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Spezialfirma untersucht Faultürme der Kläranlage Bad Oeynhausen auf Ablagerungen

Abtauchen im Klärschlamm

Bad Oeynhausen  (WB). Das gibt es nur alle zehn Jahre: Vier Spezialtaucher einer Fachfirma aus Österreich haben am Dienstag die beiden Faultürme der Kläranlage an der Dehmer Straße untersucht. Bei diesem Kontroll- und Wartungseinsatz tasteten sie die Rohrleitungen im Inneren der zwei Behälter ab und überprüften zudem die Wände auf Ablagerungen.

Malte Samtenschnieder

Nach dem Tauchgang im ersten Faulturm der Kläranlage wird der eingesetzte Mitarbeiter der österreichischen Spezialfirma gründlich per Hochdruckreiniger abgespritzt. Foto: Malte Samtenschnieder

Die Dimensionen der Faultürme sind beeindruckend: »Jeder Behälter ist insgesamt 37 Meter hoch, zehn Meter befinden sich allerdings unter der Erdoberfläche«, sagte Gunnar Beermann. Der Mitarbeiter der Stadtwerke Bad Oeynhausen ist als Betriebsleiter für die Kläranlage zuständig.

Jeder der beiden Faultürme habe ein Fassungsvermögen von 3700 Kubikmetern. Die Innentemperatur liege bei etwa 37 Grad. »Perfekte Bedingungen für die Methanisierung«, sagte der Experte.

Mit dem bei den Faulprozessen gewonnenen Biogas erzeugen die Stadtwerke zum einen die im Behälter erforderliche Wärme und decken zum anderen 100 Prozent des Energiebedarfs der Kläranlage ab.

150 Kubikmeter Klärschlamm werden den Faultürmen pro Tag zugeführt. Die Verweildauer liegt im Durchschnitt bei 24 Tagen.

Neues Verfahren spart Kosten und Zeit

Noch bis vor wenigen Jahren musste für einen vergleichbaren Einsatz der gesamte Inhalt des Faulturms abgelassen und ordnungsgemäß entsorgt werden. »Das komplette Ablassen und Auffüllen konnte bis zu 50 Tage dauern«, erläuterte Anton Ulrich senior von der Spezialfirma Umwelttauchservice aus Wien.

Damit die Faultürme keine Risse bekommen, sei ein vorsichtiges Absenken und Anheben des Schlammpegels beziehungsweise der Innentemperatur um maximal 50 bis 70 Zentimeter pro Tag beziehungsweise um ein Grad pro Tag erforderlich.

Diese Prozedur entfalle beim Einsatz der Taucher. Für die Kontrolle der Faultürme war am Dienstag jeweils nur ein rund einstündiger Tauchgang erforderlich. Für die Reinigung der Faultürme kalkulierte Anton Ulrich senior jeweils etwa 15 Tage.

Vierköpfiges Team übernimmt Inspektion

»Für die Stadtwerke Bad Oeynhausen ist der professionelle Kontroll-Taucheinsatz eine echte Alternative«, sagte Andreas Kollmeyer, Geschäftsbereichsleiter Abwasser der Stadtwerke. Langes Warten und Kosten in sechsstelliger Höhe ließen sich so umgehen.

Während der Inspektion der Faultürme der Kläranlage an der Dehmer Straße waren am Dienstag vier Spezialtaucher im Einsatz: Zwei von ihnen sicherten, einer dokumentierte die Untersuchungsergebnisse und der vierte stieg langsam von oben nach unten in den jeweiligen Behälter.

Während der Tauchgänge müssten sich seine Kollegen komplett auf ihren Tastsinn verlassen. »Bereits zehn Zentimeter unter der Schlammoberfläche sieht man nichts mehr«, sagte Anton Ulrich senior. Mit Atemluft wurden die Taucher per Kompressor versorgt. Für den Notfall standen zudem zwei 40-Liter-Flaschen mit Pressluft bereit. Die Kommunikation aus dem Schlammbassin war durchgängig über eine Mikrofonverbindung per Kabel möglich.

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