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NRW startet Pilotprojekt in den Kreisen Lippe, Paderborn und Höxter

Ärztlicher Notdienst neu organisiert

Lemgo/Büren/Brakel (WB). Menschen mit Beschwerden, die nachts minutenlang in der Telefonschleife des ärztlichen Notdienstes warten, Krankenhäuser, die nachts einen Ansturm vermeintlicher Notfälle erleben – damit soll bald Schluss sein: Der ärztliche Notdienst in Nordrhein-Westfalen wird neu organisiert.

Christian Althoff

Ein Blick in die Rettungsleitstelle des Kreises Paderborn, die mit den Kreisen Höxter und Lippe kooperiert. Foto: Hannemann

Dazu beginnt in wenigen Tagen ein dreijähriges Pilotprojekt der Kreise Lippe, Paderborn und Höxter. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wird am 2. Juli in der Rettungsleitstelle Lemgo den Startschuss geben.

Die drei beteiligten Kreise, in denen insgesamt fast 700.000 Menschen leben, haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Wenn künftig ein Bürger aus diesem Gebiet außerhalb der Praxisöffnungszeiten auf der Suche nach einem Arzt die Nummer 116117 wählt, erreicht er die Rettungsleitstelle des Kreises Lippe in Lemgo. Dort sitzen erfahrene und speziell weitergebildete Rettungsassistenten am Telefon.

Schwere der Erkrankung

Um die Schwere der möglichen Erkrankung einzuschätzen, nutzen sie nicht nur ihre Erfahrung. Sie arbeiten im Gespräch mit dem Anrufer vorgegebene Fragen ab. Danach entscheiden sie, ob sie sofort einen Notarztwagen losschicken, ob sie den diensthabenden niedergelassenen Bereitschaftsarzt aus dem jeweiligen Kreisgebiet von einem Fahrer zu dem Patienten bringen lassen, oder dem Anrufer raten, die für ihn zuständige Notfallpraxis selbständig aufzusuchen.

Sind sich die Rettungsassistenzen nicht sicher, erreichen sie ständig einen Arzt, den sie zu Rate ziehen können.

Pilotprojekt läuft drei Jahre

Laufen in der Lemgoer Leitstelle mehr Anrufe auf, als dort bearbeitet werden können, werden die Telefonate in die Rettungsleitstellen nach Brakel (Kreis Höxter) und Büren-Ahden (Kreis Paderborn) umgeleitet. Im Laufe des dreijährigen Pilotprojekts soll die Kopfleitstelle (anfangs Lemgo) zwischen den drei Standorten wechseln.

Das Projekt wird von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe mit 300.000 Euro pro Jahr finanziert. Sie erhofft sich von der Neuorganisation eine effektivere Lenkung der Patienten – zu deren Wohl, aber auch zur Entlastung der Krankenhäuser von Bagatellfällen.

Ob die Einschätzungen der Rettungsassistenten in der Regel richtig sind – das soll während der drei Jahre wissenschaftlich untersucht werden, möglicherweise von der Universität Bielefeld. Die Kosten für diese Evaluation wird voraussichtlich das Land übernehmen.

Dr. Theodor Windhorst, der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, lobte die KV für ihre Bereitschaft zur Kostenübernahme. »Die Finanzierungszusage hat den Knoten durchschlagen. Sonst gäbe es das Projekt jetzt nicht.«

Wichtig: bei akuten Blutungen, akuter Atemnot, Brustschmerz, Ohnmacht, Lähmungen, plötzlichen Sehstörungen und anderen schweren Symptomen sollte weiterhin sofort der Notruf 112 gewählt werden.

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