fridays for Future« -Bewegung besuchen und hatdie Teilnahme an der Demonstration kurzerhand in einem Brief an die Eltern zur Pflicht erklärt. Die Reaktion: Es gab kritische Stimmen, Protest und Beschwerden. 

Christian Bröder

Das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) in Lemgo. Foto: K. deerberg

Stein des Anstoßes für den Ärger ist das Schreiben, in dem Lehrer und Schulleitung den Besuch der örtlichen Veranstaltung des dritten globalen Klimastreiks ankündigen, um sich »ein eigenes Bild von dieser Bewegung machen zu können«. Das Ziel: Die Schüler sollten Erfahrungen sammeln, wie ein Bürgerrecht umgesetzt werden könne, oder einfach nur Eindrücke sammeln. »Organisatorisch wird es so sein, dass die Fachlehrer der sechsten und siebten Stunde mit ihrer Klasse eine Exkursion zum Marktplatz unternehmen. Die Anwesenheitspflicht der Schüler endet somit am Ende der regulären Unterrichtszeit auf dem Marktplatz«, heißt es weiter.

Kritik an der verpflichtenden Teilnahme

Kritik an der verpflichtenden Teilnahme hatte zunächst die Schüler-Union Lippe geübt: Wenn man Schüler dazu zwingen würde, »an einer politischen Demonstration während der Schulzeit teilzunehmen, dann sollten sich die Verantwortlichen die Frage stellen, ob sie damit nicht ihre besondere Stellung missbrauchen«, heißt es in einer Stellungnahme bei Facebook. »Wir haben das Vorhaben als falsch empfunden und deshalb reagiert. Es sollte in diesem Fall keine Bevormundung durch Lehrkräfte geben«, sagt Max Hinrichsen. Der 17-jährige Vorsitzende der Schüler-Union Lippe war selbst Schüler des EKG. Auch Eltern äußerten sich aufgebracht: Ein Vater hatte via Facebook angekündigt, dass seine Tochter nicht an der Exkursion teilnehmen werde. Er forderte zudem »Ersatzunterricht für Teilnahmeverweigerer«. Mit Erfolg?

Unterrichtsgänge seien freiwillig

Die Schulleitung war am Dienstag zwar für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf seiner Homepage aber teilte das Gymnasium mit, dass »die Unterrichtsgänge am Freitag für Schüler und Lehrer freiwillig« seien. Zudem würden sie in ein pädagogisches Konzept eingebettet, »bei dem der Grundsatz der schulischen Neu­tralität beachtet wird«.

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