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„Gebete haben mich gerettet“ – Wie ein Krankenpfleger fast an Corona gestorben wäre - Erleichterung im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen

80 Tage zwischen Leben und Tod

Bad Oeynhausen

Die Freude ist spürbar, als die Intensiv- und Physioteams des Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen zusammenkommen, um Bernhard K. zu verabschieden. Ihr Patient hat einen wahren Corona-Marathon hinter sich, bei dem zum Schluss alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft waren.

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Bernhard K. mit (v.l.) Anna-Lena Bens (Physiotherapie), Intensivmedizinerin Nicole Weinrautner, Rüdiger Reiter (Intensivpflege), Kirsten Bechtloff-Franzrahe (Physiotherapie), Denis Beyer (Stellv. Stationsleitung Intensivpflege) und Pneumologe Dr. Jost Niedermeyer. Foto: HDZ/Mompour

„Mein Glaube hat mir geholfen, das zu überstehen“, sagt Bernhard K.

Der 61-Jährige aus Bad Pyrmont lag den HDZ-Spezialisten auch so sehr am Herzen, weil er einer von ihnen ist – ein erfahrener Krankenpfleger, der bis zum Herbst auf der Überwachungsstation des Ev. Bathildis-Krankenhauses in Bad Pyrmont arbeitete. Bis das Schicksal zuschlug.

Bernhard K. (61) aus Bad Pyrmont

„Es begann Anfang November mit Luftnot“, erzählt Bernhard K. „Ich konnte nur noch im Stakkato sprechen.“ Vier Tage später lag er als Patient im eigenen Krankenhaus, wo sich sein Zustand so rasant verschlechtert, dass Chefarzt Dr. Jan Körfer Kontakt zum Herzzentrum aufnahm.

Dort wurde Bernhard K. am 9. November schwerkrank auf der Corona-Station aufgenommen, wo ihn die Intensivmedizinerin Nicole Weinrautner, Pneumologe Dr. Jost Niedermeyer, Pflegeleiter Ralf Hauptmeier und ihre Teams versorgen. „Solche Patienten haben einen sehr hohen Sauerstoffbedarf“, sagt Dr. Niedermeyer. Wie bereits in Bad Pyrmont befürchtet, zeigten sich bei Bernhard K. die akut lebensbedrohlichen Tücken der Erkrankung, die den Therapie- und Pflegeteams noch große Sorge bereiten sollten. Es waren höchst dramatische Ereignisse, die seinen persönlichen Corona-Marathon kennzeichneten – für die Experten eine eindringliche Warnung vor der Gefährlichkeit dieser Viruserkrankung.

Ende November mussten die Intensivspezialisten den Patienten an eine Lungenersatzmaschine (ECMO) anschließen – die letzte Möglichkeit, sein Leben zu retten, eine Maßnahme, die im Durchschnitt nur jeder zweite Patient überlebt. 55 Tage lag Bernhard K. an der Maschine im künstlichen Koma. Er hat keine Erinnerung an diese Zeit, in der er mit fünf verschiedenen Antibiotika behandelt wurde, in der die Mediziner einen Luftröhrenschnitt durchführen mussten, seine Nieren versagten und er an die Dialyse musste.

Insgesamt lagt der todkranke Bernhard K. 63 Tage auf der Intensivstation – 63 Tage, in denen sein Leben mehrmals am seidenen Faden hing. „An Weihnachten kann ich mich gar nicht erinnern“, sagt er. „Da ist eine Lücke, die immer bleiben wird.“ Aber er hat wohl wahrgenommen, dass jemand da war für ihn, dass man sich um ihn gekümmert hat. Kontakt mit seiner Familie hatte Bernhard K., als es ihm langsam besser ging, über ein Tablet, das in Augenhöhe über seinem Bett angebracht war. Via Internet erfuhr er, dass sein Sohn über die sozialen Medien in der ganzen Welt dazu aufgerufen hatte, für seinen schwer kranken Vater zu beten. „Von überall kamen die Wünsche, sogar aus Neuseeland, Paraguay, Nordafrika und Russland.“ Bernhard K. ist ein gläubiger Mensch und überzeugter Christ: „Die Gebete haben mich gerettet.“

Der Kontakt zur Familie machte ihn stärker, und Anfang Januar begann er, selbstständig wieder zu atmen. Eine Woche später kam er auf die Normalstation, und nach insgesamt 80 Tagen war sein Aufenthalt in Bad Oeynhausen beendet. Bernhard K. wurde in die Rehaklinik nach Bad Lippspringe entlassen, wo er sich weiter erholen soll.

Doch davor stand der Abschied von den Menschen, die in der allerschlimmsten Zeit an seiner Seite waren, als er nicht atmen, nicht sprechen und sich nicht mehr bewegen konnte. „Das ist so ein schöner Moment, wenn ein Patient vor dir steht, um den wir so sehr gekämpft haben“, sagte jemand aus der Gruppe.

„Der Fall zeigt, dass wir bei der Behandlung von Corona-Patienten mitunter an die Grenzen der medizinischen Möglichkeiten kommen“, sagt Dr. Niedermeyer. „Wir wissen immer noch zu wenig über die Krankheit.“

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