1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Schlangen
  6. >
  7. »Senne ist und bleibt unsere Heimat«

  8. >

80 Jahre nach Umsiedlung: mehr als 200 Besucher beim Haustenbecker Treffen

»Senne ist und bleibt unsere Heimat«

Oesterholz-Haustenbeck (SZ). Die Gemeinde Schlangen und der Förderverein Haustenbeck haben in feierlichem Rahmen an die Auflösung des ehemaligen Dorfes erinnert. Zum Haustenbecker Treffen 80 Jahre nach der Umsiedlung kamen mehr als 200 Gäste in die Senne.

Uwe Hellberg

Landrat Axel Lehmann (links) und Bürgermeister Ulrich Knorr legten zum Gedenken einen Kranz nieder. Foto: Uwe Hellberg

In zum Teil bewegenden Worten gedachten Bürgermeister Ulrich Knorr, Landrat Dr. Axel Lehmann, Heinz Kriete für den Lippischen Heimatbund, Dieter Kelle für den Förderverein Haustenbeck und Pastorin Iris Opitz-Hollburg der Vertreibung der Menschen, die 1939 ihre Heimat verlassen und der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Senne weichen mussten. So stellte Dieter Kelle fest: »Die Senne ist und bleibt unsere Heimat für alle Zeit. Erinnerung ist die Blüte, die im Herzen nicht welkt.« Mit Betrübnis und Trauer müsse er feststellen, dass leider immer weniger hier Geborene an der Feierstunde und dem Wiedersehen teilnehmen können. Aber Kelle rief die Anwesenden auf: »Erinnern Sie sich und erzählen Sie es Ihren Kindern und Enkeln, damit Haustenbeck nicht vergessen wird. Sie sollten wissen, dass an diesem Ort einst ein Dorf mit Namen Haustenbeck stand. Hier wohnten meine Eltern, Groß- oder Ureltern. Sie haben dieses Sennedorf geliebt und haben mit ihren Nachbarn in Frieden und Eintracht gelebt.«

»Geschichtsträchtige Orte müssen wir lebendig halten.«

Landrat Axel Lehmann betonte: »Das Gefühl von Heimat bleibt unersetzlich. Heimat geht uns alle an.« Er lobte »die Verbundenheit, die Haustenbecker in der zweiten, dritten oder sogar vierten Generation zeigen«. Lehmann: »Geschichtsträchtige Orte müssen wir lebendig halten.«

Heinz Kriete, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Schlangen, erinnerte an das intakte Leben in Haustenbeck. Kriete: »Viele heutige Dörfer hätten gerne das, was Haustenbeck damals hatte.« Es gab eine Schule, Post und Arzt. Kriete forderte für die Senne künftig »ein großzügiges Betretungsrecht«.

Bürgermeister Ulrich Knorr, der die Gedenkveranstaltung eröffnet hatte und auch seinen Bürgermeisterkollegen Stefan Rother aus Horn-Bad Meinberg und Martin Schulte für die Stadt Bad Lippspringe begrüßte, trug Auszüge aus einem Buch vor, in dem Hans Sprenger seine Gefühle und Gedanken zur Senne und zu Haustenbeck formuliert hatte (siehe Infokasten). Sprenger war im April 1933 wegen seiner anti-nationalsozialistischen Gesinnung vom Schuldienst suspendiert und ein Jahr später zur »Läuterung« ins »Exil« nach Haustenbeck geschickt worden.

Ein Gedicht von Lina Herdehuneke (geborene Röhrmann, ehemals Sandweg 6) trug Katja Röhrmann am Samstag vor. Katja Röhrmann ist die Enkelin von Willi Röhrmann, der unter dem Beinamen »Winkels Willi« bekannt war.

»Wer Wurzeln hat, der kann auch aufbrechen.«

Für die Kirchen sprach Pastorin Iris Opitz-Hollburg. Sie rief den 28. November 1939 in Erinnerung: »An diesem Tag hat Pastor Held seinen letzten Gottesdienst in Haustenbeck gehalten.« Er fiel 1944 in Russland. Die Hausten­becker mussten 1939 ihr Dorf verlassen und aufbrechen. Opitz-Hollburg: »Aber wer Wurzeln hat, der kann auch aufbrechen.«

Zur Erinnerung 80 Jahre nach der Umsiedlung legten Landrat Axel Lehmann und Bürgermeister Ulrich Knorr gemeinsam einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Gemeinsam mit Dieter Kelle pflanzten beide schließlich auch symbolisch ein Bäumchen. Der Baum, so Ulrich Knorr, »soll das Erinnern in diesem Jahr auch in die Zukunft wachsen lassen«. Sowohl mit dem Ablauf (»Alles verläuft diszipliniert.«) als auch dem Zuspruch der Gedenkveranstaltung äußerte sich Schlangens Bürgermeister »sehr zufrieden«. Er dankte den Vertretern des britischen Militärs, die es ermöglicht hätten, dass so viele Menschen in der Senne sein konnten.

Abschließend lud die Gemeinde zum Kaffetrinken ins Bürgerhaus ein. Dort waren vom Förderverein Fotowände mit Aufnahmen aus dem ehemaligen Dorf Haustenbeck ausgestellt worden. Vier Motive waren aber auch in der Senne aufgestellt worden; Schule, Kirche, Präsidentenhof und das Haus der Familie Röhrmann.

Startseite