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Team der Verbraucherzentrale Minden zieht Bilanz für 2021 und berichtet von stetig steigender Nachfrage in 2022

Ansprechpartner in Krisenzeiten

Minden/Lübbecke

Wellen von betrügerischen Paket-SMS oder falschen Inkasso-Forderungen, nicht immer rechtmäßige Kontoentgelte und tausende gekündigte Strom- und Gasverträge: Bei 4722 Anliegen waren die Mitglieder des Teams der Verbraucherzentrale in Minden im vergangenen Jahr Ansprechpartner, um Verbraucherinnen und Verbraucher aus dem ganzen Kreis Minden-Lübbecke zu unterstützen und zu ihrem Recht zu verhelfen. Seit dem Herbst sorgen zudem die massiv gestiegenen Energiepreise für einen zusätzlichen Ansturm auf die Beratungsstelle.

Bearbeitet von Stefan Lind

Steigen die Energiepreise immer weiter? Was kann ich als Bürger tun, um meine eigene Ausgaben zu senken? Die Verbraucherzentrale ist gerade in diesen unsicheren Zeiten eine oft genutzte Anlaufstelle. Die Zahl der Ratsuchenden wächst stetig. Foto: Foto: dpa

„Verlässlich und direkt für alle Menschen ansprechbar zu sein – das war und ist die Herausforderung zwischen Lockdown-Phasen und sich laufend verändernden Rahmenbedingungen für Geimpfte, Genesene und Getestete. Darauf haben wir flexibel reagiert, die im ersten Pandemiejahr entwickelten digitalen Zugangskanäle genutzt und unsere Onlineangebote ausgeweitet“, sagt Ursula Thielemann, Leiterin der Beratungsstelle Minden. „Je nach Komplexität des Anliegens war es für uns aber auch besonders wichtig, die Ratsuchenden ab Juni 2021 wieder in unseren Räumen in der Portastraße persönlich empfangen zu können.“

Gekündigte Strom- und Gasverträge

Dass zuletzt mehrere Strom- und Gasanbieter trotz vertraglicher Vereinbarung die Versorgung ihrer Kundschaft einstellten, brachte viele Haushalte in Bedrängnis. Betroffene rutschten in die Grundversorgung und hatten Mühe, einen neuen bezahlbaren Vertrag zu bekommen.

„Hier gab es viel Unsicherheit und Sorge“, so Cornelia Franke-Röthemeyer und Anke Schiermeyer, Umweltberaterinnen der Beratungsstelle Minden. Und bis heute ist die Nachfrage aufgrund der generell gestiegenen Preise für Strom, Gas und Öl sehr hoch, worauf die Verbraucherzentrale NRW auch mit zusätzlichen Informationen im Internet und Online-Seminarangeboten reagiert.

Neue Technologien helfen dem Geldbeutel

Wie viel Öl verheizt eigentlich ein durchschnittlicher Haushalt jährlich? Dies hat die Energieberatung dem Kreis Minden-Lübbecke im Rahmen einer Aktion mit einem beeindruckenden Stapel von zehn Ölfässern verdeutlicht. Durch die CO2-Bepreisung und die neuen Förderprogramme ist es für Hauseigentümer noch attraktiver geworden, sich nach Alternativen für alte Öl- oder Gasheizungen umzuschauen.

Die Nachfrage nach umweltfreundlicher Heiztechnologien wie Wärmepumpen, Pelletheizungen und Hybridanlagen ist so hoch, dass das Telefon der Energieberaterinnen Kerstin Pahnke und Michaela Prelle in diesen Tagen und Wochen nicht mehr stillsteht.

Das zweite große Thema ist der Bau der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach oder als Steckersolargerät auf dem Balkon. „Viele Beratungen drehen sich um die sinnvolle Dimensionierung der Anlage und um die Frage, ob ein Batteriespeicher mit berücksichtigt werden beziehungsweise wie groß dieser werden sollte. Auch wie Photovoltaik mit Elektroauto und Wärmepumpe optimal kombiniert werden könnte, ist für viele Ratsuchende ein Thema“, so die Expertinnen.

Das Team der Verbraucherzentrale Minden berät Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Kreis Minden-Lübbecke: (von links) Michaela Prelle, Ursula Thielemann, Anke Schiermeyer, Cornelia Franke-Röthemeyer, Ute Schürmann und Friederike Schulte-Tenkhoff; (sitzend) Anja Meyer (links) und Kerstin Pahnke. Foto: WB

Hochwasser rückt Starkregen in den Fokus

Bilder und Berichte von den verheerenden Folgen des Starkregens in vielen Regionen Nordrhein-Westfalens führen seit dem Sommer 2021 bei vielen Verbrauchern zu der Frage, wie man sich selbst gegen Unwetterfolgen und Hochwasser schützen kann. „Gebäude-, Hausrat- oder Kaskoversicherung – welche Versicherung kommt für welche Schäden auf und ist eine Elementarversicherung sinnvoll? In unserer Versicherungsberatung bieten wir den Bürgern Orientierung“, so Ursula Thielemann.

