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Thema Missbrauch: keine einheitlichen Kriterien in Nordrhein-Westfalen

Defizite bei Jugendämtern

Lügde/Düsseldorf (WB). Im Umgang mit Verdachtsfällen auf sexuellen Kindesmissbrauch fehlen den 186 Jugendämtern in NRW einheitliche Kriterien.

Hilmar Riemenschneider

Hier hatte das Jugendamt Hameln-Pyrmont ein Pflegekind untergebracht. Foto: Althoff

„Es gibt keine Standards“, monierte die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes NRW, Christa Körbes, am Montag im Untersuchungsausschuss des Landtags zum F all des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde.

„Verpflichtende Standards kosten Geld, das ist das Problem.“ So sei es nicht in jedem Jugendamt selbstverständlich, dass bei der Beurteilung eines konkreten Verdachts eigens ausgebildete Kinderschutzfachkräfte hinzugezogen würden, erläuterte Körbes. Deren Expertise sei aber sehr wichtig, um Hinweise auf einen Missbrauch bewerten zu können.

Höchst unterschiedlich gingen die Amtsleiter vor, wenn es widersprechende Bewertungen gebe. Nicht überall lasse man die eigene Einschätzung durch externen Sachverstand überprüfen.

Körbes forderte verbindliche Vorgaben für die Aus- und Fortbildung: Mitarbeiter in Kitas, Schulen, Jugendämtern, bei Polizei und Justiz müssten regelmäßig geschult werden, um die oft versteckten Signale von Kindern zu verstehen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. „Es muss richtig eingeordnet werden“, betonte sie.

Betroffene Kinder ziehen sich nach ihrer Darstellung nicht immer zurück, deshalb müssten auch körperliche Reaktion wie starkes Zu- oder Abnehmen richtig gedeutet werden. „Wenn es das bei Justiz und Polizei gäbe, hätte man ein anderes Ohr für den Kinderschutz“, unterstrich Körbes. In Kitas und Schulen sollten Kinder Ansprechpartner haben.

Vielerorts fehle jedoch ihrer Erfahrung nach die Klarheit über die Kompetenzen der einzelnen Institutionen, berichtete Körbes. Gute Erfahrungen habe der Kinderschutzbund mit runden Tischen vor Ort gemacht, an denen Vertreter aus Kitas, Schulen, Jugendamt, Polizei und Justiz zusammenkämen (das hat der Kreis Lippe übrigens vor). Körbes riet dazu, auch Betroffene einzubinden. Deren Perspektive helfe, die eigenen Handlungskonzepte richtig auszurichten.

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