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Schlangen will lippische Umweltorganisationen bei der Mobilitätswende unterstützen

„Raus aus der Komfortzone!“

Schlangen

Die Zeit wird knapp. Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie es das Pariser Klimaschutzabkommen vorsieht, verbleiben acht Jahre. Elf lippische Umweltgruppen und -initiativen fordern deshalb eine nachhaltige Mobilitätswende, bei der das Auto nicht mehr die Hauptrolle spielt. Diesem Anliegen hat sich am Donnerstagabend auch der Schlänger Umweltausschuss einstimmig angeschlossen.

Von Klaus Karenfeld

Symbolbild. Foto: Johannes Oetz

Die Gemeindeverwaltung erhielt den Arbeitsauftrag, geeignete Maßnahmen zu prüfen.

Birgit Reher ist Sprecherin der gemeinsamen Initiative und war zu Gast im Umweltausschuss. „Ein effektiver Klimaschutz fängt bei uns selbst an“, machte sie gleich zu Anfang deutlich. In diesem Zusammenhang allein auf die große Politik zu setzen, bezeichnete sie als schwerwiegenden Fehler. „Wir leben aktuell noch in einer Art Komfortzone, die wir dringend verlassen müssen“, so Reher. „Und wir alle sind aufgerufen mitzumachen.“

Neben einer Energie-, Ressourcen- und Ernährungswende sprach sich Reher im Ausschuss insbesondere für eine Mobilitätswende aus. Nur so könnten die Treibhausgas-Emissionen nachhaltig gesenkt werden.

Gleichzeitig prangerte sie eine bundesweit verfehlte Verkehrspolitik an, die seit Jahrzehnten fast ausschließlich auf das Auto ausgerichtet sei. Klimafreundliche Alternativen hätten bislang kaum eine oder gar keine Rolle gespielt: „Es geht uns nicht darum, das Auto zu verdammen“, stellte Reher klar. „Unser Ziel ist es, die umweltfreundlichen Alternativen attraktiver zu machen.“ Als Beispiele nannte sie den weiteren Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) oder des Radverkehrs. Auch das Carsharing-Angebot sei noch deutlich ausbaufähig. Dabei teilen sich mehrere Personen ein Auto.

Rehers Ausführungen kamen im Ausschuss durchweg gut an. „Die Sennegemeinde hat erst vor wenigen Monaten einen neuen Radweg an der Kläranlage eröffnet“, sagte Dirk Tornede (Die Grünen). Dabei dürfe es aber nicht bleiben. Wichtig sei ein Netz von Radwegen, das den gesamten Kreis Lippe wie auch den Nachbarkreis Paderborn mit einbeziehe.

Eine tiefgreifende Mobilitätswende setzt Tornede zufolge auch Veränderungen beim Berufs- und Pendelverkehr voraus: „Wir müssen die Bereiche Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammenbringen“, so ein Wunsch Tornedes. „Schlangen darf nicht zur Schlafstadt von Paderborn werden.“

Auch für die Schlänger CDU hat der Klimaschutz absolute Priorität, wie Reinhard Richter im Ausschuss deutlich machte. So sei der nach der Kommunalwahl neu eingerichtete Umweltausschuss auch ein Anliegen der Christdemokraten gewesen. Ebenso unterstütze die Fraktion das geplante Klimaschutzkonzept für Schlangen.

Michael Zans, Fraktionsvorsitzender der SPD, sprach von „wichtigen Stellschrauben“, die Birgit Reher aufgezeigt habe. Sehr schnelle Ergebnisse seien aber nicht zu erwarten. Bis möglichst viele Menschen statt des eigenen Autos den ÖPNV in Anspruch nehmen, werde es sicherlich noch einige Zeit benötigen.

„Was wir brauchen, ist ein Schnellbus“, machte Matthias Buchheim (CDU) deutlich. „Was nützt es, wenn die Busse zwar im Viertelstundentakt unterwegs sind, dann aber aber alle paar hundert Meter eine Haltestelle anfahren.“

„Radfahrwege sind nur dann attraktiv, wenn sie auch gut befahrbar sind“, stellte Henning Schwarze (Die Partei) klar. An die Verwaltung gerichtet forderte er: „Ein regelmäßiger Rückschnitt von Büschen und Bäumen ist da zwingend notwendig.“ Und noch etwas ist Schwarze wichtig: „Radwege sind für Radfahrer bestimmt und keine Reitwege.“ Die Gemeindeverwaltung müsse das durch eine unmissverständliche Beschilderung deutlich machen.

Mitglieder der Initiative

Elf Umweltgruppen und -initiativen haben die Initiative zur Mobilitätswende in Lippe ins Leben gerufen. Im Einzelnen sind das: Lippe for Future, Fridays for Future Lemgo, Fridays for Future Detmold, Radentscheid Detmold, Klimaforum Detmold, Bund Kreisgruppe Lippe, Lippe im Wandel, Nabu Lippe, Lippe ­ökologisch, ADFC Kreis Lippe und „66n – ohne uns!“,

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