Abzocke geschieht auf vielen Wegen

Gefälschte Nachrichten vom Zoll mit Gebührenforderungen, massenhaft verschickte SMS von angeblichen Paketdiensten, die ahnungslose Nutzer zum Beispiel in Abo-Fallen lockten, oder Kettenbriefe in sozialen Netzwerken und Messengern, die zum Datenklau führten: Die digitale Welt nutzen Kriminelle, um die verschiedenen Kommunikationskanäle geschickt für ihre betrügerischen Aktivitäten einzusetzen. Hier ist Aufklärung gefragt.

Reisen sind oft sehr herausfordernd

Wer verreist, will etwas erleben oder sich entspannen. Virusvarianten, Reisewarnungen, zunächst knapper Impfstoff und wechselnde Quarantäneregeln machten die Reiseplanung jedoch auch 2021 teilweise stressig.

Zum Weltverbrauchertag am 15. März hat die Beratungsstelle Minden unter dem Motto „Urlaubspläne trotz Corona: Vorausschauend buchen, Ärger vermeiden“ zusammengestellt, was Pauschal- und Individualreisende zum Beispiel über Stornoregeln, Flex-Tarife und Pandemieklauseln wissen sollten. „Zugleich wenden sich wegen Problemen bei der Erstattung abgesagter Reisen weiter viele Ratsuchende an uns“, erklärt Ute Schürmann, Beraterin in der Beratungsstelle Minden.

Beratung zum Bankrecht gefragt

Eine hohe Nachfrage gibt es auch zu Finanzthemen: Kündigungen von einst attraktiven Prämien- und Bausparverträgen vor allem von Sparkassen führen zu erheblichem Beratungsbedarf. Kunden wollen die Rechtmäßigkeit der Kündigungen einschätzen lassen und nehmen dazu die anwaltliche Beratung zu Bank- und Kapitalmarktrecht der Verbraucherzentrale in Anspruch.

Daneben geht es bei den Prämiensparverträgen um die Überprüfung der ursprünglich gut verzinsten Alt-Verträge und deren „Innenleben“ – beispielsweise um die Wirksamkeit von Zinsanpassungsklauseln, das Bestehen möglicher Nachforderungsansprüche bei Kündigungen oder auch um die Methode der Zinsberechnung.

Einweg(-plastik) vermeiden

Die Umweltberatung hat 2021 mit vielen Aktivitäten Anstöße für das Vermeiden von Einweg- und Verpackungsmüll gegeben – und tut das auch weiterhin. Informativ und praktisch erfahren die Bürger, welche Alternativen es zu Einweggeschirr und anderen Wegwerfartikeln aus Plastik gibt, deren Verkauf seit dem 3. Juli 2021 verboten ist.

Unter dem Motto „Trink Leitungswasser – eine klare Sache“ werden die Vorteile des Wasserzapfens aus dem Hahn aufgezeigt. Und auch beim Takeaway-Essen wird auf Mehrweg statt Einweg gesetzt. „Hier wollen wir in diesem Jahr weitere Aktionen starten“, kündigten die Umweltberaterinnen Cornelia Franke-Röthemeyer, Anke Schiermeyer und Sabrina Nerge an.

Der Bau der eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach interessiert viele Ratsuchende, die sich an die Verbraucherzentrale Minden wenden. Foto: G. Ostbevern

Für Ansprüche der Menschen eingesetzt

Die Kennziffern zeigen, dass die Verbraucherzentrale auch 2021 eine stark gefragte Anlaufstelle für die Menschen im Kreis Minden-Lübbecke war: Bei rund 1447 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.

In der allgemeinen Verbraucherberatung erhielten 24 Prozent der Verbraucher diese aufgrund von niedrigen Einkommen entgeltfrei. Rechtliche Ersteinschätzung erteilt die Verbraucherzen-trale in diesem Themengebiet generell kostenfrei.

Schulabschluss – und was dann?

„Abschluss 2021 – lernst du noch?“ Mit dieser Frage hatte die Verbraucherzen-trale Jugendliche, die im Sommer ihren Schulabschluss in der Tasche hatten, zu einer dreiteiligen Online-Veranstaltungsreihe eingeladen. Denn beim nächsten Schritt in die „Selbstständigkeit“ stellt sich für viele junge Menschen die Frage: Und dann? Wie läuft es bei der Suche nach der eigenen Wohnung, welche Versicherungen sind für junge Leute wichtig? Wie kann das meist knappe Budget planvoll eingeteilt werden?

In drei offenen Online-Modulen gab es hierzu nicht nur Informationen, sondern auch das richtige Handwerkszeug, um die individuell passenden Entscheidungen zu treffen. Und nicht zuletzt bot der Chat einen direkten Kanal für Fragen. Wegen der großen Nachfrage wird die Reihe 2022 wiederholt.

Den Jahresbericht der Verbraucherzentrale finden Interessierte unter diesem Link: https://www.verbraucherzentrale.nrw/minden-jahresbericht2021.

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