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Verschmutzung führt in Schlangen zu geflutetem Keller

Feuchttücher verstopfen Kanal

Schlangen (WB). Sie sind sehr preisgünstig, versprechen ein Höchstmaß an Hygiene und erfreuen sich bei den Verbrauchern großer Beliebtheit: Feuchttücher sind heute päckchenweise in vielen Badezimmern zu finden und wandern nach ihrer Benutzung häufig in die Toilette.

Klaus Karenfeld

Das gesamte Schlänger Kanalleitungsnetz wie hier in der Langelau Straße in Oersterholz wird regelmäßig über einen Zeitraum von drei Jahren komplett gereinigt. Das reicht aber nicht mehr aus. Immer öfter müssen Spezialfahrzeuge anrücken. Foto: Klaus Karenfeld

»Das ist keine gute Idee«, betont Robert Göke, Geschäftsführer der Schlänger Gemeindewerke. »Feuchttücher bestehen aus reißfestem Material und verstopfen so schnell den Abwasserkanal.«

Allein in den vergangenen fünf Monaten dieses Jahres mussten die örtlichen Gemeindewerke drei Mal einen Spezial-Spülwagen aus Kalletal anfordern. »Das entspricht genau der Einsatzzahl für das gesamte Jahr 2017«, betont Anastasia Schatz. Die Ingenieurin ist bei den Gemeindewerken Schlangen für das 90 Kilometer lange Kanalnetz verantwortlich.

Besonders schwerwiegend war die Situation Anfang 2018 in der Lindenstraße. »Dort hat eine Verstopfung im Hauptkanal dazu geführt, dass ein kompletter Keller mit Schmutzwasser vollgelaufen ist«, berichtet Anastasia Schatz weiter. Mit einem Stoßdruck von immerhin 180 Bar wurde der schweren Verkrustung am Ende erfolgreich zu Leibe gerückt. Anschließend kamen eine Reinigungsdüse sowie ein mächtiger Saugschlauch zum Einsatz, mit dem die Verschmutzung vollständig beseitigt wurde. Ein weiteres Mal musste der Spezial-Spülwagen samt Kamerafahrzeug in den Fichtenweg ausrücken.

Für die entstandenen Schäden muss der Hauseigentümer in den meisten Fällen selbst aufkommen. Denn laut Göke ist es oft sehr schwierig, den genauen Verursacher zu ermitteln. Und auch die Versicherer sehen sich nicht in der Pflicht. Göke verweist in diesem Zusammenhang auf einen Passus in der Abwassersatzung der Gemeinde, der auch in vielen anderen Kommunen gilt. Danach ist jeder Hausbesitzer zum Einbau einer Rückstausicherung verpflichtet, die das Eindringen von Schmutzwasser aus dem Kanal verhindert.

Feuchttücher sind allerdings nicht die einzigen Irrläufer im Abwassersystem. Die Palette reicht von Kondomen, Wattestäbchen und Tampons bis hin zu Medikamenten, Lösungsmitteln, Essensresten und Fett. Und damit entsteht ein weiteres Problem: Wer beispielsweise Küchenabfälle unüberlegt in die Toilette kippt, lockt nicht selten hungrige Ratten an.

Dieses Vorgehen zeugt nach Meinung von Göke nicht nur von einem fehlenden Umweltbewusstsein. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von einem »durch und durch unsozialen Verhalten«. Denn: »Für die teuren Sondereinsätze mit dem eigens georderten Spezial-Spülfahrzeug muss die Gemeinde aufkommen. Steigt die Zahl zukünftig weiter deutlich an, ist eine Anhebung der Abwassergebühren nicht auszuschließen. Für das wenig verantwortungsbewusste Verhalten einiger weniger müssten dann die Steuerzahler der Sennegemeinde insgesamt aufkommen. Und das wollen wir doch alle nicht.«

Wie Göke im SZ-Gespräch weiter betont, wird das Kanalleitungsnetz in Schlangen regelmäßig über einen Zeitraum von drei Jahren komplett gereinigt. Er hoffe auf die Einsicht der Bürger, benutzte Feuchttücher und anderen Abfall ausschließlich über die graue Mülltonne zu entsorgen.

Übrigens: Der Bereitschaftsdienst der Gemeindewerke Schlangen ist nach Dienstschluss sowie feiertags unter der Telefonnummer 05252/985313 immer zu erreichen.

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