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Horst Jäcker aus Rehme blickt auf verschiedene historische Flutereignisse an Werre und Weser zurück

Als Hochwasser zum Alltag gehörte

Bad Oeynhausen

Steigende Wasserkanten und reißende Fluten – bis zur Werreregulierung gehörten jährliche Überschwemmungen zum Alltag der Bad Oeynhausener. „Hochwasser war alltäglich für uns“, erinnert sich Horst Jäcker. Im Februar 1946 wurde die Kurstadt von einem Jahrhunderthochwasser im Flussgebiet der Werre erschüttert, das Eidinghausen, Dehme und Rehme in den Fluten versinken ließ.

Lydia Böhne

Der Rehmer Horst Jäcker kann sich an etliche Hochwasser in Bad Oeynhausen erinnern. Foto: Lydia Böhne

Horst Jäcker, der damals acht Jahre alt war, erinnert sich: „Wir wohnten in Babbenhausen an der Vlothoer Straße, dort wo heute Trade Port Automobilhandel ist. Das Werrewasser kam bis an unseren Garten heran.“ Ein kalter, regnerischer Januar sorgte dafür, dass die Böden so gesättigt waren, dass sie die starken Regenmassen im Februar nicht mehr aufnehmen konnten. Allein vom 8. auf den 9. Februar fielen 130 Liter auf den Quadratmeter – ein Fünftel des Gesamtniederschlags eines Jahres.

Der Eidinghausener Heinrich Kuhlmann notierte in seinen Hochwasseraufzeichnungen für den 9. Februar einen Wasserstand von 5,69 Metern, den er in der Nähe der Flutmulde in Eidinghausen gemessen hatte. Am Pegel Porta wurden sogar 7,90 Meter gemessen – Jahrhunderthöchststand.

Die tiefer gelegenen Grundstücke an der Werre und dem im Sielpark einmündenden Karbach sowie Höfe entlang der Weser waren von der Springflut betroffen. Die Wassermassen waren so stark, dass sie das Bootshaus des Kanuvereins Bad Oeynhausen und die darin gelagerten Boote fortspülten. Die Freiwillige Feuerwehr Werste versorgte die Bevölkerung über Schlauchboote mit dem Lebensnotwendigen.

„Wenn das Wasser zurückging, haben wir immer in den Gräben nachgeschaut, ob dort Fische waren“, berichtet Horst Jäcker. Vorwiegend Hechte und Neunaugen warteten dort auf die Angler. Horst Jäcker kann sich noch gut daran erinnern, wie er seine Freunde in Rehme mit Gummistiefeln besucht hat. „Vor allem die Gegend um das damalige Amt Rehme war immer überschwemmt. Mit Sandsäcken versuchte man sich dort vor dem Wasser zu schützen.“ Der Rehmer weiß noch genau: „Für die Landwirte an der Weser galt: Wenn das Heu nicht rechtzeitig reingeholt wurde, trieb es bis nach Bremen.“

Obwohl das Hochwasser stets Schaulustige angezogen habe, hat es laut Horst Jäcker wenige Tote gegeben: „Die Leute waren wasseraffin und haben damals noch alle schwimmen gelernt. Aber natürlich sind Menschen beispielsweise in den Wasserstrudeln ertrunken.“

Auch beim Bau des Autohauses Jäcker 1959 an der Adam-Opel-Straße in direkter Nachbarschaft der Rehmer Insel spielte die Hochwassergefahr eine Rolle. „Wir mussten festlegen, auf welcher Höhe das Autohaus gebaut werden sollte“, berichtet Horst Jäcker.

Da die ehemalige Holzhandlung Landré & Bartels an der Vlothoer Straße auf ähnlicher Höhe unter Wasser gestanden habe, entschied man sich laut Horst Jäcker, das Autohaus etwas höher zu bauen. „Die tiefste Stelle ist in der Kurve vor dem Autohaus gewesen. Wir sind dadurch immer von Hochwassern verschont geblieben“, sagt Horst Jäcker. Lediglich die Lkw-Gruben seien bei Zeiten mit Wasser, das leicht abgepumpt werden konnte, vollgelaufen.

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