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Drei Meter große Figur ziert Turnierplatz des Fahr- und Kutschenvereins in Schlangen

Hölzerne Thusnelda enthüllt

Schlangen (WB). Drei Jahre und viele Urlaubstage hat Künstler Bernhard Badur gebraucht, um aus einem 350 Jahre alten Eichenstamm die Figur Thusnelda zu schnitzen. Am Wochenende wurde die vier Tonnen schwere Skulptur auf dem Platz des Fahr- und Kutschenvereins Teutoburger Wald an der Fürstenallee in Schlangen enthüllt.

Mit dem gleichnamigen Bier stoßen (von links) Martin Horstmann, Simone Strate, Künstler Bernhard Badur, Renate Strate, Friederike Strate, Ulrich Knorr und Ralf Penke auf die Enthüllung der Thusnelda an, die aus einer Eiche entstanden ist. Foto: Sonja Möller

»2009 Jahre musste Thusnelda warten. Jetzt ist sie endlich wieder an den Teutoburger Wald zurückgekehrt. In ihre Heimat«, freut sich Simone Strate von der gleichnamigen Detmolder Brauerei. Gemeinsam mit Schwester Friederike und Mutter Renate war sie bei der feierlichen Enthüllung vor Ort. Die Werbegrafik des Thusnelda-Bieres war Vorlage für den Künstler, anhand derer er die Figur entworfen hat.

Und das war ein ganz schönes Mammutprojekt, bei dem es so einige Rückschläge gab: »Ich habe zum ersten mal so eine große Figur geschnitzt«, erzählt Badur. Eigentlich widmet er sich der Landschafts- und Porträtmalerei. Auch kleinere Skulpturen gehören zu seinem Repertoire. Einmal einen Baumstamm in solch einer Größe zu bearbeiten war immer sein Traum. »Auch wenn ich die Sache ziemlich unterschätzt habe«, gibt er gerne zu: »Das sind ja unglaubliche Mengen an Holz, die dabei anfallen. Wir haben bestimmt sechs Treckerschaufeln herausgeholt.« Zwischenzeitlich lieh sich Badur sogar eine Stielkettensäge mit Meterschwert, um die Thusnelda in Form zu bringen.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Dabei war absolutes Fingerspitzengefühl gefragt: »Der Stamm ist ja von innen morsch. Deswegen durfte ich nicht zu viel wegschneiden.« Dann wäre alles hinfällig gewesen.

Den 350 Jahre alten Stamm hat Bernhard Badur auf dem Hof Horstmann in Schlangen zuerst in einen Würfel geschnitten, um besser arbeiten zu können. Dann arbeitete er die Thusnelda heraus.

Und die machte es ihm nicht einfach: »Im Winter ist ihr Gesicht geplatzt. Einmal mitten durch. Ich dachte schon, ich muss aufgeben«, schildert er einen besonders brenzligen Moment des Schaffensprozesses. Doch der Künstler wusste sich zu helfen und schnitzte das Gesicht in einen separaten Klotz des Stammes, den er an der Figur befestigte.

Der Thusnelda sieht man diese Schönheitskorrektur nicht an. »Sie ist so gelungen! Sie hat ein besonders schönes Gesicht und Beine wie ein Model. Und dann trägt sie auch noch High Heels«, ist Simone Strate fasziniert. Auch der Künstler ist zufrieden: »Manchmal ist mir die Säge weggerutscht. Das muss man dann akzeptieren. Ändern kann man es nicht mehr. Persönlich bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.«

In den vergangenen drei Wochen war Bernhard Badur täglich acht Stunden vor Ort an der Fürstenallee und hat an der Gestaltung des Hindernisses tatkräftig mitgewirkt. Entstanden ist ein Hingucker rund um Asterix und Obelix, die als Figuren zu sehen sind. Außerdem rührt der Druide Miraculix in einem Steinkreis einen Zaubertrank an. Nebenan schauen aus einem Brunnen zwei geschnitzte Beine heraus – und auf dem Pfahl lauert schon ein Geier, ebenfalls aus Holz geschnitzt. »Die Gallier haben auch immer gegen die Römer gekämpft. Ich dachte, das passt zur Thusnelda«, erzählt Badur.

Bernhard Badur wird zum Ehrenmitglied ernannt

Begeistert ist auch der Fahr- und Kutschenverein Teutoburger Wald. Dessen Vorsitzender Ralf Penke ernannte Bernhard Badur spontan zum Ehrenmitglied: »Das erste unseres Vereins.« Auch Familie Strate war rundherum begeistert: »In der Sonne sieht die Thusnelda noch umwerfender aus. Hier kann sie jetzt wieder Kutschen beobachten und Männer, die sich gegenseitig im Wettkampf messen. Das gefällt ihr«, ist sich Simone Strate sicher.

Thusnelda ist immerhin die einzige Frau, die in der Varusschlacht namentlich erwähnt wurde, erzählt Brauerei-Geschäftsführerin Friederike Strate. Sie hatte für den Künstler noch eine besondere Überraschung: »Auf Lebzeiten bekommt Bernhard Badur von uns jede Woche eine Kiste Thusnelda-Bier.«

Martin Horstmann erzählte, wie die Idee vom Stamm zur Frauenfigur entstanden ist: »Wir sind durch die Fürstenallee gefahren und haben den Stamm gesehen, der am Kreisaltenheim gefällt worden ist. Dann hatten wir irgendwann das Thusnelda-Plakat in der Hand und haben gesagt: ›Ja, das machen wir!‹«

Auch Bürgermeister Ulrich Knorr war von dem Ergebnis angetan: »Die Idee ist eine super Sache. Dass die Thusnelda an dieser Stelle untergebracht ist, passt. Sie ist sehr bekannt in Lippe.«

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