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Student untersucht Aerodynamik von Rennradhelmen

Gegen den Wind

Lemgo (WB). Beeinflusst die Helmform die Geschwindigkeit eines Rennradfahrers merklich? »Ja«, sagt Diplom-Ingenieur Volker Buchholz nach einem Test im Windkanal.

Christian Althoff

Bachelor-Student Joachim Schmeck und Diplom-Ingenieur Volker Buchholz mit ihrem Dummy im Windkanal. Foto:

»Aerodynamik, also Windschlüpfigkeit, spielt im Sport eine zunehmende Rolle«, sagt der Dozent der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo. Rennradfelgen etwa, die fünf bis sechs Zentimeter höher seien als normal, ersparten dem Fahrer bei Tempo 45 zehn Watt Leistung.

Für seine Abschlussarbeit im Maschinenbau wollte Student und Mountainbiker Joachim Schmeck Aero-Helme testen, also Fahrradhelme mit wenig oder gar keinen Lüftungsschlitzen. Er musste seinen radsportbegeisterten Professor Jochen Dörr und Diplom-Ingenieur Volker Buchholz als Zweitprüfer nicht lange überzeugen. Buchholz fährt 9000 Kilometer im Jahr mit dem Mountainbike, 800 mit dem Rennrad.

Bis zu zehn Watt Unterschied

Weil der Windkanal der Hochschule mit 40 Zentimetern Durchmesser zu klein ist, nutzten die Forscher einen Windkanal in Immenstaad am Bodensee. Das Fachmagazin »Rennrad« stellte 17 Helme zur Verfügung, und das Unternehmen Euro-Display aus Rinteln den Oberkörper einer Schaufensterpuppe. »Man muss den Helm mit einer Puppe oder einer Person testen, denn einen großen Anteil am Luftwiderstand haben die Wirbel, die hinter dem Helm den Rücken hinunterlaufen«, sagt Volker Buchholz.

Wie lief der Test ab? Die Puppe samt Helm wurde in Rennradfahrerhaltung auf einem beweglichen Gestell montiert. Dann blies die Luft mit Tempo 45 dagegen. Fühler an dem Gestell ermittelten, welche Kraft aufgebracht werden musste, um dem Wind zu widerstehen und nicht nach hinten gedrückt zu werden.

Dabei ergaben sich (nach Umrechnung in Watt) bei unterschiedlichen Helmen bis zu zehn Watt Unterschied, bei Tempo 35 war der Unterschied noch knapp fünf Watt. »Zehn Watt mehr oder weniger – das merkt man als Leistungssportler schon«, sagt Diplom-Ingenieur Buchholz. Der beste Aero-Helm (Rudy Project Boost Pro, 240 Watt) führte sogar dazu, dass der Luftwiderstand geringer war als ohne Helm – wenn auch nur im Bereich einiger Zehntel Watt.

Helm muss parallel zur Straße liegen

Der Test des Studenten ergab auch: Die optimale Kopfhaltung ist die, bei der der Helm parallel zur Straße liegt, was beim Fahren aber nicht immer möglich ist. Überzeugt hat die Tester übrigens auch das Innenleben: »Bei den geschlossenen Helmen haben die Hersteller viel Forschung in die Form der innenliegenden Lüftungskanäle investiert. Selbst bei 30 Grad im Schatten wird es darin nicht heiß«, sagt Volker Buchholz.

Für den normalen Radfahrer, der mit Tempo 15 bis 20 unterwegs sei, spiele die Form seines Helms dagegen keine Rolle, sagt der Dozent. »Das Wichtigste ist für diese Leute, dass sie überhaupt einen Helm tragen.«

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