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Im Stall des Kreisseniorenheims Schlangen-Oesterholz haben acht Lämmer das Licht der Welt erblickt

Wenn Nesquik auf Stracciatella trifft

Schlangen (WB)

Sie sind kerngesund, putzmunter und erkunden schon fleißig mit ihren niedlichen Kulleraugen die Umgebung: Im Stall des Kreisseniorenheims in Oesterholz haben acht Lämmer das Licht der Welt erblickt - besonders zur Freude der Heimbewohner.

Klaus Karenfeld

Marianne von Müller schaut regelmäßig mit ihren Kindern Paula, Greta und Ronja im Kreisseniorenheim Schlangen-Oesterholz vorbei, um zu sehen, wie gut sich die acht Lämmer entwickelt haben. Foto: Oliver Schwabe

Der Tag beginnt früh. Im Stall des Kreisseniorenheims macht ein Chor blökender Lämmer auf sich aufmerksam. Die Bewohner haben ihnen so putzige Namen gegeben wie „Nesquik“ oder „Stracciatella“.

Thomas Plate, Leiter des Haus- und Pflegedienstes, freut sich über den tierischen Nachwuchs. Ein besonderes Dankeschön gilt Maria von Müller, die dem Kreisseniorenheim zuvor fünf trächtige Mutterschafe geschenkt hatte. Sie und ihr Ehemann Sebastian wohnen nur wenige hundert Meter entfernt. Das Paar führt den Alleenhof (Fürstenallee) von Edeltraud und Heinrich Kuhlmeier weiter.

Zusammen mit ihren drei Kindern Greta (6), Paula (4) und Ronja (1) schaut Marianne von Müller regelmäßig im Seniorenheim vorbei, um zu sehen, wie gut sich die acht Lämmchen entwickelt haben. „Bisher haben wir ausschließlich Texel-Schafe gezüchtet“, macht Plate gegenüber dieser Zeitung deutlich. „Jetzt versuchen wir eine neue Zucht mit dem Coburger Fuchsschaf aufzubauen.“

Diese Entscheidung hat auch mit dem Artenschutz zu tun. Denn das Coburger Fuchsschaf ist tatsächlich im Bestand gefährdet. In anderen Bundesländern wie Bayern, Hessen oder Niedersachsen zum Beispiel wird die Erhaltung der alten Landschafrasse sogar finanziell unterstützt.

Eine Besonderheit des Coburger Fuchsschafes ist seine Farbe. Bei der Geburt haben die Lämmer eine goldgelbe bis rotbraune Farbe; die hellt sich im Laufe der Zeit zwar auf, hat aber auch bei erwachsenen Tieren im Allgemeinen noch einen leicht rötlichen Schimmer. Am Kopf und an den Beinen verbleibt die ursprüngliche rotbraune Färbung.

Das Kreisseniorenheim in Oesterholz unterscheidet sich deutlich von anderen Betreuungseinrichtungen. „Wir ticken schon etwas anders“, macht Thomas Plate im Gespräch deutlich. „Unsere 36 Bewohner leben hier in einem Umfeld, das sich am ehesten mit einer Großfamilie vergleichen lässt.“

Aber das ist noch nicht alles. Das Oesterholzer Seniorenheim verfügt auch über eine kleine Landwirtschaft mit eigenem Gemüse- und Obstanbau. Das etwa 15.000 Quadratmeter große Außengelände macht das uneingeschränkt möglich.

Übrigens: Nicht nur Schafe und Lämmchen werden von den Heimbewohnern liebevoll umsorgt. Im Stall direkt nebenan haben fünf ausgewachsene Schweine ihr Quartier und lassen es sich gut gehen.

„Einige unserer Bewohner haben früher einmal selbst in der Landwirtschaft gearbeitet. Da werden schnell Erinnerungen an fast vergessene Zeiten wieder wach“, ist Plate überzeugt. Für die Aufzucht der Tiere ist Haustechniker Uwe Pax verantwortlich.

Nicht alle Heimbewohner sind noch so aktiv, um den „Neuankömmlingen“ einen Besuch abstatten zu können. Das ist Plate zufolge aber kein Problem: „Wir streifen den Lämmchen dann ein Geschirr über, und schon kann der Rundgang durch das Seniorenheim beginnen. Viele unserer Bewohner leben dann so richtig auf und freuen sich, wenn sie die süßen Lämmchen sehen und streicheln dürfen.“

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