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Kinderärztin Elke Herm gibt ihre Praxis nach 24 Jahren ab – Nachfolgerin gefunden

Abschied von kleinen Patienten

Bad Oeynhausen-Eidinghausen (WB). Der Abschied von vielen kleinen Patienten, den Eltern und ihrem Team fällt Kinderärztin Dr. Elke Herm nicht leicht. Nach 24 Jahren gibt sie ihre Praxis ab. Die Bilanz beeindruckt: Mehr als 25 000 Kinder behandelten sie und ihre Mitarbeiterinnen seit 1993.

Rajkumar Mukherjee

Am Mittwoch, 28. Juni, hat Kinderärztin Dr. Elke Herm (Zweite von links) ihren letzten Arbeitstag in ihrer Praxis. Dann muss sie sich auch von den Mitarbeiterinnen (von links) Petra Preuß, Natalia Pauls und Elke Heidemann verabschieden.                                                         Foto: Rajkumar Mukherjee

Insgesamt sind es sogar 44 Arbeitsjahre in der Medizin. Mit Erreichen des 68. Lebensjahr gibt Elke Herm ihre Praxis zum 30. Juni ab. Letzter Arbeitstag ist am Mittwoch, 28. Juni. Eine Nachfolgerin ist gefunden. Die Zulassungskommision der Kassenärztlichen Vereinigung müsse der Übergabe aber noch offiziell zustimmen.

Viele Erinnerungen nimmt Elke Herm mit. Viel Schönes sei darunter, manch lustige Begebenheit, wenn Mädchen und Jungen lebensfroh erzählten. Auch Tränen flossen dann und wann und einige Fälle stimmen das Team auch Jahre später noch traurig. »Wir mussten einigen Eltern und den Kindern sehr ernste Diagnosen mitteilen. Das nimmt einen sehr mit. Es ist aber auch Teil unseres Berufsbildes«, sagt Elke Herm.

Zum Team gehören die Mitarbeiterinnen Elke Heidemann (seit 1993), Petra Preuß (seit 1998) und Natalia Pauls, die 1999 in der Praxis ausgebildet wurde und seit 2015 wieder dabei ist. Natalie Lauer ist seit 2015 im Mutterschutz.

Umfangreiche medizinische Ausbildung

Seit 1993 begleitete die Praxis viele Familien. Die Patienten werden bis zum 18. Lebensjahr untersucht. »Schön ist es dann, wenn die nächste Generation dazukommt und wir die Kinder der früheren Patienten begrüßen«, sagt Elke Heidemann.

Zur Ärztin wurde Elke Herm von 1967 bis 1973 an der Medizinischen Akademie Magdeburg ausgebildet. Ihre Zulassung zur Fachärztin und die Promotion erfolgten bis 1980 an der Universität Leipzig. Viel praktische Erfahrung sammelte sie bis 1993 als leitende Ärztin auf der Gastroenterologie- und Stoffwechselstation der Universitätskinderklinik in Leipzig. Nach einem Umzug machte sie sich dann 1993 mit einer eigenen Praxis selbstständig. Bis 2003 war die Praxis noch an der Hahnenkamp­straße untergebracht, zog dann in das Gebäude Eidinghausener Straße 152.

Die Veränderungen der Rahmenbedingungen für niedergelassene Mediziner hat Elke Herm selbst erlebt. »Als wir 1993 anfingen, waren es noch vier Kinderärzte in Bad Oeynhausen. Jetzt gibt es mit unserer und der Praxis von Dr. Stefanie Eisberg nur noch zwei in der Stadt«, sagt sie. Etwa 1200 Patienten versorgt die Praxis innerhalb eines Quartals. Zum Teil bringen Eltern ihre Kinder aus Porta Westfalica oder sogar aus der Gemeinde Hille.

Fünf Jahre Suche nach einem Nachfolger

Zudem war es nicht einfach, eine Nachfolgerin zu finden. »Ich habe fünf Jahre gesucht, vergeblich. Es ist für junge Kollegen derzeit nicht einfach, sich selbstständig zu machen«, sagt Elke Herm. Auch eine obligatorische Anzeige im Westfälischen Ärzteblatt half nicht. Umso mehr freut sich Elke Herm über eine junge Kollegin, die nach der Bestätigung der Kassenärztlichen Vereinigung Anfang Juli den Familien auch offiziell vorgestellt werden soll.

Für die Nachfolge kam übrigens auch keines ihrer vier Kinder in Frage: Eine Tochter ist zwar Kinderärztin – aber in Schweden. Die zweite Tochter arbeitet als Krankenschwester an der Grenze zur Schweiz, ein Sohn ist Apotheker in Hamburg. Eine weitere Tochter praktiziert als Tierärztin.

Nach dem letzten Arbeitstag von Elke Herm bleibt die Praxis drei Tage aus organisatorischen Gründen geschlossen. Auch einen gemeinsamen Ausflug mit den Mitarbeiterinnen möchte Elke Herm dann machen.

»Es wird nun ein Neuanfang. Ich freue mich auf meine Hobbies und Reisen«, sagt Elke Herm. Dazu gehören: Literatur, der Garten, Tiere, Malen, Kochen sowie etwa das Reiseziel West Bengalen, ein Bundesstaat in Indien.

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