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Zwei Mal pro Jahr kommt in Bad Oeynhausen die Technik auf den Prüfstand – mit Video

A 30: Nachtschicht im Hahnenkamptunnel

Bad Oeynhausen-Dehme (WB). Der Hahnenkamptunnel der A 30 in Dehme: Täglich rollen hier Tausende Fahrzeuge hindurch. Ein ausgeklügeltes System sorgt für Sicherheit im Falle einer Havarie. Die Technik läuft 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Zwei Mal im Jahr hat sie Pause. Dann überprüft Straßen NRW zusammen mit dem Unternehmen OSMO-Anlagenbau, ob alles funktioniert.

Frank Dominik Lemke

Nächtliche Wartungsarbeiten im Hahnenkamptunnel: Die Stopsignale in Fahrtrichtung Hannover werden überprüft. Mitarbeiter von Osmo-Anlagenbau tauschen einige Bauteile aus. Für acht Stunden war der Tunnel im Verlauf der Nordumgehung in der Nacht zu Sonntag für den Verkehr gesperrt. Foto: Frank Dominik Lemke

Diese Nacht wird lang für Rolf Mohme und seine Kollegen. Der Diplom-Ingenieur von Straßen-NRW beaufsichtigt die Wartungsarbeiten. Dafür wir der Tunnel acht Stunden gesperrt. Während Rolf Mohme die Sperrung an den Tunneleinfahrten vorbereitet, blicken die Mitarbeiter der Anlagenbaufirma gespannt auf ihre Bildschirme. In der Warte auf dem Dach des Tunnels verfolgen sie alle Bewegungen im und vor dem Tunnel per Videokamera. Hinter ihnen blicken bunte Lämpchen in Schränken, mit Computertechnik voll gestopft.

Vom Gateway bis zur kleinsten Leuchte

»22 Uhr. Jetzt kann es losgehen«, sagt einer der Kollegen. Die Aufmerksamkeit steigt. Noch fahren Pkw an den Kameras vor den beiden Einfahrten des Tunnels vorbei. Die Scheinwerfer ziehen auf den Monitoren weiße Schlieren. Dann sehen die Männer in der Warte, wie die Kollegen von Straßen NRW Pylonen auf die Fahrbahn stellen. Von nun an fließt der Verkehr aus beiden Richtungen über Dehme zur nächsten Autobahnauffahrt.

»Wir haben einiges vor uns«, sagt Rolf Mohme, der in der Warte kurz Rücksprache hält, bevor er in den Tunnel zurückkehrt. Jedes Detail muss überprüft werden: Lampen, Kabel, Lichtsignale, die automatische Durchsage bei einem Notfall, die Notrufsäulen, Türen, das Gateway.

Die großen Computerschränke in der Warte beinhalten das sogenannte »Gateway«. Das ist die Hardware, welche die Systeme des Tunnels mit der Tunnelleitzentrale in Hamm verbindet. Im normalen Betrieb ist die Warte in Dehme nicht besetzt. Fällt die Verbindung mit Hamm aufgrund eines technischen Defektes aus, leitet das System seine Daten automatisch an die Tunnelleitzentrale in Duisburg weiter.

Die Wartung der Technik beansprucht viel Zeit

In dieser Nacht werden die Ingenieure das System runter- und wieder hochfahren, in etwa so, wie bei einem Reset eines normalen Computers. »Naja, das ist stark vereinfacht. Das Gateway ist sehr komplex. Deswegen brauchen wir für die Wartung auch eine ganze Nacht«, sagt Rolf Mohme.

Im Tunnel angekommen inspiziert er als erstes die technischen Anlagen, die er mit dem Auge begutachten kann. »Das sieht alles gut aus. Ein paar Lichter der optischen Leiteinrichtungen werden wir austauschen müssen«, sagt er. Dann öffnet er eine Notrufkabine und testet die Sprechfunktion.

Notruf: Sirenen leuchten und Stimme warnt vor Gefahren

Er drückt einen gelben Knopf und die SOS-Säule antwortet: »Bitte Warten.« Dann meldet sich ein Mitarbeiter: »Tunnelleitzentrale Hamm«. »Ja, hier ist Rolf. Hallo Matthias. Sag, kannst du eine Sprachkonserve anschmeißen, für den Tunnel?«. »Ja, Moment«, bekommt Mohme als Antwort und im Tunnel ertönt ein Alarmsignal. Echos einer lauten Frauenstimme schallen durch den Tunnel: »Achtung. Hier spricht die Leitzentrale. Stau. Bilden sie eine Fahrgasse für Rettungsfahrzeuge.«

Rolf Mohme sieht zufrieden aus. Das verspricht eine routinierte Nacht zu werden, bei der nur kleine Ausbesserungen vorgenommen werden müssen. Das Ziel der Überprüfung: maximale Sicherheit für jene, die täglich durch den 430 Meter langen Hahnenkamptunnel fahren.

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