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Neubau Hallenbad: Grüne, Linke, UW und FDP wollen Allwetterbad in Bad Oeynhausen

Alles wieder auf Anfang?

Bad Oeynhausen  (WB). Kommt es an diesem Donnerstag zur Grundsatzentscheidung für den Bau eines neuen Sporthallenbades im Sportausschuss? Wenn es nach den Fraktionen der Grünen, der Linken, der UW und von FDP-Ratsherr Wilhelm Ober-Sundermeyer geht, wohl eher nicht.

Rajkumar Mukherjee und Christoph Laabs

Das Schwimmbecken der Grundschule Rehme-Oberbecksen müsste laut Stadtverwaltung saniert werden und soll nach Überlegungen im Sportausschuss durch einen Neubau für Schul- und Vereinsschwimmen am Standort Sielbad ersetzt werden. Foto: Christop Laabs

In einem gemeinsamen Beschlussvorschlag wollen sie stattdessen die Sanierung und den Umbau des Sielbades zu einem Allwetterbad auf den Weg bringen. Die Eckpunkte des Beschlusses stellten sie am Mittwoch vor.

Bbei der Sondersitzung des Sportausschusses soll es zur Grundsatzentscheidung kommen. Die Sondersitzung, Beginn 18.30 Uhr, findet im Konferenzraum (Raum 1115) der Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO), Weserstraße 23, statt. Der Ort ist kein Zufall: Es gibt bislang die Überlegung, dass die Finanzierung und der Bau eines Vereins- und Sporthallenbades durch die SBO erfolgen soll. Die Kosten für einen Neubau würden sich auf etwa 9,9 Millionen Euro belaufen.

Die Ausrichtung auf ein Vereins- und Sporthallenbad sei aber aus Sicht der Grünen, der Linken, der UW und von FDP-Ratsherr Wilhelm Ober-Sundermeyer »nicht zukunftsweisend.« Die Antragsteller kritisieren, dass solch ein Sporthallenbad nur »mit dem Notwendigsten zur Sicherstellung von Schulschwimmen und dem Schwimmen der Schwimmsportvereine« ausgestattet und neben das bestehende Freibad gesetzt würde. Zum Nachteil von Teilen der Bevölkerung. »Ein Bad muss auch für andere Besucher, insbesondere Familien und Kinder, attraktiv sein. Hier sehen wir ein ganzjährig nutzbares Allwetterbad als für alle Bürger nützlichste Variante an«, teilen die Antragsteller in ihrer Begründung weiter mit.

Der Beschlussvorschlag der Grünen, der Linken, der UW und von FDP-Ratsherr Wilhelm Ober-Sundermeyer sieht folgendes vor:

1. Der Rat nimmt die Machbarkeitsstudie und das definierte Raumprogramm zum Bau eines Vereins- und Sporthallenbades am Standort Siel zur Kenntnis.

2. Der Rat beauftragt die Verwaltung, ein Konzept zur Sanierung und zum Umbau des Freibades zu einem ganzjährig nutzbaren Allwetterbad zu erarbeiten beziehungsweise durch ein fachkundiges Büro erarbeiten zu lassen und dem Sportausschuss in einer der nächsten Sitzungen vorzulegen.

3. Der Rat beauftragt die Verwaltung, etwaige Förderprogramme für die Sanierung und den Umbau des vorhandenen Freibades zu einem ganzjährig nutzbaren Allwetterbad zu prüfen.

Der Beschlussvorschlag steht im Gegensatz zu dem Beschluss des Sportausschusses vom 24. November 2016: Damals hatte das Gremium einstimmig – nach langjährigen Überlegungen – beschlossen, die Verwaltung mit der Erstellung eines Konzeptes für den Neubau eines Vereins- und Sporthallenbades am Standort Sielbad zu beauftragen.

Vorlage ist das Grundkonzept des Hallenbades Nordbad Gütersloh. Eine Machbarkeitsstudie in zwei Varianten (9,9 Millionen Euro und 10,4 Millionen Euro) hatte Jens-Wilhelm Brand, Geschäftsführer des Planungsbüros Con­strata (Bielefeld) im Juli im Sportausschuss sowie Anfang September in den Fraktionen vorgestellt.

Eine Vorgabe, ob ein neues Hallenbad hauptsächlich durch Vereine und Schulen – wie von der Stadt vorgesehen – genutzt wird, gibt es nach Auskunft von Kon­stanze Ziemke-Jerren­trup von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen nicht. »An wen die Schwimmzeiten vergeben werden, liegt vollständig im Ermessen des Betreibers«, erklärt sie auf Anfrage dieser Zeitung.

Da der Neubau mit Steuergeldern finanziert wird, empfehle Konstanze Ziemke-Jerren­trup, eine ausgewogene Nutzung durch Vereine, Schulen und Öffentlichkeit zu bedenken.

Schulbecken vor dem Aus?

Die Studie für ein neues Sporthallenbad sieht ein Lehr-Schwimmbecken mit Hubboden und Wassergewöhnungstreppe vor. Sollte es gebaut werden, will die Stadt die Lehr-Schwimmbecken der Grundschulen Rehme-Oberbecksen und Werste schließen. »Zum Unterhalt fallen jährlich 160.000 Euro pro Grundschule an, ein gemeinsames Becken wäre günstiger. Außerdem müssten die Einrichtungen der Schulen saniert werden«, sagt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich.

Die Lehrpläne des Landes fordern Schwimmunterricht für alle Drittklässler. Beide Schulen bieten zusätzliche Kurse an. »Unser Becken ist voll ausgelastet«, sagt Klaus Gerlich, Leiter der Grundschule Werste. Die Fahrzeit zum Hallenbad würde die verbleibende Schwimmzeit reduzieren. Dass die Zusatzkurse dann weiter bestehen können, hält er für unwahrscheinlich. Er äußert weitere Bedenken: »Viele Grundschüler haben Angst vor dem Wasser, besonders Flüchtlingskinder. Die Atmosphäre des großen Hallenbads stresst sie noch mehr.«

Björn Klemke, Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Rehme-Oberbecksen, gibt zu bedenken: »Die Kosten von bestehenden und geplantem Lehrschwimmbecken sollten öffentlich einsehbar gegenüber gestellt werden. Auch die Fahrtkosten der Schulen und der Qualitätsverlust des Unterrichts müssen berücksichtigt werden.«

Dach über das Sielbad

Für eine Alternative zum Sporthallenbad setzt sich auch Werner Birtsch (56) ein. 9,9 Millionen Euro für ein neues Hallenbad hält er für »betriebswirtschaftlichen Wahnsinn«. Er regt stattdessen an, das Sielbad zu sanieren, teilweise zu überdachen und zu einem Kombibad auszubauen.

Dass eine Sanierung des Sielbades mehrere Millionen Euro koste, habe er von der Verwaltung erfahren. Das bestätigt Volker Müller-Ulrich, Sprecher der Stadt, dem Kern nach: »Eine Grundsanierung des Sielbades käme vom Kostenansatz einem Neubau gleich.« Als vergleichbare Planung komme dafür Bünde in Frage, wo man mit Kosten von etwa vier Millionen Euro für einen Badneubau rechne. Einen Sanierungsplan gebe es aber derzeit nicht.

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